Inside Deep Throat

  • Informationen zum Film
  • Inside Deep Throat

  • Originaltitel:
    Inside Deep Throat
    Genre:
    Dokumentation, Geschichte, Erwachsene
    Produktionsland:
    USA
    Produktionsjahr:
    2005
    Kinostart Österreich:
    20.01.2006
    Kinostart Deutschland:
    11.08.2005
  • Cast & Crew
  • Regie:
    Francis Ford Coppola, John Waters, Fenton Bailey, Randy Barbato
    Drehbuch:
    Wes Craven, Fenton Bailey, Randy Barbato
    Musik:
    David Benjamin Steinberg
    Darsteller:
    Dennis Hopper, Al Goldstein, Dick Cavett, Bill Maher, Hugh M. Hefner, Georgina Spelvin, Norman Mailer, Gore Vidal, Gerard Damiano, Larry Flynt, Erica Jong, Ruth Westheimer, Camille Paglia, Linda Lovelace, Charles Keating, Alan M. Dershowitz, Larry Parrish, Ron Wertheim, Andrea True, Harry Reems, Patsy Carroll, Barbara Boreman, Len Camp, Sepy Dobronyi, Linda Williams, Helen Gurley Brown, John V. Lindsay, Wes Craven, John Waters, Francis Ford Coppola
  • Inhalt
  • Am 12. Juni 1972 startete der Pornofilm DEEP THROAT in den Kinos am New Yorker Times Square. Der Film kostete $25.000, Schätzungen zufolge erreichten seine Einspielergebnisse im Laufe der Zeit weit über $600 Millionen. Damit ist DEEP THROAT der erfolgreichste (Porno)Film aller Zeiten und gilt als der Genrekultfilm schlechthin. INSIDE DEEP THROAT dokumentiert einerseits die Entstehung des Films, seine Entwicklung im Laufe der Zeit, und andererseits seine unglaublich gewaltige Wirkung auf den gesellschaftlichen Umgang mit freizügigen Darstellungen von Sexualität im Amerika der frühen 1970er Jahre und danach.
  • Filmkritik
  • Deep Impact -----
    INSIDE DEEP THROAT ist nicht bloß eine Doku über einen (finanziell) erfolgreichen Pornofilm. Die Dokumentation beschäftigt sich überwiegend mit dem gewaltigen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen "Impact" von DEEP THROAT. Das freizügige Gedankengut der sexuellen Revolution aus den späten 1960er / frühen 1970er Jahren prallt mit Lichtgeschwindigkeit auf die konservativen Moralvorstellungen eines republikanisch regierten Amerikas unter Richard Nixon. Der ungebremste kommerzielle Erfolg von DEEP THROAT macht den Film einerseits zur Speerspitze neu gewonnnener Freiheiten, andererseits zum perfekten Ziel für die Verteidiger konservativer Wertvorstellungen. DEEP THROAT löste tiefe (oops!) gesellschaftliche Konflikte über Zensur und freie Meinungsäußerung, Moral und Sexualität, Tabu und Freiheit aus und ganz nebenbei schleicht sich mit DEEP THROAT der Pornofilm aus seiner finsteren, verruchten Ecke in die hell erleuchteten Wohnzimmer des amerikanischen Mainstreams ein. Pornofilme waren plötzlich salonfähig, sogar die renommierte New York Times widmete dem Film einen Artikel und im Kino fand sich der amerikanische Mittelstand kollektiv zum cineastischen Fellatio Orgasmus ein. Der kommerzielle Erfolg dieser Billigpoduktion blieb aber nicht ohne Folgen. Filme wie BEHIND THE GREEN DOOR (1972), oder THE DEVIL IN MISS JONES (1973) versuchten auf die Erfolgswelle aufzuspringen und markierten damit den Anfang von dem was heute als "Pornoindustrie" bezeichnet wird. DEEP THROAT wird deshalb sicher nicht zum guten Film, im Kontext seiner Zeit gesehen aber ganz bestimmt zu einem sehr wichtigen! Die Dokumentation INSIDE DEEP THROAT bringt alle diese Facetten auf den Punkt, lässt sie über Interviews mit (Porno)Filmregisseuren, Darstellern, Staatsanwälten, Strafverteidigern, ehemaligen FBI-Agenten, Gallionsfiguren freizügiger, sexueller Denkweisen und Zeitzeugen erneut aufeinander prallen und illustriert diese thematische Zusammenstellung mit einer Vielzahl an Archivmaterial aus dieser Zeit.

