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12 Years a Slave

  • Informationen zum Film
  • 12 Years a Slave

  • Originaltitel:
    12 Years a Slave
    Produktionsjahr:
    2013
    Kinostart Österreich:
    17.01.2014
    Kinostart Deutschland:
    16.01.2014
    Verleiher Österreich:
    Tobis Film
    Verleiher Deutschland:
    Tobis Film
  • Inhalt
  • Saratoga/New York, Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Afro-Amerikaner Solomon Northup lebt ein einfaches aber glückliches Leben als freier Mann. Als zwei Fremde den virtuosen Geigenspieler für einen Auftritt engagieren und danach noch auf einen Drink einladen, schöpft Solomon keinerlei Verdacht. Umso größer ist sein Entsetzen, als er sich am nächsten Morgen in Ketten gelegt auf einem Sklavenschiff Richtung Louisiana wiederfindet! Jeder Hinweis auf seine verbrieften Freiheitsrechte verhallt ungehört: Solomon wird verkauft und muss unter schlimmsten Bedingungen Fronarbeit leisten. Zwölf lange Jahre sucht er nach einem Weg, sich aus der Gefangenschaft zu befreien und dabei zu überleben... Wird er seine geliebte Familie jemals wiedersehen?

  • Filmkritik

  • Wir spulen ein Jahr zurück: Quentin Tarantino steht mit seinem Blaxploitation-Western Django Unchained mitten im Oscar-Rennen. Der Kult-Regisseur wird für das beste Originaldrehbuch ausgezeichnet, Christoph Waltz erhält erneut den Oscar als bester Nebendarsteller unter Tarantinos Anleitung. Heute, ein Jahr danach, steht die Sklavenhaltung im Amerika des 19. Jahrhundert ein weiteres Mal ganz oben auf der Favoritenliste – mit seinem dritten Spielfilm nach Hunger und Shame scheint Regisseur Steve McQueen nun der große Wurf gelungen zu sein. Für die unfassbar wahre Geschichte, basierend auf den Memoiren von Solomon Northup, gewann er neben seinem Stamm-Darsteller Michael Fassbender auch noch Benedict Cumberbatch, Chiwetel Ejiofor, Brad Pitt, Paul Giamatti und Paul Dano gewinnen. Ob jene großen Namen und ein prädestinierter Oscarstoff aber auch sage und schreibe neun Nominierungen rechtfertigen und den Film gar zum besten seines Jahrgangs macht?

    New York 1841: Solomon Northup ist nicht nur ein freier Mann, sondern auch ein äußerst begabter Geigenspieler, der mit seiner Familie ein fast schon vornehmes Leben führt. Als er eines Tages aber Bekanntschaft mit zwei scheinbaren Unternehmern macht, die angeblich Interesse an seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten hätten, ändert sich sein Leben für immer. Ein heiteres Geschäftsessen endet für den Familienvater in Ketten, denn Solomon findet sich von einem Tag auf den anderen in den Fängen des Sklavenhandels. Verzweifelte Versuche die Wahrheit ans Licht zu bringen, zerschellen an der Ignoranz seiner Käufer, die Solomon wie ein Stück Vieh an seinen ersten Meister Ford verkaufen. Seine Gutmütigkeit kann er aber nur solange genießen, bis sich Solomon mit dessen Vorarbeiter Tibeats anlegt. Ford muss ihn folglich an den Sklaventreiber Edwin Epps verkaufen, der seine sadistische Ader mit Vorliebe an seinen Sklaven auslebt…



    Mit Sprüngen zwischen Solomons Zeit als freier amerikanischer Bürger und jener als erniedrigter Sklave ohne jedwede Rechte lässt Steve McQueen dessen Schicksalsschlag umso deutlicher werden. Hat die Unbegreiflichbarkeit seiner Situation erstmal ihre Wirkung erreicht, geht der Regisseur den einzig richtigen Weg und bleibt einer Zeitlinie treu, um Brüche dramaturgischer Art zu verhindern und den Zuseher nicht aus dem Geschehen zu reißen. Denn der soll sich der Geschichte möglichst ungefiltert ausgesetzt fühlen und die Bedürfnisse seines geknechteten Protagonisten nicht nur verstehen, sondern nachempfinden. Und genau das macht den Film ausnahmslos unangenehm, denn McQueen scheut sich nicht davor, das Leid, das der afro-amerikanischen Rasse im Zuge jener schwarzen Epoche zugefügt wurde, unverblümt offenzulegen. Schwer zu sagen bleibt aber, was den Zuseher nun trifft oder ihm gar den Boden unter den Füßen reißt. Die Gräueltaten einzelner Plantagenbesitzer, die in 12 Years a Slave in aller Ausführlichkeit in den Vordergrund gedrängt werden oder einst gültige Gesetze, die fern ab der Gleichberechtigung jenen Umgang sogar guthießen. Unbestreitbarer Fakt ist jedoch, dass McQueens schonungslose Inszenierung nicht nur von den Gewaltdarstellungen lebt, sondern jene Szenen vor allem aufgrund nie enden wollender Shots ihre Intensität bekommen – er hält drauf, wenn andere längst abschwenken und das ist es, was 12 Years a Slave zu einer zweistündigen Tour de force werden lässt.

