Wie auch schon in seinen früheren Filmen (THE CIDER HOUSE RULES, WHAT'S EATING GILBERT GRAPE) lässt Regisseur Lasse Hallström auch bei der Romanverfilmung AN UNFINISHED LIFE wieder ein Gespür für die subtile Charakterisierung seiner Figuren erkennen. Sie bilden den zentralen Punkt dieses Films, der streckenweise eine astreine Charakterstudie seiner Hauptfigur Einar Gilkyson (Robert Redford) ist. Schauspielerisch ist Robert Redford dann auch das klare Highlight des Films. Er vermag die emotionelle Reise seiner Figur auf vielschichtige Weise zu transportieren und macht sie sowohl durch Statements, als auch durch Understatements fühl- und erlebbar. Ich habe Redford seit langem nicht mehr so gut gesehen! Gänzlich anders verhält es sich mit der weiblichen Hauptrolle, gespielt von der höchst untalentierten Jennifer Lopez. Ihrer darstellerischen Bandbreite würde eine Besetzung in einem Actionmovie, oder einer seichten Liebeskomödie wohl eher entsprechen. In einem subtilen Drama, welches primär von den DarstellerInnen getragen wird, ist sie eindeutig fehl am Platz und wirkt darin offenkundig ausdruckslos und deplaziert. Aber wenigstens wartet der Film auch noch mit grundsoliden Performances von Morgan Freeman und Becca Gardner auf, welche Lopez als einzigen schauspielerischen Ausrutscher dastehen lassen.
Lasse Hallström inszeniert AN UNFINISHED LIFE sehr zurückhaltend, zieht dabei nicht allzuviel Aufmerksamkeit auf die Regie, sondern stellt primär die Story und die Darsteller in den Mittelpunkt. Erzählerisch ist der Film sehr rund und mit vielen kleinen Details elegant ausgeschmückt. AN UNFINISHED LIFE ist ein sehr ruhiger und unspektakulärer Film, der sich viel Zeit nimmt um seine Geschichte und die Figuren darin zu entwickeln. Damit bildet der Film einen angenehmen Kontrast zu den sehr oft hysterisch montierten Bildern und hektisch erzählten Geschichten des zeitgemäßen Hollywood Kinos. Andererseits läuft der Film dadurch, speziell im zweiten Akt, in die Gefahr, den einen oder anderen Blick auf die Uhr beim Kinobesucher hervorzurufen. AN UNFINISHED LIFE balanciert an einem Grat zwischen einer wunderschön inszenierten Charakterstudie und einem dramaturgisch ziemlich vorhersehbaren Handlungsbogen entlang, der zwar großteils funktioniert, allerdings auch einige Leerläufe in sich birgt. Das macht den Film streckenweise unscheinbar und fragil, jedenfalls bis zur nächsten Szene mit Robert Redford, der mit seiner Performance AN UNFINISHED LIFE nicht nur einmal wieder auf Kurs bringt.
Fazit: In Summe ein sehr detailliertes und inhaltlich gut durchdachtes Drama, welches zwar nicht nach den Sternen greift, aber es auf höchst subtile Art und Weise versteht seine Figuren und ihre inneren Konflikte zu inszenieren. Sehr solide!
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