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Somewhere

  • Informationen zum Film
  • Somewhere

  • Originaltitel:
    Somewhere
    Genre:
    Drama
    Produktionsland:
    USA
    Produktionsjahr:
    2010
    Kinostart Österreich:
    12.11.2010
    Kinostart Deutschland:
    11.11.2010
    Kinostart USA:
    06.10.2010
  • Inhalt
  • Im Hotelzimmer sind zwei silberne Metallstangen aufgestellt, auf jeden turnt eine höchst gelenkige Stripperin mit gebleichten Haar herum. Perfekt symmetrisch, höchst parallel und unendlich synthetisch. Mit leeren Blick und müden Lächeln blickt der berühmte Filmschauspieler Johnny Marco den beiden in der Privatshow zu. Jeder Abend ist geprägt von alkoholischen Exzessen. Die Nacht wird von den unbedeutenden One-Night-Stands belagert. Die Tage haben ihre Bedeutung als solche verloren. Alles ist einfach nur falsch. Eine gespielte Fassade, die der Bedeutungslosigkeit eingeschrieben ist. Alles – nein, nicht ganz. Eine kleine Festung des Lebens, der Gefühle bleibt: Seine Tochter Cleo ...
  • Filmkritik
  • “He's a real nowhere man, sitting in his Nowhere Land, making all his nowhere plans for nobody.” – The Beatles


    Noch ehe die große Masse den neuesten Streich der Coppola-Thronfolgerin zu Gesicht bekommen hat, kursieren schon die wildesten Skandale und Gerüchte um das Werk. Im Folge der persönlichen Beziehung von Venedig-Jury-Vorsitzender Quentin Tarantino und der diesjährigen Goldener Löwe-Gewinnerin Sofia Coppola waren Sieg und die Möglichkeitt einer Vitamin B-Aktion sofort in aller Munde.

    “Somewhere over the rainbow - Way up high, there's a land that I heard of once in a lullaby”- The Wizard of Oz


    Es ist allzu offensichtlich, dass Somewhere gewisse Ähnlichkeiten mit dem bis dato erfolgreichsten Filmexperiement Coppolas aufzeigt – scheinbar bitter notwendige Parallelen. Nachdem die Regisseurin ihre teuerste und oppulenteste Produktion, die popkulturelle Verfilmung des Lebens von Marie Antoinette, sowohl bei Kritik als auch bei Publikum ziemlich in den Sand gesetzt hat, wollte Regie-Ikonen-Tochter nichts mehr riskieren. Sofia Coppola besinnt sich auf ihre größte Stärke: Sie selbst zu sein. In ihrer neuesten Arbeit rekapituliert die Auteur verlorene Kindheitstage ihrer eigenen Vergangenheit. Autobiographisch versucht sich Coppola mit der Problematik ein Starkind zu sein, jedoch – sonst wäre es ja kein Originalprodukt ihrerseits – von der Warte des Mannes erzählt. Als Drehbuchautorin und als Regisseurin greift sie den (leidvollen) Blick des Filmstars Johnny Marco (unendlich erschöpft Stephen Dorff) auf, der ohne Worte auszusprechen, die Beziehung zwischen sich und seiner Tochter – und somit auch irgendwo Sofia – neu zu bewerten versucht. Nach kurzen sexuellen Exzessen in Marie Antoinette rückt somit erneut der Sex aus der Gedankenwelt der Regisseurin. In oftmals durchaus packenden Bilder schildert Somewhere die Geschichte eines Mannes, der sich in den wilden Räuschen Hollywoods selber zerstört, sich nicht in dem Star-Ruhm finden kann. Zu einem verkümmerten Nichts wird. Die Quintessenz des Plots ruht in der Beziehung, welche er mit seiner Tochter hat. Immer wieder verkehrt der Protagonist mit den unterschiedlichsten Frauen, auf die unterschiedlichsten Weisen – und doch enden sie alle im Bett. Es ist bedeutungsloser Sex, der in dem Vakuum des Kondoms sein (Un-)Schicksal findet. In hypnotischen, immer wieder sich selber reproduzierenden Einstellungen zweier blondierten Stripperinnen tut sich das Spannungsfeld einer oberflächlichen Gesellschaft der Belanglosigkeit auf. Die synthetischen Strip-Zwillinge bewegen sich in einer surreal anmutenden Symmetrie, die in ihrer Realität nicht über ihre eigenen Spiegelbilder hinausgehen. Der einzige Moment, in dem jene Kunstware ihre überperfekten Münder öffnen dürfen, ist die Anprangerung ihrer Künstlichkeit („I’m Bambie, you moron!“). Sie sind nicht nur die Stellvertreter, sondern die Archetypen, die „Originalmodelle“ (wenn es so etwa in dem Film gäbe), für die Gesamtheit des restlichen (sexuellen) Frauencasts. Püppchen mit schönen Gesichtern. Sexobjekte. Einzig und allein Cleo darf Subjekt sein. Schon in ihrer Einführung wird ihre Person an vorderste Position gereiht. Das Mädchen schreibt ihren Namen auf das blanke Weiß des Gipses ihres Vaters. In diesem Akt wird nicht nur ihr Name vor der reinen Körperlichkeit gestellt, sondern auch die Leere des Protagonisten symbolisch gefüllt. Wer das Oevre von Sofia Coppola ein wenig verfolgt hat, weiß, dass jene Beziehungen, die sich dem Sex entziehen, für die Regisseurin einfach am Schönsten konnotiert sind. Während Johnny von gesichtslosen Unbekannten mit Hass-SMS zugemüllt wird, erlebt der Protagonist mit seiner lieblichen Tochter die erfüllendsten und wahrsten Momente in seinen Leben. Er muss nicht unbedingt wissen, wie lange sie schon Eislaufunterricht nimmt. Er muss sich nicht vor ihr verstellen. Er muss nicht ein Star sein. In dem sanften Blau des Schwimmbads trinken die beiden wortlos unter Wasser Tee. Die bedeutensten Sätze werden unter dem Lärm von einem Helikoper geflüstert. Es ist eine Beziehung der stummen Blicke. Eine Seelenverbundenheit, die weit über die Genauigkeit des Wortes reicht.