    Perfect Target -----
    INSIDE DEEP THROAT ist prall gefüllt mit interessanten Gegensätzen, ohne sich dabei offensichtlich auf eine Seite zu schlagen. Die "Hexenjagd" der Regierung wird ebenso thematisiert wie die Schicksale der am Film Beteiligten Personen, ihrer Familienmitglieder und die Konsequenz der totalen Kommerzialisierung von Sex durch gleichermaßen des Mainstreams (Werbung, Marketing) und der Pornoindustrie. Die damalige republikanische Regierung unter Präsident Richard Nixon versuchte mit allen Mitteln und Gesetzen den Film DEEP THROAT zu verbieten und aus den Kinos zu verbannen. Ursache und Wirkung - diese politisch-moralisch motivierte Hexenjagd steigerte den Bekanntheitsgrad des Films nur noch mehr, diente als unfreiwillige Promotion, und trieb die Umsätze an den Kinokassen in schwindelerregende Höhen. Als dann noch der Hauptdarsteller des Films, Harry Reems, zu einer Gefängnisstrafe verurteilit wurde, ging es lange nicht mehr nur um einen billigen Pornofilm! Staatliche Zensur und die als Willkür aufgefasste Verurteilung eines Schauspielers, dessen einziges "Verbrechen" es war in einem Film mitgespielt zu haben, ging selbst an den großen Hollywood Studios nicht spurlos vorbei. DEEP THROAT war nun nicht mehr bloß irgendein Pornofilm, er ist längst zum Politikum geworden, auf Basis dessen erbitterte Auseinandersetzungen um Zensur, künsterische Freiheit, moralische Unterdrückung und freie Meinungsäußerung ausgefochten wurde. INSIDE DEEP THROAT beleuchtet diese Konflikte aus verschiedenen Blickwinkeln, ist durchwegs darum bemüht eine ausgeglichene Bestandsaufnahme zu gewährleisten und schafft es dabei bravurös sich inhaltlich weit über ein simples "Making-Of" eines Kultpornos zu positionieren. Mit seiner durchgängig komplexen, thematischen Ausrichtung würde ich INSIDE DEEP THROAT in meiner Filmsammlung eher nicht unter "Pornofilmdoku", sondern vielmehr unter "Soziologie" einreihen, zumal sich der Film großteils gegen sensationslüsternen Skandaljournalismus, wie wir ihn aus dem Abendprogramm von RTL, PRO7 und Co. kennen, verwehrt.

    Truth or Consequences? -----
    Last, but not least, zeigt INSIDE DEEP THROAT natürlich einige Ausschnitte des (für damalige Verhältnisse) berüchtigten Films DEEP THROAT , unter anderem natürlich die legendäre, titelgebende Blow-Job Szene selbst. Diese dürfte allerdings nur in der ungekürzten "NC-17" Fassung der Doku enthalten sein. Wie auch immer, der einstige Stein des Anstoßes, der pornographische Tabubrecher seiner Zeit, sieht sich heute einer durch und durch kommerzialisierten, scheinbar schrankenlosen Sex-Industrie gegenüber, deren Output Hollywood längst in den Schatten gestellt hat. Durch die Markteinführung von Home Video (zunächst auf VHS, jetzt auf DVD) stellt jeder Besuch des Kämmerleins hinter dem Vorhang in einer Videothek klar, welch ungeheuerliche Mainstreamwirkung sich über die Jahre in Gang gesetzt hat. Die Doku INSIDE DEEP THROAT listet 467 neue Hollywood Filme im Jahre 2002, dagegen stehen 11.303 sogenannte "Adult Films". Truth or Consequences? Diese Frage mag offen bleiben, INSIDE DEEP THROAT wird jedenfalls von Universal verliehen... noch Fragen? INSIDE DEEP THROAT ist jedenfalls eine durchwegs spannende Doku auf hohem Niveau. Eine Dokumentation über einen Pornofilm als Edu-Cinema? Wär hätte das gedacht... INSIDE DEEP THROAT ist aus meiner Sicht als Pflichtprogramm für Doku-Interessierte unbedingt zu empfehlen!
  • Wertu
  • Story
    5,0
    Musik:
    3,0
    Unterhaltung:
    3,5
    Anspruch:
    4,5
    Spannung:
    4,0
    Gesamt:
    4,0
    Verfasst von:
    eXistenZ

Kommentare

Um einen Kommentar verfassen zu können müssen Sie sich einloggen. Sollten Sie noch keinen DVD-Forum.at Account haben, registrieren Sie sich bitte hier.

Userkritiken

User Kritiken

Um eine Kritik auf DVD-Forum.at abzugeben musst du angemeldet sein.

