The American

  • Informationen zum Film
  • The American

  • Originaltitel:
    The American
    Genre:
    Krimi, Drama
    Produktionsland:
    USA
    Produktionsjahr:
    2010
    Kinostart Österreich:
    17.09.2010
    Kinostart Deutschland:
    16.09.2010
    Kinostart USA:
    01.09.2010
    Verleiher Österreich:
    Tobis Film
    Verleiher Deutschland:
    Tobis Film
  • Inhalt
  • Absolute Stille ruht über der Eiswüste Skandinaviens. Nicht einmal das Blätterrauschen ist zu vernehmen. In all jener Einsamkeit ruht ein kleines Häuschen, bewohnt von einem Liebespaar. Schmusend, kuschelnd, sich hingebend. Es ist ein Paradies, das niemals zu enden scheint. Als das Pärchen spazieren geht, stolpert der männliche Part über frische Spuren im Schnee. Schüsse fallen. Blitzschnell zückt der Liebhaber seine versteckte Waffe. Brachial tötet er die Angreifer. Hysterisch verzweifelt seine Geliebte. Er empfiehlt ihr, die Polizei zu alarmieren, um, nur als sie ihm den Rücken zu dreht, ein Schuss abzugeben - und alles ist vorbei. Angekommen in Rom nimmt Jack wieder Kontakt zu alten Bekannten auf. Er muss erfahren, warum sein Versteck gefunden wurde. Pavel, ein einstiger Auftraggeber, empfiehlt den Exilanten in ein kleines abgelegenes Dorf unter zu tauchen. Doch Jack müsse für die Hilfe nun erneut aktiv werden: Er soll sein Fähigkeiten nutzen, um ein leichtes Scharfschützengewehr zu konstruieren. Das soll, so oder so, seine letzte Arbeit werden …
  • Filmkritik
  • Nachdem er die Musiklegende Ian Curtis in sein schicksalhaftes Verderben folgte, stößt Regisseur Anton Corbijn nun auch George Clooney in die Grube der Verdammten. Vom psychischen Schmerz zu fataler Physis. The American.

    "When you look at your life, in a strange new room, maybe drowning soon, is this the start of it all?" - Control


    Gegen die Beengung der heimischen Wände hilft nur eines: Die Flucht in eine andere Umgebung. In eine Landschaft, in welcher man sich in der Weite verlieren, in der Masse untergehen und in seiner Einzigartigkeit aufblühen kann. Eines der schönsten Klischees des Gangsterfilms scheint die Flucht zu sein. Selbst der Mythos der weiten Prärie ist ein Ausdruck des ewigen Fliehen. In der Unbekanntheit der Felsformationen entdeckt man die Schluchten einer fremden Metropole, in den Autos schlummern die mechanisierten Geister widerspenstiger Pferdestärken und die Colts, ja die Colts bleiben das, was sie schon immer waren. Die Legende Amerikas liegt nicht nur in dem Akt des eigenen Verschwindens, jene ist der tiefste Ausdruck ihrer Existenz. Das kinematografische Amerika ist die perfekte Ausformung des Road Movies. Egal ob nun Boonie and Clyde, Easy Rider oder auch Natural Born Killers – in jedem dieser Fluchtmotive birgt sich die fundamentale Konstruktion eines niemals dargewesenen Amerikas. Dass aber nicht nur deviante (Film-)Verbrecher den Ruf der Freiheit eines entfernten Paradies zu hören scheinen, erkennt man schnell an der Gestalt des Filmemachers Anton Corbijn, der sich mit seinem zweiten Spielfilm, The American, auf das tiefste Element seiner nie gewesenen Heimat stützt. Corbijn ist, wie das Dispositiv seines Namens erläutert, nicht amerikanischer Wurzeln. Nicht einmal die fiktive Möglichkeit eines zig-fachen US-Verwandtschaftsgrad bleibt dem niederländischen Regisseur. Seine Filme schreien nach Alteuropa, und lechzen zugleich nach Neu-Amerika. In der Tristesse seines Motivenschatzes glüht der Funke des Fluchtakts. Nicht nur seine nieder geschlagenen Protagonisten hegen die Hoffnung auf eine andere Welt, sondern Corbijn selber flieht vor dem einen Schauplatz, um die Rekapitulation einer schon erzählten Geschichte im neuen Gewand zu hüllen. Sein jüngster Zielort das verträumte Nest Castelvecchio in einem irrealen Italien. Erneut handelt es sich um die Geschichte eines Mannes, der seinem Schicksal nicht entkommen kann – und dies egal wohin er flieht. War es zuletzt das klaustrophobe Gefühl der suburbanen Beklemmung eines Macclesfield, muss dieses Mal der Amerikaner in jener paradiesischen Kleinstadt seinem Niedergang entgegentreten. Beide Werke bieten das Moment der Beengung, beide Protagonisten sind von ihrem Schicksal gepeinigte Seelen.

    Brugges is so last year. It's Castelvecchio-Time!


