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Der Manchurian Kandidat

  • Informationen zum Film
  • Der Manchurian Kandidat

  • Originaltitel:
    The Manchurian Candidate
    Genre:
    Thriller, Mystery, Drama
    Produktionsland:
    USA
    Produktionsjahr:
    2004
    Kinostart Österreich:
    12.11.2004
    Kinostart Deutschland:
    11.11.2004
    Kinostart USA:
    30.07.2004
  • Inhalt
  • Während eines Einsatzes im ersten Golfkrieg wird die Einheit von Ben Marco (Denzel Washington) vom Feind angegriffen. Die Gruppe kommt dabei fast ums Leben, lediglich der heldenhafte Einsatz von Raymond Shaw (Liev Schreiber) rettet ihnen das Leben wofür er als Auszeichnung die Ehrenmedaille verliehen bekommt. Zehn Jahre später wird er, nach Intervention seiner Mutter, der einflussreichen Senatorin Eleanor Shaw (Meryl Streep), von seiner Partei als Kandidat für das Amt Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten aufgestellt.

    Ben Marco wird immer noch von seltsamen Träumen geplagt. Wie auch andere Soldaten seiner Einheit leidet er unter ein und demselben, wiederkehrenden Traum welcher sich stetig um den lang zurückliegenden Einsatz in Kuwait dreht. Er sucht Raymond Shaw auf. Im Gespräch stellen sie fest, dass sie sich zwar beide klar an die Ereignisse erinnern können, diese Erinnerungen aber auf seltsame Weise irreal wirken. So als wäre all das gar nicht wirklich passiert. Als Ben dann auch noch ein Chip Implantat in seinen Körper findet verdichten sich die Vermutungen, dass sie damals einer Gehirnwäsche unterzogen wurden. Wer steckt dahinter und wie groß ist ihr Einfluss auf den zukünftigen Vizepräsidenten...
  • Filmkritik
  • No mind is left behind -----
    THE MANCHURIAN CANDIDATE ist ein Remake des gleichnamigen Films aus dem Jahre 1962. Damals führte John Frankenheimer Regie. Diesmal sitzt Spannungsprofi Jonathan Demme (THE SILENCE OF THE LAMBS) im Regiestuhl. Sein Remake verleiht der Romanvorlage von Richard Condon einen aktuellen zeitlichen Bezug und scheut sich nicht vor offenkundigen Parallelen mit der politischen Realität. Die Wahlkampfslogans der beiden Kandidaten gleichen auf frappante Weise jenen, die zur Zeit von diversen Nachrichtensendern im Rahmen ihrer Berichterstattung über die amerikanische Präsidentschaftswahl verbreitet werden. Die Forderung nach Einschränkung der Bürgerrechte zugunsten eines starken Sicherheits- und Kontrollsystems wird skandiert von Terrorwarnungen, gerät zur perfekt inszenierten, multimedialen Show irgendwo zwischen Disneyland Kitsch und suggestiver Paranoia. Im Gegensatz zu John Frankenheimer's Verfilmung aus den 1960ern kommt bei Jonathan Demme die Bedrohung von innen. Verborgen hinter der vordergründigen Fassade einer terroristischen Bedrohung von außen, agieren die Wirtschaftsterroristen im inneren des Systems. Durch ein Chip Implantat des mächtigen Konzerns Manchurian Global wurden den Soldaten gefälschte Erinnerungen eingetrichtert, das gesamte Kuwait Szenario stellt sich als manipulierte Gehirnwäsche heraus. Das Ziel: Raymond Shaw als Vizepräsidenten im weißen Haus zu platzieren, als beliebig kontrollierbare Marionette im Privatbesitz eines skrupellosen Konzerns. Die Ähnlichkeiten mit realen Persönlichkeiten sind ganz offensichtlich nicht so zufällig, wie es die standardisierte Formulierung im Abspann des Films behauptet.

    Trust no one! -----
    THE MANCHURIAN CANDIDATE ist ein dichter Paranoiathriller, der auf mehreren Ebenen funktioniert. Beide Hauptfiguren bewegen sich in einem geschlossenen Kontrollsystem, einem dicht geknüpften Netz aus Betrug und Manipulation, welches kein Vertrauen ohne Enttäuschung zulässt. Korrupte Politiker, gesteuert von den Interessen der Großkonzerne, Militärgeheimdienste als Handlanger eines groß angelegten Komplotts und die eigene Mutter bzw. die eigene Freundin als verräterische Komplizinnen manifestieren ein Szenario auswegloser Paranoia, an deren Abgrund die Charaktere des Films dahinstraucheln, bis sie letztendlich schmerzhaft realisieren, dass sie nicht einmal ihren eigenen Erinnerungen, also quasi sich selber, trauen können. All das verpackt Regisseur Jonathan Demme in einen spannenden Thriller mit dichter Bildersprache. Als sich das Netz der Verschwörung immer enger um die Hauptfiguren zusammenzieht, steht die visuelle Ebene des Films der inhaltlichen um nichts nach. Immer dichter pirscht sich die Kamera an die Darsteller heran, der Bildausschnitt verengt sich zusehends um die Close Ups ihrer verunsicherten Gesichter. Der Bildvordergrund schränkt diese Nahaufnahmen räumlich noch weiter ein, komprimiert damit die optische Wahrnehmungswelt des Zusehers auf engsten Raum, in dessen klaustrophobisch aufgeladener Atmosphäre man sich vorkommt wie ein verängstigter Hamster im Laufrad. Intense!

    Scharfschützen in Hollywood -----
    Es liegt in der Natur der Sache, dass sich Scharfschützen dort aufhalten wo man sie nicht vermutet. Dass aber gerade ein Film des Hollywood Mainstreams, getarnt als eines der unzähligen Remakes der letzten Jahre, so einen eiskalt gezielten Schuss auf das Corporate America dieser Tage abgibt überrascht aber dennoch. Sind doch die großen Filmstudios nicht gerade berühmt dafür sich politisch kontroverser Stoffe anzunehmen. Vielleicht liegt es aber einfach nur daran, dass THE MANCHURIAN CANDIDATE letztendlich ja doch ein fiktiver Spielfilm bleibt, der seine Inhalte auf deutlich subtilere Weise transportiert als offenkundige Brachialattacken im Gewand einer Doku. Oder hat Professor Oblivion in einer Zeit, in der das Massenmedium Fernsehen kritischen Journalismus sukzessive untergräbt, am Ende doch recht? 'The battle for the mind of North America will be fought in the video arena: the Videodrome.'
  • Wertungen
  • Story
    4,0
    Musik:
    4,5
    Unterhaltung:
    3,5
    Anspruch:
    4,0
    Spannung:
    4,0
    Darsteller:
    4,0
    Gesamt:
    4,0
    Verfasst von:
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