Wie der kleine Trampelpfad zum Highway der Pornographie wurde.
1972 wurde der wohl erfolgreichste Film der Geschichte gedreht. „Deep Throat“. Mit einem Produktionsbudget von nur 25000.- Dollar wurde ein kleiner Film mit wenig Aufwandgedreht. Das Ergebnis war ein 600 Millionen Dollar Erfolg. Dieser Film wurde so oft gesehen, dass die Mafia ihn sogar als Geldwaschmaschine brauchte.
Nebenbei ist der Film aber auch einer der grössten Skandalfilme Amerikas. Die Pornografie war in dieser Zeit noch in den Kinderschuhen, wenn man überhaupt schon davon sprechen kann. Die so genannten „Schmudelfilmchen“ waren die billigsten in der Produktion. So gab es ein paar Leute, die gerne Filmemacher waren, sich aber keine teuren Filme leisten konnten. So zeigten sie einfach das natürlichste und gleichzeitig das billigste was man zeigen kann. Sex. Anfangs nur Kurzfilme welche als obszön galten. Aber da alle lehrmittelmässig aufgebaut waren, konnte man die Macher nicht bestrafen. Aber als Gerard Damiano den Film „Deep Throat“ drehte änderte sich alles. Er wollte keinen Kurzfilm drehen. Er wollte einen Spielfilm drehen, in dem Hardcore Sexszenen enthalten sind. Als ihm Linda Lovelace empfohlen wurde, da sie die Oralsextechnik extrem gut beherrschen sollte, bekam sie nach einem kleinen Gastauftritt in einem anderen Film in diesem die Hauptrolle. Kaum lief der Streifen in den Kinos wurde er zum Skandal für die einen zur Revolution für die Anderen.
Die sexuelle Revolution war in den 70ern gerade so am anrollen. Dies war aber gegen die Moral und somit Gesetzeswidrig. Dem Film und den Produzenten wurde der Prozess gemacht. In New York wurde der Streifen verboten und später noch in 22 anderen Bundesstaaten Amerikas. Begriffe wie Klitorialenorgasmus oder Blowjob bekamen neue Bedeutungen und wurden erstmals in Gerichtsprozessen Verwendet. Zu der Zeit begann Paramaunt massenhaft Pornofilme zu produzieren. So kam die Idee von Damiano, dass das Hollywood Kino und die Pornografie zusammenfliessen würde. So das Sexszenen normal werden sollten in den Filmen. Hier hatte er weit gefehlt. Aber in den 80er Jahren als das Videogerät aufkam, stieg die Produktion von Pornofilmen und deren Industrie ins Unermessliche. Der kleine Amateurfilm hatte es zum Publikumsmagneten geschafft. „Deep Throat“ hatte ihnen den Weg geebnet. 2002 wurden 467 Hollywood Filme Produziert, aber 11303 pornografische Filme. So hat sich mit der Zeit die Pornografie ihr eigenes Grab geschaufelt, denn nun haben wir eine Übersättigung der Sexfilme auf dem Markt.
„Deep Throat“ hat aber auch einige Schattenseiten. Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, ob Linda freiwillig den ganzen Film gedreht hatte, oder ob hier Gewalt im Spiel war. Denn im Film selbst sieht man bei Linda einige blaue Flecken. Dass hier viele auch über den Tisch gezogen wurden, ist auch erst im Nachhinein aufgeflogen, als der Film zum Hit wurde, verdienten die Produzenten viel Geld damit, die Schauspieler wie auch der Regisseur gingen beinahe lehr aus.
Diese Dokumentation zeigt einen schönen Abriss über die Geschichte des Films „Deep Throat“. Mit vielen Interviews aus heutiger und damaliger Sicht, immer auch im Kontext mit der Politik, welche nicht ganz unwesentlich an der ganzen Geschichte beteiligt gewesen war. Die Geschichte der Entwicklung der Pornografie selbst wird nur Stellenweise angedeutet, aber dies war ja auch nicht das Ziel dieses Films.
Ich persönlich fand den Film oder besser gesagt die Dokumentation sehr gelungen. Er setzt nicht voraus, dass man den Pornostreifen selbst gesehen hat. Aber dennoch bekommt man eine gute Darstellung was für Auswirkungen der Film gehabt hatte. Einige Abzüge bekommt der Film, da er noch etwas Fundierteres Wissen über die Skandalität der Schauspieler hätte übermitteln können und soll. Wenn aber einem das Pornogenre gar nicht zusagt, würde ich den Film auch nicht empfehlen, denn er enthält trotz einer 16er Freigabe einige obszöne Bilder. Aus Geschichtlicher Hinsicht hätte man sicher auch noch etwas mehr und präzisere Angaben machen können. Ansonsten eine gute Fernsehdokumentation.
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