    Und trotz der (inhaltlichen) Verwandtschaft zwischen beiden Filmen von Anton Corbijn fühlen sie sich an wie Tag und Nacht. Beide handeln über Männer, die versuchen aus einem Gefängnis der Vergangenheit auszubrechen. Da Control sich als ein Musik(er)porträt versteht, deutet die Verschiebung in der musikalischen Präsenz der Werke die Schluchten der Filme an. Während Joy Divisions Lieder, in all ihrer Tristesse, von der Leidenschaft einer verzweifelten Seele durchflutet werden (welche wiederum in der Performance von Sam Riley nachhallt), hüllt der (perfid ausgeklügelte) Score von Herbert Grönemeyer The American in einen Schauer des Unbehagens. Ian Curtis bricht aus, komme, was wolle. Der Amerikaner verendet in seinem eigenen Selbst. Clooney zeigt uns als Auftragskiller und Waffenschmied den Zuschauern die wortwörtliche kalte Schulte. In einem vollkommenen Underacting – selbst eine hochgezogene Augenbraue erfreut den Zuschauer als emotionale Ekstase – formt sich der amerikanische Schauspieler selber als den ruhigen Looner. Er ist der undurchdringbare Fremde des mythologischen Western, der in das Heimliche eindringt. Er sucht nicht die Gefahr, sie findet ihn. Und auf dieser Flucht, die in der Weite der skandinavischen Eiswüste beginnt und in der archetektonischen Enge von Castelvecchio endet, hat der Amerikaner keine Begleiter – nicht einmal den Zuschauer. Die vollkommene Emotionslosigkeit des Protagonisten macht es dem Publikum wahrlich nicht leicht. Der leere Gesichtsausdruck lässt den Zuschauer wiederum in eine unendliche Leere fallen, aus der es nur schwerlich ein Entkommen gibt. Clooney, der sicherlich – trotz gutem Schauspiel seitens der Nebendarsteller – zu der treibenden Kraft des Ensembles erklärt wird, zeigt seinem Publikum eine eiskalte Schulter. Corbijn rückt immer wieder mit seiner alles durchdringenden Kamera dem Schauspieler näher, um die Distanz eines nicht erfahrbaren Schauspiels entgegen zu bekommen. Sein Rücken scheint der größte Ausdruck in der ersten Hälfte des Films zu sein. Wie ein schwarzes Loch, welches die Gesamtheit des Films zu verschlucken droht.

    "You cannot deny the existence of hell. You live in it. It is a place without love." - The American


    Die Leere des Blickes und das schwarze Vakuum seiner Aura – vielleicht ist das die beste Beschreibung jener, man muss eingestehen, außergewöhnlichen Performance. Padre Benedetto emphasiert dem Protagonisten gegenüber, dass ein Leben ohne Gefühle, ohne Liebe die Hölle wäre. Somit ist die alles entscheidende Schlussfrage der Kritik: Ist The American ein Film ohne Gefühle, ergo die Hölle des Zuschauers? Nein. The American zeichnet sich als eine merkwürdige Charakterstudie von einem Mann aus, der seine eigene Emotionalität vermisst. In einem minimalistischen Spiel von George Clooney unterpräsentiert er nicht nur den emotionalen Zustand seiner Figur, er negiert sie scheinbar komplett. Bis auf wenige Ausnahmen. Hier ruht die Quintessenz von The American: Anton Corbijn stülpt über seine zweite Spielfilmarbeit die Kälte der Beengung – aber nicht das vollkommene Zerstören einer möglichen Wärme. Vielmehr nutzt der Regisseur die Gefühlslosigkeit aus, um die wenigen Momente der Lebensfreude, sexuellen Anspannung und Liebe zu orgasmischen Explosionen in dem Narrationsgefüge zu erklären. Ein weißer Farbfleck wirkt gegen ein Universum aus tiefsten Schwärze wie eine alles erhellende Sonne, die niemals erlischt. Das Werk ist keineswegs ein Film über einen Mann, der nichts fühlt – sondern über eine gebrochenen Seele, die seit Jahrzehnten in dem Vorhof der Hölle festsitzt. Er kann menschliche Beziehungen nicht widerstehen, jedoch ebenso wenig erlangen. In einer unmöglichen Pattsituation stecken geblieben, zerfrisst die Tristesse das Wohlsein des Protagonisten. Alles, was Clooney nicht spielen darf. Alles, was er nicht sagen darf. All das Negierte wird von Corbijn in einer packenden Visualität eingefangen, welche Grönemeyer mit durchdringenden Tönen zersetzt. Die Architektur der Kleinstadt wandelt sich in seinem künstlichen Licht in die nach außen verlagerte Psyche. Surreale Blicke, welche über die Stadt gleiten, zeigen die unmögliche Zustände der Trauer und der Furcht. Corbijn lockt den Zuschauer in eine Welt, in der jeder noch so kleine Hoffnungsschimmer einem ekstatischen Orkan einer psychischen Verfassung gleichkommt.

    Fazit
    Regisseur Anton Corbijn nutzt seinen Ruhm von Control, um sich erneut in dem Motivkatalog der Beklemmung mit der Romanvorlage von Martin Booth außereinanderzusetzen. Jedoch, damit er der Schublade des ewigen Aufgusses entgeht, bricht Corbijn aus seinem eigenen Trott des Gleichen aus. Die feurige Leidenschaft von Ian Curtis verdrängt: Das analytische Kamerauge dringt nun, an der Stelle des kraftvollen Ausdrucks, tief in die Psyche eines Menschen vor, der seine Gefühle obsolet erklärte. Mit bestechenden, surreal anmutenden Bildern, einen packenden Score und einer vollkommen dem Minimalismus verschriebene, beinahe tot scheinende Performance von George Clooney erforscht Anton Corbijn in seinem zweiten Spielfilm, The American, das Wrack einer menschlichen Seele. Suggestiv, surreal und höchst subjektiv.
  • Wertungen
  • Story
    4,0
    Musik:
    3,5
    Unterhaltung:
    3,0
    Anspruch:
    3,5
    Spannung:
    3,0
    Darsteller:
    4,0
    Gesamt:
    3,5
    Verfasst von:
    Sebastian Klausner
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geschrieben am 25.07.2011 um 13:54

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ø Wertung: 5,7/10 | Wertungen: 6 | Kritiken: 1

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