Ob man sich nun mit Filmen beschäftigt oder nicht - Alfred Hitchcock dürfte jedem bekannt sein. So ging's auch mir lange Zeit, doch bis ich zum ersten Mal einen Film von ihm zu Gesicht bekamt dauerte es eine halbe Ewigkeit. Das Fenster zum Hof hat mich einfach nur umgehauen und wurde auf Anhieb einer meiner Lieblingsfilme. Demnach musste ich natürlich auch seine anderen Werke sehen, sodass ich mir den nächsten und gleichzeitig ersten der auf Bluray erhältlich war anschließend gekauft habe: DER UNSICHTBARE DRITTE. Und auch dieser Film hat mich vor allem im Anbetracht seines Alters (1959) umgehauen und mich einmal mehr von Hitchcock's Genialität überzeugt.
Der Plot: Der New Yorker Werbefachman Roger Thornhill wird aus einem geschäftlichen Besprechung gerissen und von bewaffneten Männern abgeführt. Von den Gangstern wird er lediglich mit dem Namen George Kaplan angesprochen und in eine Villa auf Long Island gebracht. Er wird gebeten zu kooperieren und die Schauspielerei doch sein zu lassen, doch Thornhill kann diesem Wunsch nicht nachgehen da er nicht einmal weiß wovon hier die Rede ist. Nach einem versuchten aber missglückten Mordanschlag an ihm beschließt er der Sache auf den Grund zu gehen was sich als keine Leichtigkeit darstellt, denn nicht nur die Verbrecher sondern auch die Polizei ist auf der Suche nach ihm und jagt ihn durch das halbe Land...
NORTH BY NORTHWEST (so der Originaltitel des Films) hat mich Anfangs ein wenig abgeschreckt, den ein Film aus den 50ern mit fast 140 Minuten Laufzeit ist nicht unbedingt vielversprechend. Funktioniert das Konzept heute nicht mehr so wie vor 50 Jahren oder ist die Inszenierung nichts für mich könnte das 2 1/4 Stunden Qual für mich bedeuten - doch das Gegenteil trat ein. Der Film zielt nicht auf Spannung im Sinne von Suspense ab wie man es von einem Hitchcock-Film erwartet. Stattdessen ist NORTH BY NORTHWEST ein erfrischender Spionagethriller mit Witz und unglaublich hohem Unterhaltungswert.
Schon zu Beginn wird klar, dass Cary Grant der Sympathieträger dieses Films sein wird den der Zuseher einfach nur mögen kann. Mit Charme und Sinn für Humor schlägt man sich gleich auf eine Seite, weswegen man anschließend auch dementsprechend vom Geschehen mitgerissen wird. In jeder misslichen Lage (von denen es einige gibt) bangt man förmlich mit ihm um sein Leben was nicht nur an einem grandiosen Cary Grant liegt, sondern auch an Hitchcocks Arbeit. Er schafft es weit über zwei Stunden lang abwechslungsreich Situationen zu kreieren aus denen sich sein Protagonist irgendwie zu lösen versucht. Diese sind wirklich aneinandergereiht und erreichen an ihrem Höhepunkt auch das höchste Niveau an Spannung, die der Zuseher aber den ganzen Film über spürt - mal mehr, mal weniger. Diese Sequenzen in denen es eigentlich um Leben und Tod geht hat Hitchcock aber so spielerisch umgesetzt, dass der Film niemals wirklich nervenaufreibend wird sondern immer auf eine heitere Art und Weise unterhält und den Zuseher aber dennoch davon gefesselt wird. Dabei hat man es beeindruckend geschafft eine Balance zwischen Spannung und lockerer Unterhaltung gefunden.
Noch heute haut mich diese humorige Mischung aus Abenteuerfilm und Spionagethriller um, doch zu seiner Zeit gab es wohl noch etliche andere Komponenten des Films die für Schlagzeilen sorgten. Denn im Jahre 1959 war es alles andere als gewöhnlich nicht nur so viele verschiedene, sondern so spektakuläre Schauplätze zu verwenden wie Hitchcock in NORTH BY NORTHWEST. Den Höhepunkt erreicht man hier im große Finale das sich auf einem Wahrzeichen der USA, Mount Rushmore, abspielt. Selbst heute noch ist dieser Schluss absolut genial, da stört es auch nicht im Geringsten, dass die damaligen Standards einer Filmproduktion ganz andere als heute waren. In Anbetracht dessen gibt es auch mindestens zwei, drei Szenen die grandios inszeniert sind und wirklich schöne (sogar explosionsreiche) Action liefern, die wohl für einige nachfolgende Filme wegweisend waren.
Auch wenn der Film mit Suspense - der Hitchcock ja seinen Status verschaffte - nur wenig am Hut hat schafft er es Spannung mit einer intelligenten Inszenierung eines sehr guten Drehbuchs aufzubauen. Man will unbedingt auf den Ursprung kommen der diese Verkettung von ungünstigen Ereignissen bewirkt hat. Wie auf heißen Kohlen sitzt man und grübelt darüber nach was nun hinter dem Ganzen stecken könnte. Doch selbst nach der Auflösung, die lange vor dem Ende eintritt, schafft es Hitchcock den Zuseher nicht zu verlieren und ihm sogar zu ermöglichen noch tiefer in die Geschichte zu fallen. Ähnlich wie bei gewissen anderen Filmen wie z.B. Psycho findet der vermeintliche Knackpunkt inmitten des Films statt und danach widmet er sich der Klärung bzw. Erklärung oder Auflösung der Geschehnisse.
Fast selbstverständlich für Hitchcocks Filme gibt es auch eine Liebesgeschichte. Die findet heutzutage wohl schon in jedem Film statt - ob Inception, Matrix oder sogar The Expendables - doch bis Heute schafft es keiner so wie der "Master of Suspense" bei dem die Liebe immer einen vordergründigen Part hat, aber nie kitschig, langweilig oder unpassend wirkt.
NORTH BY NORTHWEST hat alles was einen guten Film ausmacht. Das gefinkelt Drehbuch wurde von Alfred Hitchcock einfach perfekt umgesetzt, was einen Film mit tollen Darstellern, Witz, Spannung und wunderschönen Schauplätzen ermöglichte. Nie hätte ich für möglich gehalten, dass ich mir einen "alten Schinken" wie diesen 5 Mal oder öfter ansehen könnte, aber Hitchcock hat mich eines Besseren belehrt - Unterhaltungskino mit Köpfchen!
9,5/10 Zugbekanntschaften
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