Österreichs Aushängeschild und Meisterregisseur Michael Haneke spinnt mit seinem neuesten Werk “ CACHÉ “ ein kleines aber undurchdringliches Spinnennetz. Gefangen und ohne Aussicht auf Befreiung kleben seine französischen Protagonisten Daniel Auteuil (Georges), Juliette Binoche (Anne), sowie jeder einzelne Zuseher im fein ausgelegtem Netz. Oberflächlich betrachtet bewahren beide Darsteller ein perfektes Leben, ohne Fehl und Tadel. Ihr Arrangement hinsichtlich der bestehenden Beziehung funktioniert leidenschaftslos. Die Verantwortung des gemeinsamen Sohnes wird nahtlos übertragen und geteilt.
Doch bald beginnt sich dieses anfänglich einfache Netz des Hrn. Haneke zu verändern. Es gestaltet sich kontinuierlich und mit steigender Geschwindigkeit vielschichtiger. Verschiedene erkennbare Ebenen greifen tiefer und der zuerst entstandene Eindruck vernebelt sich. Michael Haneke ist ein Meister der Konsequenz. Seine Struktur behält er stilsicher über die gesamte Länge des Filmes im Auge. Er schafft eine seltsame und dennoch realitätsnahe Welt. Er gräbt in der Vergangenheit des Hauptdarstellers und führt gekonnt das interessierte Kinopublikum auf eine Reise durch dessen Seelenlandschaft. Zwar gibt der Regisseur diverse Richtlinien vor, jedoch ist die Handlungsabfolge und der Ausgang frei interpretierbar. Er entlässt den erstaunten und teilweise verwirrten Zuseher mit zahlreichen offenen Fragen. Zweifelsfrei von Michael Haneke erwünscht ergeben sich verschiedene Ansichten und Meinungen. “CACHÉ“ stellt sich als subtiler und zeitkritischer Film dar, der dringlich zum Mitdenken auffordert. Mit großer Wahrscheinlichkeit schmerzt CACHÉ beim Sehen, aber genau dieses Leiden zielt auf den bleibenden Eindruck. Gestärkt wird diese Empfindung mit der Tatsache, dass der gesamte Film, mit seinen gefühlsnahen Bildern, ohne jeglicher Musik auskommt. Eine Stille die Lärm erzeugt; eine Stimmung die lautlos im Gehörgang tönt.
Mit “CACHÉ“ schließt Michael Haneke nahtlos an seine früheren Werke an. Der 1942 in München geborene “Österreicher“ begeistert Kritiker und Publikum mit Bennys Video, Funny Games, Die Klavierspielerin und Wolfzeit in gleicher Maßen. “CACHÉ“ ist ein weiteres gelungenes Werk und wurde nicht zu unrecht in Cannes 2005 heroisch gefeiert. Nominiert für die goldene Palme und Preise für die beste Regie, den Publikumspreis plus den Fipresci Preis gingen auf Hanekes Konto.
Fazit: Durchdachte Inszenierung mit elementaren Stilmittel und eine immense Portion “Freiraum“ für den Betrachter.
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