Der unter der Regie von Jess Franco entstandene Film 'Sexo Canibals' erlebte seine Feuerteufe in den deutschsprachigen Kinos im November 1980. In jenem Spätherbst des Jahres 1980 befand sich die in den 70er Jahren aufgefrischte Kannibalenwelle bereits im Windschatten der nachfolgenden Zombiewelle. Jess Franco der im übrigen auch für den Genrebeitrag 'Jungfrau unter Kannibalen' verantwortlich war lieferte mit 'Sexo Canibals' einen Film ab den man einerseits wohlwollend als puren Trash andererseits allerdings auch als Zumutung für den Zuschauer bezeichnen könnte.
Während die Seelenverwandten des Jess Franco wie beispielsweise der Italiener Umberto Lenzi wenigstens auf die Grundbedürfnisse des Genrefans eingingen und diesem entsprechende Effekte,Masken und Kulissen servierten fällt Franco mit 'Sexo Canibals' in jeder Form negativ auf. Die Kulisse des Films erinnert weniger an den südamerikanischen Regenwald als viel mehr an eine vom sauren Regen verunstaltete Grünanlage feinster mitteleuropäischer Herkunft. Das man dies auch besser machen kann haben Regisseure wie Umberto Lenzi in 'Cannibal Ferox' oder Sergio Martino mit seinem 'Mountain of the Canibal God' durchaus nachgewiesen.
Leider lässt der nächste Kritikpunkt nicht lange auf sich warten :
Freilich hat wahrscheinlich noch niemand von uns einen Kannibalen in der Realität aus der Nähe bewundern dürfen aber das heisst natürlich nicht das wir mit dem Begriff des Kannibalen nicht ganz bestimmte Attribute verbinden. Dieser normale menschliche Gedankengang scheint jedoch bis zu Jess Franco nicht durchgedrungen zu sein. Franco will dem in seinen Augen offensichtlich ungebildeten Genrefan glaubhaft machen das Kannibalen im Grunde nichts weiter sind als geschminkte Mitteleuropäer.
Die Kannibalen in dem Film 'Sexo Canibals' haben mit südamerikanischen Ureinwohnern ungefähr soviel Ähnlichkeit wie Sandra Bullock mit der englischen Königin oder anders ausgedrückt : 'Nehmen Sie ihren Beruf manchmal nicht ernst genug, Herr Franco ?' Die Antwort auf diese Frage kann sich der Leser wohl selber geben.
Nach all diesen unerfreulichen Tatsachen freue ich mich umso mehr dem Leser mitteilen zu können das zumindestens die Storyline des Films sich auf auf einem halbwegs durchschnittlichem Niveau befindet - was allerdings nicht bedeutet das diese den Film in irgendeiner Art und Weise vor einem vernichtenden Urteil bewahren kann. Doch was interessiert den Splatterfan am allermeisten - genau - die Splatter.
Leider lässt sich auch zu diesem Punkt nicht allzu viel positives vermerken. Einer der bemitleidenswerten Darsteller verliert einen Arm und darüberhinaus serviert uns Franco in aller Ausführlichkeit die Einnahme der Mahlzeiten in dem Kannibalendorf. Habe ich eigentlich schon erwähnt das jenes Kannibalendorf aussieht als hätte im Vorfeld eine Massenflucht der dortigen Einwohner stattgefunden - anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären das ein ganzes Dorf in drei oder vier Hütten lebt. Von den Behausungen einmal abgesehen stehen in dem besagten Dorf dann noch zwei oder drei Trommeln - damit ist dann wenigstens für die musikalische Unterhaltung gesorgt.
Mahlzeit !
Mahlzeit - dieser Begriff ist im übrigen ein gutes Stichwort. Franco zeigt uns minutenlang (!) nichts anderes als kauende Kannibalen ! Die berechtigte Frage darauf muss zweifelsohne lauten : Warum ? Schockierend ist dies nicht - dafür aber ungemein nervtötend.
In Deutschland wurde der Film im März 1988 beschlagnahmt - im übrigen war diese Beschlagnahme die letzte welche einen Kannibalenfilm direkt betraf. Alle anderen Kannibalenfilme waren zu diesem Zeitpunkt bereits beschlagnahmt - passt aber ganz gut - denn 'Mondo Cannibale 3' ist wirklich der absolute Bodensatz im Subgenre des Kannibalenfilms.
Die DVD aus der Blood Edition von LP präsentiert den Film ungeschnitten - wer also der Versuchung nicht widerstehen kann - viel Spass !
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