Seit einem schrecklichen Unfall ist der reiche Philippe vom Hals abwärts gelähmt. Seine „Untertanen“ halten es wegen seiner exzentrischen Lebensweise in der Regel nicht lange aus, sodass es jetzt wieder an der Zeit ist einen neuen Pfleger zu engagieren. Viele mehr oder weniger geschulte Personen werden sich für den 24 Stunden und sieben Tage der Woche Dienst vorstellig. So auch Driss, der aber aus rein persönlichen Gründen erscheint. Der dunkelhäutige Mann ist wesentlich jünger als die restliche Konkurrenz, und besitzt hierfür so gut wie keine Erfahrung. Zudem möchte er für das Arbeitsamt nur eine absagende Unterschrift erhalten um das Arbeitslosengeld kassieren zu können. Als Driss endlich an der Reihe ist und seine Sachlage erklärt, wird sein ungewöhnlicher Umgang mit einem behinderten Menschen sichtbar. Daher bekommt er diese erwünschte Unterschrift nicht, und wird zur Überraschung aller gleich für den kommenden Tag engagiert. Zunächst scheint es für den jungen Driss eine unüberbrückbare Distanz zu geben, denn immerhin gilt es für einen Pfleger in Philippes intimsten Gegenden einzudringen. Aber im Verlauf der Zeit entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, die selbst der launische Philippe nie für möglich gehalten hätte.
Bei ZIEMLICH BESTE FREUNDE handelt es sich um eine wahre Geschichte eines adeligen Mannes, der wegen eines Gleitschirmunfalls die Beweglichkeit verloren hat. Da er unbeschreiblich reich ist, kann er sich jegliche Unterstützung leisten, um seine Lebenslage so bequem wie nur möglich zu gestalten. Der reiche Exzentriker und der ehemalige Häftling aus dem Armenghetto. Die Drehbücher unserer Zeit lieben es gegensätzliche Charaktere aufeinander prallen zu lassen. Aber auch die Realität zeigt, dass diese unterschiedlichsten Seelen zueinander passen können. Und was vor einigen Jahren in Frankreich tatsächlich passiert ist, muss doch an den Kinokassen ebenfalls funktionieren. Tja, diese Frage kann sich ohne Zweifel ganz einfach beantworten lassen. INTOUCHABLES, so der wesentlich bessere Originaltitel, war der ganz große urbane Abräumer im vergangenen Kinojahr. Nach einigen selbständigen Kurzfilmen fanden sich die Filmemacher Olivier Nakache und Eric Doledano. Es folgten drei gemeinsame Tätigkeiten, die es kaum über die Grenzen Frankreichs geschafft haben. ZIEMLICH BESTE FREUNDE ist nun die vierte Zusammenarbeit, und der erste große finanzielle Erfolg der beiden. Erwähnenswert ist des Weiteren, dass Olivier und Eric ihre Drehbücher immer eigenhändig verfassen.
Die Bewertungen allen Ortes überschlugen sich mit Lob, sodass diese Resonanz auch auf Ohren stößt, die seltener in ein Kino wandern. Viele die nur ein bis zweimal im Jahr einen Kinosaal von innen sehen, gehen wegen der überschwänglichen Bewertungen, vor allem mit ihren weiblichen Partnern, in diesen Film. Daher ist dieser erwähnte gigantische Erfolg erklärbar. Aus subjektiver Sicht betrachtet, ist weder das Genre noch die Story um die konträren Persönlichkeiten Grund genug, hierfür ein Ticket zu lösen. Vielmehr wäre das Warten auf eine schöne BluRay für mich die bessere Alternative. Aber auch hier war es die „das musst du sehen“ Klänge im Ohr, und zudem das Drängen des Partners ausschlaggebend, diese Tragikomödie in einem Lichtspielhaus zu betrachten.
Auch nach dem Sehen bleibt ein eher zwiespältiger Eindruck haften. Natürlich unterhält ZIEMLICH BESTE FREUNDE über die gesamte Lauflänge von 112 Minuten. Und ganz sicher ist diese Geschichte mit seinen Figuren sehenswert. Aber die Erwartungshaltung, die wegen der im Vorfeld vernommenen Lobeshymnen ins Gigantische gestiegen ist, konnte nicht zur Gänze erfüllt werden. Dieses französische Werk zielt vor allem darauf hin, um alle Wünsche seines Publikums zu erfüllen. Fast wie bei „Malen nach Zahlen“ werden Punkt für Punkt alle Klischees bedient. Daher geht die Unvorhersehbarkeit vollends verloren, und der Zuseher weiß bereits im Vorfeld was als nächstes passieren wird. Das Überraschungsmoment ist so gut wie gar nicht vorhanden. Um der Qualität des Gesamten zu dienen, hätten einige kreativen Augenblicke im Skript gut getan. So aber bleibt ein netter Film übrig, der seine Möglichkeiten nicht ganz ausschöpft.
