Hier kommt Kurt -----
LAST DAYS ist kein Dokumentarfilm, er ist frei inszeniert und basiert lose auf den Tatsachen rund um den Tod von Kurt Cobain. Regisseur Gus Van Sant (ELEPHANT, MY OWN PRIVATE IDAHO) inszeniert seinen Film als minimalistisches Homemovie im Schmalformat, welches visuell eher dokumentarischen Stil aufweist. Wäre der Regisseur nicht der Gewinner der Goldenen Palme 2004, würden sich wohl manche Kritiker lieber des Wortes "B-Movie" bedienen, welches zweifellos treffend(er) wäre. LAST DAYS dümpelt langsam und langweilig vor sich hin, der im Film als "Blake" bezeichnete Kurt Cobain, durchwegs gut dargestellt von Michael Pitt, streicht durch die Wälder mitten im Nirvana seines abgelegenen Zufluchtsortes und brabbelt wirres Zeug vor sich hin. Nicht nur in diesen Szenen ist eindeutig erkennbar, wie sehr sich Regisseur Van Sant Mühe gibt sich von seinem Thema zu distanzieren, und sich mit aller Kraft vor den leisesten Anschein einer inhaltlichen Stellungnahme drückt. Obwohl seine verfahrene, inhaltlich hochgradig substanzlose, distanzierte Darstellung die Abwärtsspirale des völlig desillusionierten Rockstars atmosphärisch fühlbar zu machen versucht, bleibt auf der Leinwand letztendlich nicht viel übrig davon. Der Film läuft am Zuseher vorbei, als eine gescheiterte Mixtur aus Doku-Flair und prätentiöser Langeweile.
Out of focus -----
Der Film nervt mit elendslangen Einstellungen völlig irrelevanter Details, sein inhaltlicher Punkt entgleitet genauso in die offensichtliche Unschärfe wie die traditionellen Out-of-Focus Shots, mit denen uns Gus Van Sant seit Jahren versorgt. Da hilft es auch nichts, dass die Montagetechnik mit den gewohnten zeitlichen Überlappungen einiger Szenen agiert um den Zuseher zumindest ein geringes Maß an Interesse abzuringen. Die Rechnung LAST DAYS geht einfach nicht auf! Obwohl gerade sein letzer Film ELEPHANT stilistisch sehr ähnlich gestrickt war, lässt sich diese Erzählweise ganz augenscheinlich nicht generalisieren und auf jedes X-beliebige Thema anzuwenden. In ELEPHANT hat's geklappt, LAST DAYS scheitert damit auf allen Linien. Speziell dann, wenn man künstlerisch so unsensibel ist und eine völlig unnötige Szene lauthals mit dem in vielen Filmen abgenudelten, aber dennoch genialen, Velvet Underground Song "Venus in Furs" unterlegt. Au weia! Hier feiert ein Regisseur wohl eher sich selbst, anstatt sich auf die Thematik seiner Inhalte zu konzentrieren. Auf den Zuseher wird dabei keine Rücksicht genommen, er bleibt out of focus, genauso wie das eigentliche Thema des Films.
Künstlerischer Suicide -----
LAST DAYS tarnt sich zwar als sog. Arthouse Kino, welches beim renommierten Festival in Cannes gelaufen ist, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film weder dramaturgisch, noch inhaltlich in irgendeiner Weise funktioniert. Sicher, einzelne Einstellungen sind wirklich sehr gut gelungen und lassen zweifelfrei einiges Potenzial erahnen, welches der Film hätte haben können. Gus Van Sant ist zwar deshalb kein schlechter(er) Regisseur, aber dieser Film ist zweifelsohne eine Katastrophe gröberen Ausmaßes. Ein in sich selbst verliebtes, pseudoanspruchsvolles (Mach)werk, dass ungefähr so viel Aussage hat wie ein Big Mac - augenscheinlich viel zu sehen, aber substanziell wertlos, inhaltlich am Bodensatz seiner Thematik, essenziell pointless und noch dazu höllisch langweilig. Forget it!
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