Der ARTHAUS Film weckt gewisse Erwartungen, sowie auch der Regisseur, dessen Film „Die Bettlektüre“ das erste seiner Werke ist, die ich mir zu Gemüte führe. Greenaway, einer der arrivierten, europäischen Regisseure, zeigt in seinem Film ein beneidenswertes Talent für Bilder und Farbkomposition. Gleich zu Beginn des Filmes arbeitet er mit einer Bild im Bild Technik (ein kleines Bild in einem der Ecken des normalen Bildes), später stellenweise mit einer Vierteilung. Bei diesem Autorenfilm spricht der Macher des Films seine eigene Film-und Bildsprache, was ihm hoch anzurechnen ist.
Der Film ist eine kreative Entfaltung von Greenaway, denn nicht nur die Machart des Films ist sehr innovativ, auch die Idee des Films ist großartig. Ich hätte den Film eher einem asiatischem Regiemeister zugeordnet, als dem Briten. Greenaway, der ursprünglich Maler werden wollte, versucht das Thema Literatur und Sprache mit dem Medium Film zu begegnen. Allgemeiner könnte der Film als eine semiotische Studie über die Beziehung Zeichengeber-Zeichenempfänger b.z.w. Mensch-Zeichen gesehen werden. Zeichen und Leidenschaft bestimmen den Film und in einer gewissen Weise ist der Film eine Homage an die Liebe zu Zeichen und die Zeichen der Liebe.
Die Hauptdarstellerin ist eine Buchstabenfetischistin und alle anderen Charaktere des Films sind durch die Liebe zu ihr und zu den Zeichen miteinander verknüpft und stark geprägt (Nagiko’s Vater ist Schriftsteller, der von seinem Verleger sexuell bedrängt wird, Nagiko’s Liebhaber Jerome ist Übersetzer, ein jugendlicher Photograph ist in Nagiko verliebt). Sie alle setzen Zeichen und da der Film in Asien spielt, kann vom buchstäblichen Zeichensetzen sprechen.
Jetzt zu meinen negativen Kritikpunkten. Greenaway spricht zwar in seinen eigenen Bildern und erzählt uns seine eigene Geschichte, aber ich habe mich teilweise überfordert gefühlt, jede einzelne Hadlungsstrangverknüpfung zu verstehen. Der Film ist als ganzes zu lang geraten und ich unterstelle dem Regisseur eine zum Teil gerechtfertigte Eigenliebe.
Meiner Meinung hätte es dem Film gut getan, wenn der Schluß mit dem Tod Jerome’s zusammenfällt. Ab dem Tod Jerome’s ist der Film nicht mehr interessant und die dramatische Kurve zeigt nach unten. Aber selbst schauen und eigene Gedanken machen. Der Film ist es wert!
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