Sexy Beast

  • Informationen zum Film
  • Sexy Beast

  • Originaltitel:
    Sexy Beast
    Genre:
    Krimi, Drama
    Produktionsländer:
    UK, Spanien
    Produktionsjahr:
    2000
    Kinostart Österreich:
    04.10.2002
    Kinostart Deutschland:
    27.06.2002
  • Inhalt
  • Zurückgezogen in einer spanischen Provinz und, nach Jahren der harten Arbeit, seinen verdienten Ruhestand geniesen. Es ist wohl der Traum eines jeden Mannes und einer jeden Frau: Sobald ein kleines Vermögen angespart ist, dem grauen Alltag zu entfliehen und die permanente Sonne eines vermeintlich verlorenen Paradieses zu genießen. Dies gilt für einen Beamten, einen Verkäufer, aber ebenso für einen Kleinkriminellen. Der Bohrspezialist Gary hat schon Jahre lang von seinen krummen Geschäften die Nase voll gehabt und nun kann er endlich mit seiner geliebten Frau und seinen besten Freunden ein Eden auf Erden geniesen. Zumindest bis zu einem Telefonat. Mit zitternder Stimme erklärt Jackie, die Gattin seines besten Freundes, dass Don angerufen hätte, um Gary einen Job anzubieten. Die Freude, das Festliche verstummt. Denn jeder weiß, Don akzeptiert kein Nein und er wird alles – und wirklich alles – machen, um den Pensionierten zu überreden ...

  • Filmkritik
  • “Shut up, cunt. You louse. You got some fuckin' neck ain't you. Retired? Fuck off, you're revolting. Look at your suntan, it's leather, it's like leather man, your skin. We could make a fucking suitcase out of you. Like a crocodile, fat crocodile, fat bastard. You look like fucking Idi Amin, you know what I mean? Stay here? You should be ashamed of yourself. Who do you think you are? King of the castle? Cock of the walk?“ Sexy Beast.



    „I am Irish, being racist is part of my culture”


    Oh Mann, können britisch-irische Produktionen fluchen. Sicherlich nicht eine genuin von mir entdeckte Formular dieser Kinolandschaft – die scheinbar sich nur aus einer reichen Palette von Anspielungen an Coitus und schambehafteter Körperteile auseinandersetzt – aber ein Verdikt, das auf redundante Weise vor jeder dieser Produktionen gesetzt werden muss. Nicht als Urteil, sondern als Beobachtung. Egal ob Filme über Londoner Untergrundgangs, über die Emerald Island oder auch Emigranten dieser Nationen (augenscheinlich befinden sich derzeit, laut der Mattscheibe, 99 % aller irischen Siedler in Boston und Umgebung – vielleicht sogar mehr als es Iren in ihrer Heimat gäbe). Ist denn dem aktuellen Kunstfilm per definitionem eine gewisse Mindestanzahl an F*cks vorherbestimmt? Ein Blick auf die derzeitge Kinolandschaft bietet uns ein neonpink leuchtendes JA als einzige Antwortmöglichkeit an. Selbst Filme, wie Gangster No. 1, die auf verschiedenen Ebenen einen Kultstatus erlangen möchten, nützen den Umweg über das Schimpfwort und glauben in ihrem Wahn hierin einen stabilen Wall der Erhabenheit vor jeglicher Kritik zu installieren. Natürlich sind die Produktionen von jener Inselgruppe nicht die einzigen, welche sich mit einem ordinären Gewand schmücken, doch oftmals die geschicktesten. Und Jonathan Glazers Debütfilm Sexy Beast ist die Inpersonifikation dieses Verdikts.



    “This is madness, I've had enough of this ‘Crime and Punishment’ bollocks. I'm happy here.”
    - „I won't let you be happy, why should I?”



