Als böse und schwarzhumorig, ja sogar als „unvermarktbar brutal“ wurde Rob Zombies Regiedebüt House Of 1000 Corpses vorab charakterisiert. Als Hommage an Texas Chainsaw Massacre verstanden und wohl auch intendiert, bietet uns Herr Zombie dann auch das Übliche: vier potentielle Schlachtopfer, eine freakige Slasher-Familie in einem abgefahrenen Haus. Klingt sehr nach Texas Chainsaw Massacre? Eben, das Vorbild ist natürlich immer präsent. Rob Zmobie wäre aber nicht Rob Zombie, wenn er nicht einen bösen Videoclip auf Filmlänge aus dem Stoff machen würde. Das fängt schon bei Captain Spouldings all-in-one Tankstelle und Kuriositätenkabinett an (den Murder Ride der lokalen Metzelhelden eingeschlossen), ein Platz extra geschaffen für die kommenden Minuten praller Situationskomik. Böse wird’s dann erst im Farmhouse, dem Sitz der örtlichen degenerierten Massenmörderfamilie.
Den Preis für kranke Kunst haben diese Freaks sicherlich verdient. Aus einem Opfer eine Fischmensch-Installation in Form eines klassischen Stillebens zu machen – auf die Idee muss man erst einmal kommen. An Ideen mangelt es Rob Zombie wirklich nicht, die stilistische Umsetzung vermag aber nur in Ansätzen zu überzeugen. Sieht man von der eben genannten Szene oder einer ungewöhnlich lang hingezogenen, spannungsgeladenen Einstellung auf dem Hof der Familie ab, bleiben die ganz großen Erlebnisse aus. Die Charaktere sind relativ flach, bei manchen reicht es nicht einmal zu Typen. Explizite Splatterorgien gibt es nicht zu bewundern; was wir sehen, ist entweder schon das Resultat des Eingriffs oder ein harmloser Effekt (über die Wange schneiden, ein Paar Scheren im Hirn). Der eigentliche Schwachpunkt – speziell im Vergleich zum Vorbild – ist das Fehlen einer furchteinflößenden Atmosphäre. Natürlich sind die Freaks ziemlich schräg drauf und denken sich etliche Gemeinheiten aus, aber ein paar kranke Einfälle erzeugen noch keine Angst. Genau diese zeigte und bewirkte The Texas Chainsaw Massacre hingegen gerade am Ende, wenn die ganze Familie zusammenfindet und es ans Abendessen geht. Zombie gelingt das nur für einige Augenblicke (im wahrsten Sinn des Wortes).
Auch stilistisch schwächelt House Of 1000 Corpses. Natürlich verstören Negativbilder immer erst einmal wegen des Umkehreffekts und funktionieren daher im Horrorfilm recht gut. Da zieht die Videoclip-Ästhetik endlich konsequent ein; ihre furchterregenden Stärken werden deutlich. Doch leider bleibt das Strukturprinzip ihres Einsatzes weitgehend verborgen. Um rein atmosphärisch unterstützendes Element zu sein, werden sie dann doch zu häufig eingesetzt. Ähnlich verhält es sich mit den Videodokumenten der Freaks, deren Selbstkommentare sich nur in Ausnahmemomenten (so etwa der Kommentar "Run, Rabbit, Run" bei der „Hasenjagd“) als geschickt eingesetzte zynische Doppelebene zum Geschehen erweisen.
In seinem Thema, seinen Typen, seinen Stärken und Schwächen ist House of 1000 Corpses ein all-American movie, obwohl es mit der wohltuend anarchistischen Furie des Horrorfilms auf die Gesellschaft losgeht. Die Reaktionen in den Staaten und der Mini-Hype um den Film erklärt sich vor diesem Hintergrund. Die Etikettierung als "unvermarktbar brutal" ist - bezogen auf alle bisher veröffentlichten Fassungen – ein schlechter Witz. Was es hier zu sehen gibt, schreckt nur spießig-prüde Amerikaner und vielleicht noch die Kinogänger mit klassischer Mainstream-Sozialisation. Aber die sind wohl kaum Robs intendiertes Publikum. Splatterfreaks und Horrorfans mit umfassender Gattungskenntnis sollten ihre Erwartungen besser herunterschrauben, bevor sie sich House Of 1000 Corpses anschauen, sonst könnte die Enttäuschung groß sein.
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