Zu spät erkennt Matt King ( George Clooney ), dass er seiner Ehe noch eine Chance geben will. Als er wieder einmal geschäftlich unterwegs ist, zieht sich Elisabeth bei einem Speed-Boot Ausflug schwere Kopfverletzungen zu. Die Auswirkungen des Unfalls sind so stark, dass die Ehegattin sofort ins Koma fällt. Wieder auf der Insel angekommen fährt Matt ins Krankenhaus. Auf den Weg dahin malt sich der erfolgreiche Anwalt aus, wie er seine Ehe wieder auf Vordermann bringen will. Die Liebe zu seiner Ehefrau war nie weg, nur hat Matt im Alltag vergessen familiäre Prioritäten zu setzen. Sobald Elisabeth wieder erwacht wird er dafür sorgen, dass die Zukunft wieder schöne Zeiten mit sich bringen. Aber der Arzt vor Ort überbringt ihm vernichtende Nachrichten. Elisabeth wird aller Voraussicht nie wieder erwachen, und es bleibt nicht mehr viel Zeit bis die lebenserhaltenden Geräte abgeschaltet werden. Niedergeschmettert versucht Matt klare Gedanken zu fassen. Er sammelt seine kleinere Tochter Scottie ein, und begibt sich in Richtung der zweiten Tochter, die in einer sündteuren Privatschule lebt. Schließlich soll sich auch die ältere rebellische Alexandra von ihrer Mutter verabschieden. Es dauert nicht lange bis die Anschauungen von Vater und Tochter in eine komplett andere Richtung gehen. In diesem intensiven Meinungsaustausch erfährt Matt, dass seine Frau seit längerem eine Affäre mit einem Immobilienmakler hat, und schon bald ihren Gatten verlassen wollte.
Die Menschlichkeit besitzt einen besonderen Stellenwert in den Filmen von Alexander Payne. Vor allem in der Weintrinker Tragikkomödie SIDEWAYS konnte der Filmemacher sein goldenen Händchen für besondere Charaktere zeigen. Die Verletzlichkeit und die Schwächen seiner Figuren lassen die Herzen der Zuschauer öffnen. Nach fünf Jahren Abstinenz kommt nun Alexanders neuestes Werk THE DESCENDANTS in unsere Kinos. Und wer sich im Vorfeld ein wenig für die kommenden Preisverleihungen interessiert, wird diesen Filmtitel des Öfteren gelesen haben. Denn THE DESCENDANTS ist in vielen Kategorien vertreten, und wird in Fachkreisen schon als großer Favorit für die anstehenden Oscars gehandelt. Ob Alexander Paynes neuester Streich diese Vorschußlorbeeren auch wirklich verdient ?
Zunächst muss dem Filmemacher auch hierfür ein großes Kompliment ausgesprochen werden. Wenngleich THE DESCENDANTS nicht ganz die Qualitäten eines SIDEWAYS erreicht, so ist dieses 2011 entstandene Werk wieder ein großes humanitäres Kino. Alexander Payne beweist ein weiteres Mal, dass er seine Prämissen etwas in den Hintergrund stellen kann, um seinen Schauspielern den Platz zur Entfaltung zu geben. Entscheidend dazu ist, dass auch das Drehbuch viel bietet, welches sich zu sehen lohnt. In THE DESCENDANTS darf der Zuseher über die Protagonisten von schmunzeln bis trauern, und was für einem solchen Genrefilm am wichtigsten ist, sich durch und durch gut unterhalten lassen.
Der „Quaterback“ dieser Produktion ist mit Sicherheit der männliche Hauptdarsteller. Gegenwärtig sieht es sowieso so aus als würde alles was George Clooney anpackt zu Gold werden. Sowohl für seine Inszenierung THE IDES OF MARCH, als auch für THE DESCENDANTS steht der Hollywoodbeau hoch im Kurs. Als Matt King darf er von einem oberflächlichen Anwalt, über einen überforderten Vater, bis hin zu einem Mann, der den Humanismus über sein Ego stellt, verkörpern. Dabei scheint es, als ob jede Anforderung keine tatsächliche Hürde darstellt. George erledigt die an ihm gestellten Aufgaben mit Bravour, und jede Auszeichnung, die er für seine Rolle ergattern wird, ist mit Sicherheit verdient. Es stellt sich die Frage ob die Golden Globe Nominierung für Shailene Woodley, die den aufmüpfigen Teenager Alexandra spielt, auch gerechtfertigt ist. Als gelungen darf man ihre Performance aber allemal bewerten. Shailene steht zwar klar im Schatten des „Meisters“ Clooney, dennoch muss ihr Engagement an dieser Stelle lobend erwähnt werden.
Wenn man in dieser Tragikkomödie nach einem echten Schwachpunkt sucht, dann wird der Zuseher kein wirkliches Manko entdecken. Möglicher Weise, und es handelt sich hierbei bloß um eine subjektive Betrachtung, ist der Soundtrack mehr als gewöhnungsbedürftig. Es muss aber im selben Atemzug erwähnt werden, dass diese Folkloreklänge aus Hawaii unbedingt ins Gesamtbild passen. Aber dieses penetrante und enorm auf das Ohr drückende Gejaule mit seinen exotischen Klängen ist nur schwer zu ertragen. Stellt man aber die vielen Pluspunkte als Gegengewicht, dann fällt der passende, aber trotz allem ungewöhnliche Soundtrack kaum ins Gewicht.
Fazit:
THE DESCENDANTS zeichnet das Portrait eines Familienvaters, der von einer Sekunde in die Andere, vor den Trümmern seines Daseins steht. Filmemacher Alexander Payne gelingt es auf wundervolle Weise einen Menschen zu zeigen, der mit seinen Problemen zunächst völlig überfordert scheint, und es erst allmählich lernt, mit der neuen Situation umzugehen. Vielleicht schafft es diese Tragikkomödie nicht ganz in den Olymp. Den Zuseher berühren, und ihn für knapp zwei Stunden mühelos in den Kinosessel zu fesseln, das schafft THE DESCENDANTS allemal.
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