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Nymphomaniac 1

  • Informationen zum Film
  • Nymphomaniac 1

  • Originaltitel:
    The Nymphomaniac
    Genre:
    Drama
    Produktionsland:
    Dänemark
    Produktionsjahr:
    2013
    Kinostart Österreich:
    21.02.2014
    Kinostart Deutschland:
    20.02.2014
    Verleiher Österreich:
    Filmladen
    Verleiher Deutschland:
    Concorde Filmverleih
  • Inhalt
  • Schon jetzt wird Lars von Triers neuer Film mit Spannung erwartet und als „must see“ gehandelt. Der Regisseur hat ein großartiges Star-Aufgebot, angefangen bei Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgård, Stacy Martin und Shia LaBeouf bis hin zu Christian Slater, Jamie Bell, Uma Thurman und Willem Dafoe, vor die Kamera geholt. In NYMPH()MANIAC schildert er wild und poetisch das Leben von Joe, einer Frau, die sich seit ihrer Jugend in erotische Abenteuer stürzt und sich von ihrer Sucht nach immer neuen Affären treiben lässt. Regisseur Lars von Trier schweigt. Aber er lässt Bilder, Texte und kleine Filmausschnitte für sich sprechen. Jeden Monat bis zum Filmstart, so hat Lars von Trier angekündigt, wird ein Kapitel veröffentlicht.

  • Filmkritik

  • Das Bild ist schwarz. Stille. Hat der Film schon begonnen? Eine Geräuschkulisse baut sich heimlich auf. Der Schnee sinkt gen Erdboden oder rinnt bereits verflüssigt die Backsteinwände hinab, auch leichter Wind durchstreift die dunklen Straßen. Paukenschlag! Lars von Trier bricht das Schweigen und stellt sich vor, wie man es von ihm kennt. Mit der Symbiose ruhiger Bilder und jenes lauten Knalls entblößt der umstrittenste Regisseur Dänemarks gleich zu Beginn die Ambivalenz von Nymph( )maniac, der selbst im noch recht jungen Kinojahr bereits als meist diskutierter Film des Jahres gehandelt werden darf. Wer mit von Triers Schaffen bisher wenig zu tun hatte, dürfte sich daher schnell überrumpelt fühlen – und wenn man gerade darin nicht den Reiz seiner Werke sieht, sollte man sich auf die kommenden Stunden erst gar nicht einlassen. Alle, die also schon in den ersten Minuten des insgesamt über vierstündigen Psycho-Dramas an von Triers Stil zu kauen haben, werden fortan des Öfteren an ihre Grenzen stoßen, die fernab von Hollywood-Konventionen gnadenlos durchbrochen werden. Wer sich jenen Kontroversen aber schon in Antichrist oder Melancholia hingeben konnte, dem steht wohl ein umfangreicher Exkurs in eine von Schmerz bestimmte Welt bevor. An dieser Stelle sei erwähnt, dass Nymp( )maniac aufgrund seiner Länge von über vier Stunden in zwei Filme geteilt wurde, genau genommen aber nach wie vor nur als ein großes Gesamtwerk zu betrachten ist. Teil 1 endet somit mitten in der Erzählung und lässt den Zuseher, der sich bis zum offiziellen Kinostart des zweiten Teils im April gedulden muss, angespannt und erwartungsvoll zurück. Da es schlichtweg nicht möglich ist, die beiden Filme unabhängig voneinander zu betrachten, fällt es auch schwer, diese separat zu besprechen. Aus diesem Grund bezieht sich diese Kritik, die ebenso abrupt unterbrochen wird wie der Film selbst, auf das komplette Werk.

    Als Junggeselle höheren Alters findet Seligman (Stellan Skarsgard) die brutal zusammengeschlagene Joe (Charlotte Gainsbourg) regungslos auf der Straße liegend. Auch wenn die Frau einen Besuch im Krankenhaus verweigert, lässt Seligman sie nicht zurück und beschließt, die scheinbar hilflose Joe bei sich zuhause aufzunehmen. Nach anfänglichem Zögern erzählt ihm die Unbekannte schließlich mit bedingungsloser Offenheit die Geschichte ihrer unbändigen Fleischeslust. Von kindlichem Erforschen der Sexualität im Kindesalter, über distanzlose Spiele als Jugendliche bis zur unnahbaren, betäubten Frau. Joe lässt kein Detail ihrer Selbsterfahrungen aus und schockiert mit einer unglaublichen Geschichte, die der gebildete Seligman stets mit seinen metaphorischen Exkursen begleitet. Lars von Trier nennt diese Geschichte Nymph( )maniac.