    „Ich will nicht überleben. Ich will leben.“

    Um dem tragischen Leben Solomon Northups auch im Film möglichst große Intensität zu verleihen und diesen nicht zur trockenen Geschichtsstunden verkommen zu lassen, gilt es auch die Figuren – sadistisch und verabscheuend einerseits, hoffnungsvoll und von Pein gezeichnet andererseits – authentisch wiederzugeben. Und dies gelingt dem Ensemble in 12 Years a Slave ohne jeden Zweifel. Chiwetel Ejiofor nutzt die Chance auf seine erste anspruchsvolle Hauptrolle und verleiht seinen Szenen ebenso mitreißende Kraft, wie Lupita Nyong’o, die es mit ihrem Spielfilmdebüt direkt zu den Academy Awards brachte. In Nebenrollen überzeugte außerdem auch die Hollywood-Garde: Paul Giamatti mit einem Mitgefühl, so groß wie eine Münze, Brad Pitt als kanadischer Hilfsarbeiter, Benedict Cumberbatch als gutmütiger Sklavenherr, Paul Dano als hasserfüllter Vorarbeiter, vor allem aber Michael Fassbender als sadistische, verabscheuenswürdige Reinkarnation des Bösen. Wenn er zum Peitschenhieb ausholt oder das Wort erhebt, reißt er seine Szenen förmlich an sich und lässt mit einer widerwärtig authentischen Darbietung das Blut in den Adern seines Zusehers gefrieren.



    Hinsichtlich der Bildsprache scheint Steve McQueen seinen Stil längst gefunden zu haben, denn auch 12 Years a Slave fällt mit unvergleichlichen Aufnahmen aus dem Standard-Hollywood-Schema. Vor allem im Timing der Schnitte in dramaturgisch bedeutsamen Momenten kommt McQueens unverwechselbare Bildgewalt zum Vorschein, die im Falle von 12 Years a Slave vor allem eines ist – unerträglich. Umso bemerkenswerter ist der gelungene Kontrast zu teils prachtvollen Szenenbildern und wunderschön gefilmten Landschaften, die als das Einzige interpretiert werden können, das den Sklaven noch bleibt. Abgerundet mit der phänomenalen Musik von Hans Zimmer, der sich ausnahmsweise nicht selbst kopiert und eine mögliche Selbstbeweihräucherung somit verhindert, ergibt 12 Years a Slave auch ein Highlight inszenatorischer Natur.


    Fazit:

    Wollte Steve McQueen mit 12 Years a Slave einen Film schaffen, der seinem Publikum im Halse stecken bleibt, erreicht er jenes Ziel bravourös. Die unglaubliche, aber wahre Geschichte stellt den heute unvorstellbaren Irrglauben ihrer Zeit und das daraus resultierende Leid in aller Grausamkeit dar und ist sowohl wegen der Gewaltdarstellungen, als auch aufgrund ihres Realitätsbezugs nichts für Zartbesaitete. Eindrucksvoll gefilmt und grandios gespielt untermauert 12 Years a Slave zwar lediglich eine alte Erkenntnis, macht dies aber intensiver, als dem ein oder anderen lieb sein dürfte.

  • Wertungen
  • Story
    4,0
    Musik:
    4,5
    Unterhaltung:
    4,0
    Anspruch:
    4,0
    Spannung:
    4,0
    Darsteller:
    4,5
    Gesamt:
    4,5
    Verfasst von:
    Daniel Fabian
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BILDER ZUM FILM

Komentare (6)

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Wir haben ihn gestern gesehen und er hat uns eigentlich gefallen! Das Kino war gut besucht, aber wir haben schon lange nicht mehr erlebt das Menschen wärend der Vorstellung aufgestanden und gegangen sind :-* (es waren nicht gerade wenige)!

Es passiert ehrlich gesagt sehr wenig was einem im Halse stecken bleiben könnte, also wenn wir da an "Die farbe Lila", "Roots" oder "Amistad" zurückdenken, man man ...was man DA für eine Wut wegen der Ungerechtigkeit beim zuschauen entwickelt, da kann sich der Film hier noch ne Scheibe abschneiden :)

Aber Schauspielerisch war's auf einem HOHEN Niveau und vorallem 'Michael Fassbender' hat hier ganz klar einen Oscar verdient!

3,5-4/5 sind es leider nur, da es manchmal zu lange Einstellungen (was ich eigentlich auch mag) gab, dadurch auch "etwas" langatmige Szenen nicht ausblieben UND der gewünschte Kloß im Hals kaum spürbar war.

geschrieben am 26.01.2014 um 00:50 Uhr #6

Ich kann mir nur vorstellen, was damit gemeint ist... seine Beiträge zu den Blockbustern in den letzten Jahren z.B. Inception, Die Dark Knight-Trilogie usw. hören sich schon alle sehr gleich an. Ich finde die Musik darin zwar klasse, aber hätte bei einem der Filme ein anderer die Musik gemacht oder läge zwischen den Filmen 10-20 Jahre, wäre sicher ein anderes Musik-Thema gewählt worden.

geschrieben am 23.01.2014 um 10:33 Uhr #5

Ich wusste gar nicht, dass sich Hans Zimmer selbst kopiert. Habe ich nie rausgehört. Kann mir jemand Beispiele geben? Per PM vielleicht, dann krieg ich ne Meldung, wenn wer antwortet.

geschrieben am 23.01.2014 um 00:00 Uhr #4

Hört sich nach dem Film an, den ich mir erhoffte! Werd wohl demnächst dafür ins Kino wandern.

geschrieben am 21.01.2014 um 19:15 Uhr #3

Vielen Dank für das Lob! Und ja, das nächtliche Abtippen macht sich scheinbar doch bemerkbar.... wurde soeben ausgebessert, danke!

geschrieben am 21.01.2014 um 15:42 Uhr #2

Tolle Kritik! Aber meinst du "Farce" oder "Tour de force"?

geschrieben am 21.01.2014 um 15:30 Uhr #1

 

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ø Wertung: 8,6/10 | Wertungen: 9 | Kritiken: 0

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