Danny lebt hier nicht mehr … Danny starb als er seinen Hund verfolgte, der durch die offene Gartentüre, über die Straße rannte. Ein Wagen, der möglicherweise ein wenig zu schnell unterwegs war, wich dem Köter aus und traf den Jungen mit voller Wucht. Seitdem sind acht Monate vergangen. Und noch immer denken seine Eltern Becca ( Nicole Kidman ) und Howie ( Aaron Eckhart ) jede Sekunde an ihn. Dannys gemalte Bilder zieren noch immer den Kühlschrank und die Spielsachen liegen unberührt im Kinderzimmer. Durch diesen Schicksalsschlag ist an ein normales Leben nicht mehr zu denken. Die Intimitäten des Ehepaares sind verloren gegangen, und das Miteinander mit ehemaligen Freunden rar geworden. Durch eine Selbsthilfegruppe versuchen die beiden wieder Fuß zu fassen. Aber durch das abweisende und teils aggressive Verhalten von Becca scheitert auch dieses Unterfangen. Als sie sich den Trümmern ihres Lebens ergeben will, trifft sie auf jenen jungen Mann, der an diesem besagten Tag hinter dem Steuer des Unfallwagens saß.
Die schönsten, aber auch die dramatischten Geschichten schreibt zumeist das reale Leben selbst. Es gibt viele furchtbare Ereignisse die sehr oft mit dem Tod in Verbindung stehen. Auf unseren Lebensweg müssen wir uns des Öfteren von Bekannten oder Verwandten trennen, und immer sind diese Verabschiedungen mit Tränen behaftet. Aber wenn das eigene Kind stirbt, dann prägt dieser Umstand mit Sicherheit auch das weitere Dasein des Betroffenen. „Das Leben ist nicht mehr schön“ ist wohl das treffendste Zitat aus RABBIT HOLE. Auch wenn mit den Jahren die Trauer ein wenig milder wird, und auch das Ertragen ein wenig einfacher, so bleibt das Leid dennoch dein ständiger Begleiter.
Auch wenn Regisseur John Cameron Mitchell bislang lediglich drei Filme aufweisen kann, so beschreiben die Fachkenner ihn jetzt schon als einen Filmemacher, der mit dem gewissen Extra ausgestattet ist. Das Erstlingswerk HEDWING AND THE ANGRY INCH entstand im Jahre 2001 und wurde auf vielen Festivals zu Recht mit jeder Menge Preise bedacht. Dieses aggressive Rockmusical besticht durch seinen Tiefgang und punktet mit einer Geschichte, die man in diesem Genre bislang noch nicht erfahren durfte. HEDWIG ist einer jener Filme, die in der Regel mehrmals konsumiert werden. SHORTBUS, John Cameron Mitchells zweiter Streich, ist der erste pornographische Film indem seine Charaktere, und nicht der sexuelle Akt an sich, im Vordergrund steht. Dem Filmemacher ist es tatsächlich gelungen, die reichlich zu sehenden Geschlechtsteile in den Hintergrund zu schieben, und das Augenmerk auf die eigentliche Geschichte zu lenken.
2010 entstand mit RABBIT HOLE der nun dritte Film des 48 jährigen Regisseurs. Während HEDWIG und SHORTBUS mit geringen finanziellen Mitteln, und eher unerfahrene Schauspieler realisiert wurden, ist dieses Drama mit internationalen Hollywoodstars bestückt. Dieses Mal standen dem Team immerhin fünf Millionen Dollar zur Verfügung. Damit kann man durchaus einen Spielfilm, der ohne Computereffekt auskommt, finanzieren. Für ein Engagieren namhafter Stars reichen diese Mittel natürlich nicht. Hier haben die Verantwortlichen einen Trick verwendet, der mittlerweile gängig geworden ist. Nicole Kidman, als Beispiel, wurde neben dem Schauspiel auch als Co - Produzentin engagiert. Zudem waren Aaron Eckhart, Diane Wiest und Sandra Oh von dem Drehbuch derart begeistert, sodass sie auch für weniger Gage zur Verfügung standen.
Nun sollten wir ohne weitere Umschweife zum Urteil kommen und RABBIT HOLE bewerten. Dieses 2010 entstandene Drama ist eine bedrückende und konstant bewegende Studie über das Trauern und dessen Umgang. Dabei verfällt er weder in Klischees noch treibt er die Depressivität auf die Spitze. Das Leben mit dem Schicksal in der Gegenwart und das Denken was die Zukunft noch bringen kann, ist das zentrale Thema dieser traurigen aber bitterschönen Geschichte. Dabei zentriert sich dieser Film vor allem auf die weibliche Protagonistin. Becca, hervorragend gespielt von Nicole Kidman, agiert derart realistisch, sodass sie sogar für den Oscar als beste Darstellerin in einer Hauptrolle nominiert wurde. Wenn es in diesem Werk so etwas wie eine Schwachstelle gibt, dann eventuell nur diese, dass auf die restlichen Charaktere zu wenig eingegangen wird. Für Sandra Oh als Selbstgruppenveteran und Diane Wiest als Beccas Mutter hat das Skript zu wenig Essenzielles zu bieten. Aber da die Beachtung sowieso hauptsächlich auf Nicoles Person gerichtet wird, und diese ihren Part auf höchstem Niveau absolviert, ist dieses Manko in Wahrheit keines, über das es zu schreiben lohnt.
Fazit:
RABBIT HOLE ist ein kleiner Film, welcher mit einem außerordentlichen Drehbuch glänzt. Zudem gelang es dem „Leading Team“ trotz der beschränkten finanziellen Mitteln eine beispiellose Besetzung aus dem Hut zu zaubern. RABBIT HOLE übertreibt es nicht überzählige Gefühlsausbrüche zu zeigen. Im Gegenzug gelingt es aber diesem Werk den Zuseher zu bewegen. Und eine Betroffenheit während dem Betrachten ist fortwährend feststellbar. So gehört RABBIT HOLE ohne Zweifel zu den einfühlsamsten und berührensten Filmen des Jahres 2010.
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