    “I can go anywhere, for something new - Anyway, anyhow, anywhere I choose” – The Who
    Das Faszinosum Somewhere ruht hierin, dass die Bearbeitung des Oberflächlichen in das Verhandelte zu kippen droht. Die Gegenüberstellung von familäres Zusammenleben und der Unmöglichkeit der klinischen Gesellschaft ist zu nichtssagend. Neben wenigen ekstatischen Momente absoluter Ehrlichkeit, verfällt die Arbeit zunehmend den Platitüden einer sich selbst reproduzierenden Filmwelt. Die Überlegungen, die Sofia Coppola den Zuschauer als Neues zu verkaufen versucht, sind schon dutzende Male, oftmals reflektierter, beinahe immer radikaler gesagt worden. Versteht sich Somewhere als eine Kritik an den verhassten Materialismus, wünscht man sich zerrissene Geldscheine, die in das Klo gespült werden. Ist der Film ein Plädoyee an die Freiheit, fehlt die Weite der verschneiten Wildnis. Wollte die Regisseurin eine packende Erzählung über die Liebe zwischen Vater und Tochter, wartet man sehnsüchtigst auf die kafkaesken Puppen. Keineswegs erwartet man sich noch eine wahre Kinorevolution am verstaubten Zelluloid der heutigen Kinolandschaft vorzufinden, jedoch wünscht man sich das Neue, Ungesagte. Sofia Coppola wiederholt und rezitiert Filme über Filme, die allesamt eine Klasse besser waren. Sie schöpft aus einem Pool des stereotypen Klischees und kann nicht den Großen der Genres entrinnen – sondern nur fallweise ihren Ideal nacheifern. Manchmal gelingt es, oftmals nicht. Jeden ehrlichen, jeden fabelhaft cineastischen Moment, jedes Highlight muss der Zuschauer bitter bezahlen, denn so warten schon ein halbes Dutzend nichtssagende Blicke auf den Nichtsahnenden. Das eigentliche Problem von Somewhere ist, dass der Film schon existiert, in tausendfacher Ausführung. Selbst der vor einigen Monaten veröffentlichte Oscar-Favorit Up in the Air mit all seinen verkitschten und versimplifizierten Moralpredigten kann das Sujet angemessener behandeln. Im Laufe des Films bricht der Protagonist zusammen und sieht ein, dass er ein Nichts ist. Ähnliches kann man über den Film an sich sagen: Somewhere ist gefüllt von Nichts, von einer gähnenden Leere, deren visuelle Schönheit größtenteils nur Fassade ist. Was bleibt ist die Routine aus Sex, leerer Blicke, Trauer, Alkoholexzess und der kleine Hoffnungsglimmer Cleo – sowohl für Protagonist Johnny als auch für den Zuschauer. Ein zartes Flackern, welches harsch vom Film ausgeblasen wird.

    “I am a nothing” – Somewhere


    Fazit:
    Es gibt ein Bild, welches sicherlich nach der Sichtung von Somewhere im Kopf hängen bleiben wird: Im alkoholischen Rausch schläft Johnny Marco mitten im Liebesakt mit dem Kopf zwischen den Beinen der Bettgefährtin ein. Somewhere lässt den Zuschauer einen One-Night-Stand gleich unbefriedigt zurück. Immer wieder flackern kurze Momente wahrer, absoluter Ehrlichkeit auf, die von dem Nichts der Banalität geschluckt werden. Sofia Coppolas neuestes Werk ist ein halbgarer Aufguss, welches beinahe beeindruckend an dem Versuch scheitert, an die Größe vergangener Tage anzuschließen. Sofia, nach Jahren des Mittelmaß schuldest du uns mal wieder einen richtigen Höhepunkt!
  • Wertungen
  • Story
    2,5
    Musik:
    3,0
    Unterhaltung:
    3,5
    Anspruch:
    5,0
    Spannung:
    2,5
    Darsteller:
    3,5
    Gesamt:
    3,0
    Verfasst von:
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