Derek Thompsons kann zweierlei Dinge gut: 1. Er ist ein zweitklassiger Eishockeyspieler, der die Zähne seiner Gegner wortwörtlich zum Klappern bringt. 2. Er ist ein Traumzerstörer. Zwei Eigenschaften, die den Zahnfeenrat überhaupt nicht gefallen. Und als Derek noch beinahe seiner vierjährigen Stieftochter sagt, dass es keine Zahnfee gäbe, bringt der Muskelprotz das Fass zum überlaufen! Nun müsse man eine geeignete Strafe für sein antiträumerisches Handeln finden – und die hat man, wie das Schwergewicht schnell merken muss. Im rosaroten Tutu betritt er eine wolkige Welt voller beflügelter Zaubergestalten. Aufgrund des Verbrechens der Traumvernichtung – und seiner blasphemischen Selbstkrönung als Tooth Fairy – wird Derek zu einer zweiwöchigen Strafe als Zahnfee verdammt. Ein Beruf, bei dem er schnell lernen muss, dass dieser gar nicht so harmlos ist, wie er scheint …
Nach seinem scheinbar unerhört humorvollen Ausflug in das Familien-Genre mit The Game Plan schien es Ex-Profi-Wrestler Dwayne "The Rock" Johnson wohl erneut an der Zeit, die harten Männer hinter sich zu lassen, um wortwörtlich ins rosarote Tutu zu schlüpfen.
Viele Schauspieler beweisen in ihrer Wandelfähigkeit immer wieder beachtliche und überraschende Triumphe der Zunft. Ihre Gesten sind subtile Ausdrücke göttlicher Musen, die den Erdbewohner ins Traumreich der Sinne verführen. Das Spiel wandelt sich zu Revolutionen, welche noch Jahrhunderte später alles Dagewesene zu überschatten weiß. Tja – nun wissen wir: The Rock ist keiner von ihnen. In Hollywood scheint ja fast schon gute Sitte zu sein, dass man, als Actionikone, irgendwann sein hartes Image auf den Nagel zu hängen, um eben dieses zu persiflieren. Die steirische Eiche hat eigentlich ein ganzes Jahrzehnt dem kinderfreundlichen Treiben gewidmet. Asienbegeisterte wissen in Jackie Chan das freundliche Gesicht der Kampfsportfamilienunterhaltung zu finden – was er momentan mit dem Remake von Karate Kid erneut unter Beweis stellt. Und selbst körperlich maniristische Stallone hat auf seine alten Tage das eine oder andere Kinderherz erobert. Scheinbar schienen sich die Produzenten der Disney-Corp. zu wundern, warum sie nicht einfach „Den Felsen“ in der Kindersparte erneut für sich ins Rennen schicken. Das Einspielergebnis des Vaters ohne Plan waren relativ gut. Doch, wie könne man die irrwitzige Blamage des Alpha-Männchen noch in das Unermessliche steigern? Die Tooth Fairy tritt auf dem Plan. Eigentlich eine relativ nette Idee: Für die Ermordung des lieblichen Kinderglaubens wird jener Verbrecher mit Sozialdienst bestraft. Und alles unter Aufsicht von Julie Andrews – ein herrlich selbstironischer Kommentar. Denn die eigentliche Traumfabrik ist und bleibt jene industrialisierte Stätte einer großohrigen Maus. Ein ironischer Seitenhiebe, den Shrek 2 in wesentlich bissigeren Form dem Zuschauer servierte. Der Grund für diese zahnlosen Satireansatz: Es sollte eigentlich keine sein. Denn Tootht Fairy ist in erster Linie eines: Ein Familienfilm mit all der altbackenen Disneymoral, an die sich jeder Antikonservative die Zähne nur ausbeißen kann. Und wer sich dem widersetzt, bekommt einen unangenehmen Besuch der Zahnfee der Moderne – inkl. Hockey-schläger und Schmerzen.
Say Cheese!
Und man muss erneut darauf pochen: Zahnfee auf Bewährung, wie der Film in der deutschen Fassung publiziert wird, ist in erster Linie ein Familienfilm mit altbackener Disneymoral. Somit: Er will gar nicht mehr sein. Und in dieser Hinsicht müssen wir uns doch irgendwie eingestehen: Er macht seine Sache gar nicht mal so schlecht. Der Film wird sicherlich kein All-Time-Favorit, der von Generation zu Generation weitergegeben und gehuldigt wird. Die neueste Disneyproduktion ist ein 0815, aber in dieser Rubrik ein recht guter ! Auch wenn man ihn noch so gerne sein mittelmäßiges Können ankreiden möchte, eines kann der stets gleich blickende Fels in der Brandung: Sich selber persiflieren. Schon in seinen Rollen aus Be Cool oder Southland Tales liefert der ehemalige Profiwrestler herrlich stumpfsinnige Darbietungen, die allesamt sein Image des harten Knaben ironisieren. Gerade die Jungen unter uns – und auch die Jung-Gebliebenen – können sich über die Verweiblichung des harten Mannes recht gut amüsieren. Dwayne Johnson muss in Zahnfee auf Bewährung alles machen, um den weichen Kern seiner harten Schale zu präsentieren – und dies bedeutet eben auch, dass er den halben Film in Strumpfhosen stolzieren muss. Die Übermenge an Kitsch und Moral, welche in Strömen von der Leinwand gießen, sind zwar keineswegs entschuldigbar, aber wer sich freiwillig in eine Diseny-Produktion sitzt, wird dies sowieso erwaren. Und in dieser Hinsicht betrachtet ist Tooth Fairy gerade dank der Blamage vom schauspielerischen und mimischen Felsen ein relativ gutes, auch wenn schnell wieder vergessenes Werk jenes Genre. Denn The Rock spielt zwar äußerst miserabel, aber das eben gekonnt!
Fazit:
Ach – aberhunderte bitterböse Schlusspointen könnte man hier einfügen. Etwa „Nur mit Bedacht zu genießen, da Zahnschmerzen verursachend.“ „Da wäre mir der Weg zum Zahnarzt lieber, als der Besuch der Tooth Fairy.“ Etc. etc. Doch um ehrlich zu sein: Zahnfee auf Bewährung ist eigentlich gar nicht so übel. Ein wenig altbacken vielleicht, kitschig natürlich, doch auch amüsant. Wer will denn nicht gerne den knallharten The Rock sehen wir sich als liebliche Zahnfee herrlich subversive Methoden der „Zahneintreibung“ einfallen lässt. Vielleicht mag Tooth Fairy dem Zuschauer nur ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubern – aber sicherlich eines mit strahlenden Zähnen!
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