    Der ehemalige Musikvideo-Visualist unterdrückt die oberflächliche Versuchung, das pointierte Drehbuch von Louis Miller und David Scinto (ebenso zwei Debütanten) in einer höchst grafischen Darstellung hervorzuheben. Das Fluchen und die (wenigen) brutalen Exzesse würden von dem Durchschnitt der visuellen Kräfte in eine alles erschlagende Gewalt der Bilder untergehen. Die Schnitte an den Ekel der Szenerie angebiedert, die Kamerabewegung einen unangenehm realisitsches Gefühl verpasst und die Schauspieler ihre Worte eher spuckend als sprechend. Beinahe jeder würde an die Worte von Scinto und Miller in dieser Weise herangehen, da es heutzutage, bedauerlicher Weise, der naheliegendste und offensichtlichste Zugang ist. Der Archetyp des heutigen Regisseurs möglicherweise, aber nicht Glazer. In jeder Minute erkennt man die (im positiven Sinne) hyperstylte Natur des Musikvideoroutinees: Auf den Punkt genau setzt Glazer Kader an Kader, vielmehr elegisch als dramatisch. Glazer nutzt die beeindruckend ruhige (aber nie stille) Kameraarbeit von Neuling Ivan Bird, um sie geschickt gegen die eigentlich bestialische Handlung, gegen das bösartige Drehbuch zu stellen. Diametral entgegensetzt entwickeln sich jene F*cks, Sh*ts und C*nts zu einer unheimlich poetischen Bildsprache. Erst wenn die Formalia der Konversation beseite gelegt wurden, zerreißt das Netz der Elegien. Bestialisches zersetzt die Glätte der Höflichkeit, und in einem Rausch der Buchstaben (unglaublich Ben Kingsley und Ray Winstone!) entpuppen sich die Schäfchen doch als Wölfe. Das Schimpfwort ist nicht so sehr Schmuck für ein Milieu, als es integraler Bestandteil der gesamten Dramaturgie ist. Die Reduktion bzw. der Fokus auf diese Ebene lässt jedoch die restlichen Komponenten scheinbar verschwinden. Denn Sexy Beast glänzt natürlich nicht nur in diesen Exzessen des Schimpfwortes. Allein jene schmerzende Geschichte eines unterdrückten Mannes, der nicht nur seiner Vergangenheit, sondern sogar seinem ehemaligen Selbst per se entfliehen möchte. Doch eben dieses Drama der Flucht zeigt sich in einem Verstecken in dem Gewand des Alltags, welches von der Ekstase des Fluchens zerrissen wird. Ursprünglich war Anthony Hopkins für die Rolle des Antagonisten Don geplant. Auch wenn Hopkins ein unbestritten toller Darsteller ist, stellte sich die letztendliche Wahl für Oscarpreisträger Ben Kinglsey als perfekt heraus. Hopkins ist schon längst als Gentlemen-Psychopath in die Annalen des Kinos eingegangen – dessen Amokläufe sind so überraschend, wie Schwarzenggers „I’ll be back!“. Kingsley ist (bis dahin) größtenteils für seine Rollen als Isaak Stern und Gandhi, zwei der (kinematografischen) Ikonen des pazifistischen Widerstandes, bekannt – das Gesicht eines Weisen, hinter dem man den Wahnsinn nicht erwartet. Und in dieser Hinsicht auch der Film in Kurzfassung: In der Schönheit der Visionen explodiert alles in Rage. Sexy Beast ist nicht der einzige Film, der eine derartige Geschichte erzählt. Aber es ist der einzige, der sie wie ein Gedicht flucht.



    Rated R for pervasive language, strong violence and some sexuality


    Fazit:
    Sexy Beast – ein Film, bei dem man nicht prüde sein darf. Sowohl in seiner Bildgestaltung der wenigen Gewaltszenen wie auch – und vor allem – in seiner überaus lebendigen Sprache könnte Jonathan Glazers beachtlicher Debütfilm eine Reihe von Zuschauern abschrecken, während dieser Faktor der Arbeit, speziell an der Front der ewigen Brit/Irish-Gangsta-Jüngern, enorm beliebt macht. Doch in dieser Hinsicht tut man Sexy Beast an beiden Fronten mehr als unrecht. Anders als der Großteil der vielen weiteren Produktionen nutzt Glazer das Fluchen als eine Form, nicht um sein Publikum in Fahrt zu bringen, sondern seine Figuren. In all der Beschimpfungswut treten Bestien an den Tag, die sich in der Haut von Schafen tarnen. Es sind Monster, die in der Herde untergehen, doch in dem ekstatischen Rausch ihre wahre Natur nicht verbergen können. Kurzum: Ein unglaublicher Versuch einer Dramaturgie des Schimpfwortes.

  • Wertungen
  • Story
    3,0
    Musik:
    3,0
    Unterhaltung:
    4,0
    Anspruch:
    3,5
    Spannung:
    4,0
    Darsteller:
    4,5
    Verfasst von:
    Sebastian Klausner
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geschrieben am 21.01.2014 um 05:43

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ø Wertung: 8/10 | Wertungen: 3 | Kritiken: 1