Brandon ( Michael Fassbender ) ist beruflich erfolgreich, attraktiv und Single. Seine Wohnung ist komfortabel und zweckorientiert eingerichtet. Von außen scheint sein Leben so als gäbe es keine Probleme. Doch Brandon ist weder glücklich noch zufrieden. Sein innerer Dämon lässt keine Gefühle zu. Daher steht für ihn die Liebe nicht zur Diskussion. Anstatt Empfindungen zuzulassen, wird jeder Gedanke vom Trieb gelenkt. Sein Sexleben wird von One Night Stands geprägt, und zwischendurch scheut er nicht davor selbst an sich Hand anzulegen. Auch Sexhotlines am Computer, oder sexuale Praktiken aller Art mit Prostituierten stehen in seiner Tagesordnung. Als sich eines Tages seine Schwester Sissy ( Carey Mulligan ) am Anrufbeantworter meldet, kümmert sich Brandon nicht darum. Als die Anrufe regelmäßiger werden, schaltet der Bruder einfach ab. Die Lage des Singles ändert sich mit einem Schlag als Sissy plötzlich in seiner Wohnung auftaucht. Da sie mit ihrem Freund Schluss gemacht hat, und sie gegenwärtig ohne Obdach ist, bittet Sissy ihren Bruder für ein paar Tage einziehen zu dürfen. Brandon ist dies so gar nicht recht. Da es sich hier aber um einen Teil aus seiner Familie handelt lässt er sich widerwillig überreden. Die nächsten Tage lässt sich das gemeinsame Leben regulieren. Aber schon bald wird Brandon feststellen, dass sein eingefahrenes Leben in Gefahr ist. Zum einen braucht Sissy eine familiäre Zuneigung, die Brandon nicht bereit ist zu geben. Und zudem kann er sein sexuelles Dasein nicht mehr so führen wie er es gewohnt ist. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis die Situation eskaliert.
Regisseur Steve McQueen inszeniert mit SHAME seinen zweiten Langspielfilm. Sein Debüt fand im Jahre 2008 statt. HUNGER wurde von allen Seiten gelobt und auf diversen Festivals wie zum Beispiel in Cannes, oder bei den British Film Awards mit gewichtigen Preisen belohnt. Obwohl die Filmographie des Steve McQueen erst zwei Filme beinhaltet, zählt er schon jetzt zu den bekanntesten Gegenwartskünstlern Großbritanniens. In den Jahren zuvor hatte sich der Filmemacher mit Videoinstallationen einen Namen gemacht. Die Geschichte zu SHAME entstand als sich Steve vor drei Jahren mit der Autorin Abi Morgan traf. Eigentlich sahen sich die beiden nur um ein wenig miteinander zu quatschen. Aber aus einer leichten Unterhaltung wurde eine dreistündige Diskussion über das Internet, und was es mit einem anstellt. Daraus wurde ein Charakter geboren der Sexsüchtig ist, und auch durch das World Wide Web seine Befriedigung holt. „Sexsüchtige wollen immer mehr ihre Grenzen austesten, und nach dem Höhepunkt erleben diese Personen ein grenzenloses SCHAM Gefühl“, so der Regisseur.
Nach den ausschließlich hervorragenden Kritiken musste im Vorfeld von einem genialen Werk ausgegangen werden. Und hat man zwecks Interesses auch schon den Trailer gesehen, dann wird dieser Umstand noch verstärkt. SHAME fackelt auch nicht lange und setzt den Besucher von Beginn an vor den exzessiven Tatsachen. Schnell wird der Charakter in das Geschehen eingeführt, und mit ziemlich intensiven Sequenzen vorgestellt. Schon nach wenigen Minuten ist sich der Besucher im klarem auf welchen Film er sich eingelassen hat. Zugegeben ist SHAME ein Drama das polarisieren wird, und es wird mit Sicherheit seine Anhängerschaft finden. Aber es kann auch davon ausgegangen werden, dass SHAME von einigen im Publikum nicht gemocht wird. Zu extrem werden viele Passagen dargestellt, und zu sehr taucht SHAME in seine Materie.
