Wer zuerst kommt, kriegt die Braut

  • Informationen zum Film
  • Wer zuerst kommt, kriegt die Braut

  • Originaltitel:
    Dilwale Dulhania Le Jayenge
    Genre:
    Komödie, Romanze, Musical, Familie
    Produktionsland:
    Indien
    Produktionsjahr:
    1995
  • Cast & Crew
  • Regie:
    Aditya Chopra
    Drehbuch:
    Javed Siddiqui, Aditya Chopra
    Musik:
    Jatin Pandit, Lalit Pandit
    Darsteller:
    Shah Rukh Khan, Kajol, Amrish Puri, Farida Jalal, Anupam Kher, Satish Shah, Achala Sachdev, Himani Shivpuri, Pooja Ruparel, Damyanti Puri, Lalit Tiwari, Hemlata Deepak, Mohit Kumar, Mansoor Merchant, Govind Khatri, Rajesh Bhatija, Shanker Iyer, Baby Nupur, Baby Raashi, Anaita, Arjun Sablok, Karan Johar, Pallavi, Anita Shroff, Tulika, Parmeet Sethi, Mandira Bedi
  • Inhalt
  • Der Inder Chaudhry Baldev Singh lebt mit seiner Familie in London. Er hat es zu einem gewissen Wohlstand gebracht, hat aber seine indischen Wurzeln nicht vergessen. Seinen Traditionen will er seine ältere Tochter Simran mit dem Sohn seines in Indien lebenden, besten Freundes verheiraten. Simran fügt sich der Entscheidung des Vaters, wobei sie ihn bittet, ein letztes Mal mit ihren Freundinen ein Monat nach Europa auf Interrail zu fahren.
    Zur gleichen Zeit fahren der ebenfalls in London lebende Inder Raj und seine Freunde auf Interail. Raj ist zwar auch Hindu, aber scheint nicht so der Tradition verbunden, sondern sich mehr an dem westlichen Lebenswandel zu orientieren. Simran und Raj begegnen sich in der Schweiz und es entwickelt sich eine Liebe auf den zweiten Blick.

    Beide beschließen nach der Reise ihrem Schicksal zu folgen. Raj läßt Simran ziehen und die Familie Singh fliegt nach Indien um die Hochzeitsfeier zu arrangieren. Erst Rajs Vater macht seinem Sohn klar, dass er um seine Liebe kämpfen muß. Raj fliegt ebenfalls nach Indien und mischt sich listig unter die Hochzeitsvorbereitungen. Am Ende wird er entlarvt. Ob es doch noch zu einem Happy End kommen kann?
  • Filmkritik
  • Bollywood! Ein „In“ in den späten 90-igern bei uns in Europa. In den Kinos liefen zwei- drei Streifen („Sometimes Happy, Somtimes Sad“ , „Lagaan“) und dann war der Zauber vorbei. Einige weitere indische Movies waren auf Filmfestivals zu bewundern. Was die Leute in Indien wirklich sehen, ist auf den Festivals in außerhalb Indiens nicht berücksichtigt. Diese Festivalfilme sind für indische Begriffe Arthausproduktionen, die keinen Kinosaal füllen, ähnlich bei uns das Verhältnis Arthaus vs. Hollywood.

    In der größten Filmindustrie und Zuschauermarkt herrschen andere, uns fremde Seh- und Produktionsweisen. Der von mir kritisierte Film ist ein klassisches Beispiel für einen Toperfolg in Indien (mit 400 Wochen Laufzeit in den indischen Kinos). Vorab möchte ich einiges zum „typischen“ Hindimovie schreiben und einige wichtige Strukturen und Elemente erklären.

    - Jeder Hindimovie lebt von den Song und Dance Szenen. Es gab nur drei klassische Hindimovies ohne Song und Dance Szenen und alle drei floppten. Die Songs machen bekannte Sänger, die erst durch die Movies bekannt wurden. Vor dem Release des Films, ist die Musik dazu im Radio zu hören und es ist eine entscheidende Motivation für die Inder, sich einen Film der Musik wegen anzuschauen.

    - Es gibt in Indien kein klassisches Studiosystem. Oft sind die Produktionsfirmen Familienbetriebe und noch vor ein paar Jahren war das Filmgeschäft ein beliebtes Medium um Schwarzgeld weiß zu waschen, was erklärt, dass es viele „Filmleute“ gibt, die nur einen Film produzierten.

    - Die Stilmittel der klassischen Hindimovies stehen in einem starken Kontrast zu den klassischen Stilmitteln Hollywoods.

    Es gibt meistens nicht den psychologisch gezeichneten Charakter, der zu Beginn des Films eine Mission erhält, diese innerhalb 90 Minuten löst und dabei einer Dramaturgie Anfang (kurz), Spannungsaufbau, Spannungshöhepunkt und Ende folgt. In Hindimovies schauen Leute in die Kamera, die durchschnittliche Laufzeit beträgt drei Stunden und es gibt keine psychologisch gezeichneten Charaktere und nur zu einem geringsten Teil eine spannungsaufbauende Dramaturgie.

    Die Story wird lang und ausführlich geschmückt erzählt und oft wird die Logik und der Realitätsbezug der diegetischen Welt außer Acht gelassen (so kann es vorkommen, dass im Insert steht Rom und wir wissen es ist London, weil man nicht den Petersdom sieht sondern Westminster Abby oder die Lippenbewegung bei den Song und Danceszenen nicht paßt, weil alle Filme nachsynchronisiert werden und die Sänger nicht die Schauspieler sind).

    Auch DDLJ folgt diesen klassischen Mustern des Hindifilms, wobei die Story sogar einen gewissen, kleinen Spannungsbogen aufweist (Schafft es Raj die Verheiratung Simrans zu verhindern?). Was DDLJ besonders macht, ist eine Veränderung der Betrachtungsweise eines politischen Themas.

    Die NRI (Non resident Indians) wurden in den Filmen vor DDJL als negativ durch den Westen beeinflußt, dargestellt. Durch den Reichtum und die damit verbundenen Einflüße haben sie ihre indischen Wurzel und die damit verbundenen Traditionen vergessen. Die Figur von Raj (gespielt von einem der Stars in Indien Shah Ruhk Khan) ist ein neuer Typ. Zwar ist er im Westen aufgewachsen, aber in seinem Herzen hat er die richtigen, indischen Werte behalten. Dies wird im Film deutlich, da er die Chance hätte mit Simran zu fliehen, er aber um ihre Hand bei ihrem Vater anhalten will und ohne sein Einverständnis kapituliert, anstatt seinen Gefühlen zu folgen.

    Er stellt seine Gefühle hinter das Recht und die Ordnung der Tradition und hat damit schlußendlich Erfolg. Diese kleine Änderung des Sujet macht den Film zum Dauerbrenner und hat die nachfolgenden Filme verändert.

    Mir persönlich gefallen die Hindimovies, die ich bis jetzt gesehen habe. Der Stil ist erfrischend anders und als Zuschauer gerät man in ein anderes Filmuniversum. Dieses Universum ist sicherlich nicht jedermanns/frau Sache. Ich wollte jedenfalls mit meiner Kritik Anreiz geben, einen Blick auf einen indischen Bollywoodfilm zu riskieren und selber zu beurteilen, gleichzeitig vor den Risiken warnen.
  • Wertu
  • Story
    3,0
    Musik:
    5,0
    Unterhaltung:
    3,5
    Anspruch:
    1,0
    Spannung:
    1,0
    Darsteller:
    3,5
    Gesamt:
    4,5
    Verfasst von:
    Fipse Suppenstaub

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