In der spanischen Verbrecherwelt ist er nur der kleinste Fisch der mitschwimmen will. Zudem ist Uxbal ( Javier Bardem ) ein menschlicher Ganove, der seine Auszubeutenden gut behandelt und hilft, soweit es in seiner Macht steht. Da Uxbal die lebenslustige, untreue und beizeiten auch seltsame Frau, die er einst heiratete, seinen beiden Kinder nicht zumuten möchte, hat er sich kurzerhand von ihr getrennt. Von essenzieller Bedeutung ist es dem Kleinganoven, dass seine Kids eine seriöse Aufzucht genießen. Sorgen schiebt Uxbal, so weit es eben geht, zur Seite. Auch die eigene Gesundheit wird immer wieder nach hinten gestellt. Als der Schmerz in aber eines Tages übermannt, und der Arzt Prostatakrebs im Endstadium diagnostiziert, stellt sich die Welt plötzlich völlig differenziert dar. Uxbal muss sich beeilen seine Dinge zu regeln, und in den Griff zu bekommen. Die Kinder brauchen jemanden, der für sie in Zukunft sorgt. Dazu wird auch ein wenig Geld benötigt, sodass die Schulausbildung gesichert ist. Kommt für die bevorstehende Zeit die Ex-Frau in Frage, die plötzlich wie verwandelt, wieder in sein Leben tritt ? Oder bittet er Ige, eine Afroamerikanerin, die als Babysitterin schon des Öfteren auf die beiden Sprösslinge aufgepasst hat. Nun bleibt Uxbal nur noch wenige Tage bis er sich entscheiden muss.
Wenn der Name Alejandro González Iñárritu als Regisseur unter einem Titel steht, dann weiß der Filminteressierte sofort, auf was er sich einlässt. Der 1963 in Mexiko geborene Filmemacher steht, und damit ist explizit jedes seiner Werke gemeint, für ausgefallene und innovative Kunst. Er ist einer der Wenigen, die bislang noch keinen „Ausrutscher“ zu verzeichnen haben. Gerne versucht er verschiedene Geschichten, teilweise in unchronologischen Abfolgen, zu einem kreativen Gesamten zu formen. AMORES PERROS, 21 GRAMS oder BABEL zeigen sein Filmschaffen in einer eindrucksvollen Form. Seine Produkte protzen von Eigenständigkeit und Konsequenz. Alejandro González Iñárritu steht nicht für Mainstream. Vielmehr ist Anspruch jenes Element, auf das sich seine Bewunderer verlassen können.
In BIUTIFUL versucht der Filmemacher einen Gang zurückzuschalten, um diese sehr „enge“ Geschichte wirken zu lassen. Wie David Lynch in STRAIGHT STORY als Beispiel, so ist auch Alejandro bestrebt, alles so simpel wie möglich zu halten. Mehrere, und gleichzeitig zeitversetzte Handlungsstränge sucht man hier vergeblich. Was dem Protagonisten während den nicht zu langen 147 Minuten in BIUTIFUL widerfährt, reicht vollkommen um dieses Produkt mit Interessantem zu füllen. Natürlich muss der Regisseur ein besonderes Händchen für Schauspielgestaltung besitzen, da es sich hierbei um ein klassisches Drama handelt, und dahingehend nicht mit schnelleren Elementen zu rechnen ist. Aber es wäre nicht Alejandro González Iñárritu, wenn er nicht auch mit einem „reduzierten Händchen“ perfekt umzugehen versteht. Mit BIUTIFUL ist dem Filmemacher, trotz seinem beinhaltenden Schmerz, wohl ein bekömmlicherer, und im Gesamten ein zugänglicherer Film gelungen.
Dieses Zitat gibt Uxbal von sich, als er sich einer Freundin öffnet und endlich das für ihn ultimative Geheimnis lüftet. Dies geschah im Bewusstsein, dass Metastasen bereits viele Stellen seines Körpers angegriffen haben, und es ihm völlig klar ist, dass die Lebenserwartung überschaubar bleibt. Trotz des mittlerweile dunkelrot gewordenen Urins, und dem stetig steigenden Schmerz, will der verzweifelte Todkranke kämpfen. „ICH WERDE NICHT STERBEN“ Wenn ein starkes Erscheinungsbild wie UXBAL diese Worte spricht, und er sich in diesem Moment seiner Zerbrechlichkeit preisgibt, spätestens dann bleibt dem Zuseher der Atem stocken. Neben der Gänsehaut melden sich unweigerlich die Tränendrüsen, die angesichts dieser untragbaren Traurigkeit, einfach nur loslegen wollen.
Um diese vorgesehenen Gefühlsmomente eins zu eins auf die Leinwand zu übertragen, bedarf es einen Schauspieler, der diese wahrhaft schwere Rolle auch glaubhaft zu transportieren versteht. Und mit Javier Bardem haben die Verantwortlichen nicht einen, sondern „die“ Idealbesetzung gefunden. Der 42 jährige Spanier ist sicherlich in Besitz einer besonderen Gabe. Er schafft es seine kraftvolle Aura mit einer unglaublich labilen Brüchigkeit zu kombinieren. Wie kaum ein anderer ist Javier Bardem für dieses Genre geschaffen. Seine Performance als gebrochener Gauner, der für den Rest seines Lebens versucht so viele Altlasten wie möglich abzutragen, um letztendlich auch seinen Kindern eine einigermaßen sorglose Zukunft zu sichern, bescherte ihn eine Oscarnominierung als bester Hauptdarsteller. Den Vergleich zum „stotternden“ Gewinner Colin Firth hält Javier Bardem allemal stand. Wahrscheinlich ist diese hier ausführlich beschriebene Rolle noch diffiziler, und dementsprechend noch höher einzuschätzen.
Fazit:
BIUTIFUL dringt tief in die Magengrube um im Inneren des Zusehers gut durchzurühren. Alejandro González Iñárritus Werk nimmt einem umgehend in Besitz und trampelt schonungslos auf jegliche Gefühlsebenen ein. BIUTIFUL ist das komplette Gegenteil eines „Feelgoodmovies“. Dennoch lohnt es, sich mit diesem eindringlichen Werk zu beschäftigen, und es nicht zuletzt, zu erarbeiten. BIUTIFUL ist empfundenes Leid und Schmerz in seiner schönsten Art!
Kommentare
Um einen Kommentar verfassen zu können müssen Sie sich einloggen. Sollten Sie noch keinen DVD-Forum.at Account haben, registrieren Sie sich bitte hier.