Die Hauptdarsteller lassen im Gegensatz zum Drehbuch nichts zu wünschen übrig. Die französische Antwort auf Dustin Hoffman ist Francois Cluzet, der den behinderten Adeligen mit großer Bravour verkörpert. Seine Darstellung ist trotz der Unbeweglichkeit richtig mitreißend, und seine Mimik zeugt von einem ungeheuren darstellerischen Talent. Seine letzten beiden Filme KLEINE WAHRE LÜGEN und ZIEMLICH BESTE FREUNDE beweisen die Vielseitigkeit des 56 jährigen Franzosen. Durfte er im Ersterwähnten noch einen Choleriker spielen, so muss er hier sein Inneres psychisch nach außen kehren. Und beide diffizilen Rollen meistert Francois mit einer Leichtigkeit.
Für alle die Omar Sy als die Neuentdeckung sehen, denen sei gesagt, dass dieser 34 jährige Darsteller bereits in 34 Produktionen mitgewirkt hat. Nichts desto trotz ist ZIEMLICH BESTE FREUNDE bislang als Höhepunkt seiner Karriere zu sehen. Omar gibt seinen zu spielenden Charakter einen unbekümmerten und natürlichen Touch. Diese Performance tut dieser Tragikomödie richtig gut. Mit dieser Leistung empfiehlt er sich, und die Darstellung als „Pfleger vom Dienst“ wird sich für seine Zukunft mit Sicherheit als dienlich erweisen.
Fazit:
ZIEMLICH BESTE FREUNDE entspricht nicht ganz den Vorschusslorbeeren, da er zu sehr den Wünschen des Publikums nachgibt. Daher geht ein wenig an Kreativität verloren und schränkt die Unvorhersehbarkeit immens ein. Trotzdem ist dieses Werk ein unterhaltsames, und in gleichermaßen ein lustiges und trauriges zugleich. Großartig sind seine Protagonisten, und sehr gelungen ist auch die musikalische Untermalung, die dezent und meist in Form von Klavierklängen gehalten wird. Im Gesamten ist ZIEMLICH BESTE FREUNDE ein Film den man, nicht unbedingt im Kino, aber dennoch gesehen haben sollte.
Aktuell schwärmen die Filmkritiker nur so von 'Ziemlich beste Freunde'. So führte dieser Film zu meinem ersten Kinobesuch in diesem Jahr und auch wenn das 2012 gerade erst eingeleitet wurde, so behaupte ich dennoch, dass 'Ziemlich beste Freunde' zu den filmischen Highlights in diesem noch jungen Jahr zählen wird - ganz bestimmt. Die beiden Figuren Driss und Philippe werden wunderbar verkörpert. Driss, der junge Arbeitslose Draufgänger mit null Respekt, hat trotz schwerer Lebenskrisen und Perspektivlosigkeit, eines nicht vergessen: Humor. Er genießt das Leben in vollen Zügen und lebt ohne Gedanken an den nächsten Morgen. Der querschnittsgelähmte Philippe hingegen bildet den krassen Gegenpart. Er führt lediglich ein tristes Dasein. Vom finaziellen Standpunkt her kann er sich alles leisten, am Leben aber ist er nur noch, weil er körperlich nicht mehr dazu in der Lage ist, sich selbst das Leben zu nehmen. Glückliche Umstände führen dazu, dass Driss und Philippe aufeinandertreffen und nach und nach kann Philippe wieder Lebensfreunde und das Lachen für sich entdecken.
Diese freundschaftliche Verhältnis zwischen den beiden doch sehr unterschiedlichen Charakteren wird sehr rührend aufgezeigt. Anfänglich sträubt sich Driss gegen die meisten Hilfestellungen, bis er mehr und mehr erkennt, dass Philippe gegenüber den Anforderungen im alltäglichen Leben weitestgehend hilflos ist. Allerdings lernt Driss auch viel von Philippe, besonders auf der intelektuellen Ebene, so dass beide sich mit der Zeit positiv ergänzen.
'Ziemlich beste Freunde' ist eine sehr warmherzige Komödie um das Thema Freundschaft, stellenweise etwas traurig und rührend, größtenteils aber brüllend komisch und das Ganze auch noch ohne den Einsatz von Superkräften - bodenständig eben, schlicht aus dem Leben gegriffen - sehr empfehlenswert! Noch dazu beruht die Geschichte auf einer wahren Begebenheit.
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