    In Dänemark schwimmt man bevorzugt gegen den Strom. Diese Annahme scheint zumindest legitim, wenn man die beiden heißesten Regie-Eisen des Landes unter die Lupe nimmt. Während sich Nicolas Winding Refn (Drive, Only God Forgives) offenkundig dazu bekennt, sich bei jedem Projekt neu zu erfinden um u.a. für sein Publikum unberechenbar zu bleiben, genießt Lars von Trier nicht nur aufgrund seiner kontroversen Filme außergewöhnlich starke mediale Präsenz. Diese Kritik soll aber ausschließlich seinen aktuellen Zweiteiler behandeln, mit dem der Däne vor allem eines beweist: er kann Filme machen, wie kein anderer. Wie man jene Tatsache auslegt, ist allerdings jedem selbst überlassen…

    Ja, Nymph( )maniac ist die eindringliche Charakterstudie einer von Selbsthass erfüllten Frau, die an ihrer Sexsucht zu zerbrechen droht. Darüber hinaus hakt der Film aber bei allgegenwärtigen Streitthemen ein, die jede einzelne Sekunde des Überlänge-Films rechtfertigen. Anhand der Kompositionskünste Johan Sebastian Bachs, der Geschichten von Edgar Allan Poe, Sigmund Freuds polymorpher Perversion oder der Fibonacci-Folge erschafft von Trier sinnbildliche Metaphern, wodurch er die Pforten zu oftmals tabuisierten Thematiken öffnet. Mit seinem persönlichen Statement hinsichtlich Nymphomanie, Pädophilie, dem stets aktuellen Gender-Diskurs oder religionsgeschichtlicher Ereignisse lehnt er sich völlig bewusst weit aus dem Ethik-Fenster, ohne dabei die Objektivität zu verlieren. Mann oder Frau, Täter oder Opfer, Liebe oder Sex – von Trier zeigt stets beide Seiten einer Medaille und gibt nicht zuletzt mit jener Gegenüberstellung einen fairen Denkanstoß zur Selbstreflexion.




    Wir befinden uns in einer schnelllebigen Zeit, in der die Kamera nie genug wackeln kann und Schnitte im Sekundentakt für möglichst spektakuläre Unterhaltung sorgen sollen. Eine der Trier’schen Stärken ist es allerdings, sich jenem Trend unter keinen Umständen zu unterwerfen und stattdessen auf ruhige Kamerafahrten zu setzen, die die grenzenlose Kraft seiner Dialoge freisetzen sollen. Vor allem die Unterhaltung zwischen Joe und Seligman, gespielt von Charlotte Gainsbourg und Stellan Skarsgard, kommt beinahe ausnahmslos mit statischen Aufnahmen aus und auch musikalische Untermalung sucht man an dieser Stelle vergeblich. Von Trier verzichtet auf alle möglichen Störfaktoren, die von der bedeutungsvollen Unterhaltung, in welcher Weise auch immer, ablenken könnten und überlässt seinen beiden Darstellern die uneingeschränkte Macht über das Geschehen. Es wäre allerdings unbedacht zu sagen, „weniger ist mehr“ sei die hierfür gewählte Devise zu sein. Denn gerade in den einzelnen Episoden, von denen die Protagonistin erzählt, tobt sich von Trier inszenatorisch aus, wo er nur kann. Mit der Abstinenz von Farben, Splitscreen-Sequenzen, unterschiedlichsten Archivaufnahmen, wunderschön eingefangenen Landschaftsaufnahmen, dem kurzen Aufblitzen von Gemälden oder dem Einblenden erklärender Informationen, sei es bebildert oder verschriftlicht, lässt er keine Gelegenheit aus, dem Film eigenständigen Charakter inszenatorischer Natur zu verleihen.
    Zudem gehört Nymph( )maniac dem elitären Kreis jener Filme an, die Filmmusik in ihrer Urform einsetzen. Denn wenn man die aktuellen Trends verfolgt, können Filme heutzutage gar nicht laut und hinsichtlich ihrer Quintessenz dadurch unverständlich genug sein, um dem Zuseher zu missfallen. Jene Trommelfellattacken werden spätestens nach einem Film wie Nymph( )maniac, der streckenweise elendslang auf Musik verzichtet, um ihr im richtigen Augenblick umso größere Bedeutung zukommen zu lassen, ihrer Bedeutung beraubt. Schon auf rein visueller Ebene spielt Lars von Trier also mit dem Nervenkostüm seiner Zuseher, die unter Berücksichtigung der inhaltlichen Aspekte aber förmlich zu seinen Marionetten werden.


     


    Zu Teil 2


  • Wertungen
  • Story
    4,0
    Musik:
    4,5
    Unterhaltung:
    3,5
    Anspruch:
    4,5
    Spannung:
    3,5
    Darsteller:
    4,5
    Gesamt:
    4,0
    Verfasst von:
    Daniel Fabian
    Bestellen bei:
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BILDER ZUM FILM

Komentare (1)

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Hut ab vor dieser Kritik! Ich hab mir Teil 1 ebenfalls schon angesehen und war fasziniert, um nicht zusagen angetan davon. Kunstvolles Kino, wie es kaum noch existiert. Ich bin wahnsinnig gespannt! Dass der Film aber nicht darauf ausgelegt ist, in zwei Teilen zu erscheinen, fällt allerdings sehr auf.

geschrieben am 22.02.2014 um 18:44 Uhr #1

 

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Es viel mir nicht leicht, das alles in Worte zu fassen. Ich hoffe es ist mir gelungen. Bitte sagt, was ihr dazu meint.


Der Film beginnt: Schwarzbild. Wir hören prasselnden Regen, quietschende Scharniere, metallene Geräusche – 30 Sekunden lan...

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geschrieben am 20.02.2014 um 13:43

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ø Wertung: 7,3/10 | Wertungen: 3 | Kritiken: 1

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