Wie der kleine Trampelpfad zum Highway der Pornographie wurde.
1972 wurde der wohl erfolgreichste Film der Geschichte gedreht. „Deep Throat“. Mit einem Produktionsbudget von nur 25000.- Dollar wurde ein kleiner Film mit wenig Aufwandgedreht. Das Ergebnis war ein 600 Millionen Dollar Erfolg. Dieser Film wurde so oft gesehen, dass die Mafia ihn sogar als Geldwaschmaschine brauchte.
Nebenbei ist der Film aber auch einer der grössten Skandalfilme Amerikas. Die Pornografie war in dieser Zeit noch in den Kinderschuhen, wenn man überhaupt schon davon sprechen kann. Die so genannten „Schmudelfilmchen“ waren die billigsten in der Produktion. So gab es ein paar Leute, die gerne Filmemacher waren, sich aber keine teuren Filme leisten konnten. So zeigten sie einfach das natürlichste und gleichzeitig das billigste was man zeigen kann. Sex. Anfangs nur Kurzfilme welche als obszön galten. Aber da alle lehrmittelmässig aufgebaut waren, konnte man die Macher nicht bestrafen. Aber als Gerard Damiano den Film „Deep Throat“ drehte änderte sich alles. Er wollte keinen Kurzfilm drehen. Er wollte einen Spielfilm drehen, in dem Hardcore Sexszenen enthalten sind. Als ihm Linda Lovelace empfohlen wurde, da sie die Oralsextechnik extrem gut beherrschen sollte, bekam sie nach einem kleinen Gastauftritt in einem anderen Film in diesem die Hauptrolle. Kaum lief der Streifen in den Kinos wurde er zum Skandal für die einen zur Revolution für die Anderen.
Die sexuelle Revolution war in den 70ern gerade so am anrollen. Dies war aber gegen die Moral und somit Gesetzeswidrig. Dem Film und den Produzenten wurde der Prozess gemacht. In New York wurde der Streifen verboten und später noch in 22 anderen Bundesstaaten Amerikas. Begriffe wie Klitorialenorgasmus oder Blowjob bekamen neue Bedeutungen und wurden erstmals in Gerichtsprozessen Verwendet. Zu der Zeit begann Paramaunt massenhaft Pornofilme zu produzieren. So kam die Idee von Damiano, dass das Hollywood Kino und die Pornografie zusammenfliessen würde. So das Sexszenen normal werden sollten in den Filmen. Hier hatte er weit gefehlt. Aber in den 80er Jahren als das Videogerät aufkam, stieg die Produktion von Pornofilmen und deren Industrie ins Unermessliche. Der kleine Amateurfilm hatte es zum Publikumsmagneten geschafft. „Deep Throat“ hatte ihnen den Weg geebnet. 2002 wurden 467 Hollywood Filme Produziert, aber 11303 pornografische Filme. So hat sich mit der Zeit die Pornografie ihr eigenes Grab geschaufelt, denn nun haben wir eine Übersättigung der Sexfilme auf dem Markt.

„Deep Throat“ hat aber auch einige Schattenseiten. Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, ob Linda freiwillig den ganzen Film gedreht hatte, oder ob hier Gewalt im Spiel war. Denn im Film selbst sieht man bei Linda einige blaue Flecken. Dass hier viele auch über den Tisch gezogen wurden, ist auch erst im Nachhinein aufgeflogen, als der Film zum Hit wurde, verdienten die Produzenten viel Geld damit, die Schauspieler wie auch der Regisseur gingen beinahe lehr aus.

Diese Dokumentation zeigt einen schönen Abriss über die Geschichte des Films „Deep Throat“. Mit vielen Interviews aus heutiger und damaliger Sicht, immer auch im Kontext mit der Politik, welche nicht ganz unwesentlich an der ganzen Geschichte beteiligt gewesen war. Die Geschichte der Entwicklung der Pornografie selbst wird nur Stellenweise angedeutet, aber dies war ja auch nicht das Ziel dieses Films.

Ich persönlich fand den Film oder besser gesagt die Dokumentation sehr gelungen. Er setzt nicht voraus, dass man den Pornostreifen selbst gesehen hat. Aber dennoch bekommt man eine gute Darstellung was für Auswirkungen der Film gehabt hatte. Einige Abzüge bekommt der Film, da er noch etwas Fundierteres Wissen über die Skandalität der Schauspieler hätte übermitteln können und soll. Wenn aber einem das Pornogenre gar nicht zusagt, würde ich den Film auch nicht empfehlen, denn er enthält trotz einer 16er Freigabe einige obszöne Bilder. Aus Geschichtlicher Hinsicht hätte man sicher auch noch etwas mehr und präzisere Angaben machen können. Ansonsten eine gute Fernsehdokumentation.

geschrieben am 25.07.2011 um 14:23

Cover

Cover

Bewerte den Film!

Meine Wertung:


Community Wertung:

ø Wertung: 7/10 | Wertungen: 2 | Kritiken: 1