SHAME besitzt während der gesamten Lauflänge eine eigenartige Stimmung. Es ist aber aus subjektiver Sicht nicht klar ob dieses seltsame Flair gewollt, oder dem Filmemacher nur per Zufall passiert ist. Ob Steve McQueen eine eigenständige Stilistik aufweist, dies kann nach diesem Werk noch nicht eindeutig geklärt werden. Es gebraucht hier noch den ein oder anderen Film dieses Regisseurs damit man diese Frage beantworten kann. Fakt ist aber, dass mit SHAME ganz sicher ein Film entstanden ist, den man in dieser Art noch nicht häufig gesehen hat. Auf die Frage nach dem Höhepunkt von SHAME, gibt Steve gerne jene Sequenz als Antwort, indem Sissy auf einer Bühne New York New York zum Besten gibt. Für diese Szene wurden immerhin mehr als fünf Minuten verbraucht. In dieser Zeit gibt es kaum Schnitte, und eine starr verharrende Kameraeinstellung. Hier meint der Filmemacher, dass ein enormes Gefühl entstehen soll. Nun gut, ein Versuch war es wert, aber mehr nicht. Denn diese extra lobend erwähnte Passage ist die mit Abstand Langweiligste des gesamten Filmes. Und das Gesinge von Carey Mulligan zieht sich wesentlich mehr als ein zuckerfreier Kaugummi.
Obwohl der Film insgesamt gesehen einen kontroversen Eindruck hinterlässt, so bleibt bei der Performance der Darsteller keine Fragen offen. Vor allem Michael Fassbender als Brandon bietet eine außergewöhnlich eindrucksvolle Vorstellung. Viele die SHAME auf diversen Festivals begleitet haben, waren sich sicher, dass diese Leistung für eine Oscarnominierung reichen wird. Einen Preis für den besten Hauptdarsteller hat Michael auf dem Festival in Venedig gewonnen. Aber die Oscarnominierung blieb aus, und die Verwunderung war groß. Aber möglicher Weise war der zu spielende Charakter zu extrem und abseits jeder Normalität, sodass die Wähler der Academy sich davor abschrecken haben lassen. Trotz allem muss diese schauspielerische Fähigkeit extra gelobt werden. Sie hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Auch Carey Mulligan, sieht man von der gesangstechnischen Einlage ab, agiert gewohnt sicher, und ihre Darstellung darf als absolut glaubhaft bewertet werden. Die übrige Besetzungsliste agiert unterstützend ohne in die eine oder andere Richtung aufzufallen.
Fazit:
Regisseur Steve McQueen hat mit SHAME einen Film erschaffen der breitgefächerte Meinungen hinterlassen wird. Er wirkt anziehend und abstoßend zugleich, sodass es der Zuseher selbst in der Hand hat, ob er SHAME mögen wird, oder ihn verdammt. Zweifelsfrei gehört er aber zur jener seltenen Gattung der Extravaganz, und ist fernab jeglichem Üblichen. Und dieses Indiz ist unbedingt positiv anzumerken.
Ich habe im Vorfeld einige gute Bwertungen zu 'Shame' gesehen, ohne mir die Kritiken näher durchzulesen. Nun habe ich ihn mir angeschaut und kann prinzipiell nur sagen, dass ich keine richtige Meinung zu diesem Drama habe. Schauspielerisch gibt es nichts groß zu bemängeln, glaubwürdig wirken alle Charaktere. 'Shame' ist kalt inszeniert, was man beim Thema 'Sexsucht' wohl nicht anders erwarten kann. Daher ist auch nicht verwunderlich, dass der Film, trotz der Darstellung von nackter Haut, vollkommen unerotisch ist. Schließlich wird hier eine Suchtkrankheit aufgezeigt. Schwierig aber wird es, wenn es keinerlei Identifikationen mit den Charakteren gibt, wenn der Film Bilder statt Worte sprechen lassen will, aber keinerlei Emotionen beim Zuschauer ankommen wollen. 'Shame' konnte mich an keiner Stelle mitreißen oder gar berühren. Nichteinmal das Ekeln bei den völlig mechanischen Sexszenen war mir möglich. Im Gegenteil, ich habe mich bei so einigen Szenen schlichtweg nur gelangweilt. Letztenendes werden mir die beiden Charaktere Brandon und Sissy nur oberflächlich beschrieben. Bis auf ein paar winzige Informationen erfährt man nichts zur Geschichte dieser Personen, damit auch kein bisschen Vergangenheit. Würden die Worte Bruder und Schwester nicht explizit im Film fallen, würde man nicht unbedingt vermuten, dass es sich hier um ein Geschwisterpärchen handelt. Was sie verbindet oder gar voneinander abstößt, bleibt verborgen. Da verwundert und berührt einen wohl auch kaum der traurige Höhepunkt des Films. Mich jedenfalls hat 'Shame' einfach kalt gelassen.
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