Seit acht Monaten wird der Alltag des Literaturprofessors George Falconer ( Colin Firth ) von Traurigkeit begleitet. Damals wurde durch ein einziges Telefonat seine Welt auf den Kopf gestellt. Es wurde ihm mitgeteilt, dass sein Lebensgefährte Jim ( Matthew Goode ), mit dem er 16 Jahre glücklich zusammenlebte, auf tragische Weise ums Leben kam. Seitdem träumt George vom Schnee. Vom jenen weißen Nass, dass für den Autounfall seines Geliebten verantwortlich zeichnet. Auf die Trauerfeier durfte er nicht, da Jims Familie die Homosexualität nicht anerkennt. Nun, acht Monate später, will George die Suche nach der Sinn seines zukünftiges Daseins beenden. Er steckt den Revolver ein und besorgt passende Munition. Nur den richtigen Moment hat der lebensmüde Intellektuelle noch nicht gefunden. In diesem Augenblick, genau in jener Phase in der er die Entscheidung getroffen hatte, tritt der Student Kenny ( Nicholas Hoult ) in sein Leben. Kenny scheint so eine Art Seelenverwandter zu sein. Auf jeden Fall einer, der die abgegoltenen Selbsterhaltungstriebe wieder erwecken könnte. George beginnt sich ganz allmählich wieder zu öffnen, und einen Sinn für eine Fortführung seines Weges zu finden…
Zweimal binnen 20 Jahren musste Regisseur Tom Ford dem von Christopher Isherwoods geschriebenen Roman “ DER EINZELGÄNGER “ lesen, bis er auf die Idee kam, den Stoff auf die Kinoleinwand zu bringen. Tom, für den A SINGLE MAN seine erste Regiearbeit war, ist die Erzählung über das Zurechtkommen mit der Einsamkeit der primäre Grund für die Realisierung. Im echten Leben ist / war Tom Ford bislang ein gefragter Modedesigner. James Bond trägt, nur als Beispiel, im EIN QUANTUM TROST seine angefertigten Anzüge. Es war ein langer Reifeprozess bis Tom den Schritt vom Modeschöpfer zum Filmemacher vollzog. Zum einen war er schon immer ein absoluter Filmfan, indem die Figuren und deren Geschichten im Vordergrund standen. Zudem besitzt Tom aus seiner Branche ein künstlerisches Auge, jenes sich eins zu eins auf dem Film übertragen lässt. Nach einem zweijährigen Prozess indem sich der Filmemacher am Drehbuch versuchte, kam er zum Schluss, dass dieses Skript nicht wirklich seiner Vorstellung entsprach. So kaufte er kurzerhand die Rechte an dem Roman, aber auch ein bereits von Davis Scearce fertiges Filmdrehbuch. Allerdings gefiel Tom auch dieses nicht zu 100 %, sodass er erneut zur Feder griff. Das Ergebnis des Letzteren erfüllte endlich die Erwartungen, und so konnte mit der Realisierung von A SINGLE MAN begonnen werden.
A SINGLE MAN erzählt weniger eine konventionelle Geschichte, vielmehr beschreibt dieser Film den Seelenzustand eines verzweifelten Menschen. Dieser ist auf der scheinbar ausweglosen Suche nach dem verloren gegangenen Sinn. Niemand kann an diesen Zustand etwas ändern. Sogar die langjährige Freundin ( Juliette Moore ) versucht ihr bestes vergeblich, so sehr sie sich auch bemüht. Der Charakter George Falconer lässt, wahrscheinlich wie viele in der realen Welt auch, nichts an sich heran. Vielmehr gleitet seine Welt in eine Trostlosigkeit, er erliegt seinem gebrochenen Herzen.
Regisseur Tom Ford hat für die Inszenierung nicht gerade den leichtesten Weg gewählt. Dabei wäre für einen Neuling. die literarische Vorlage eins zu eins abzuarbeiten, die einfachere Variante . Aber nicht mit dem Modedesigner. Der versucht allein mit der Mimik des Protagonisten zu arbeiten, und so sein Inneres für jedermann sichtbar nach Außen zu kehren. Mit diesem Konzept gelingt es Tom die Tiefen eines Menschen auf eine Art zu zeigen, die es selten im Kino zu sehen gibt.
Um dieses Vorhaben nach eigenen Vorgaben auch umzusetzen, bedarf es einen Darsteller, der eine besondere Fähigkeit besitzen muss. Er darf seiner Rolle auf keinen Fall mit Temperament begegnen, vielmehr muss mit langsamen und kleinen Bewegungen beziehungsweise Gesten gearbeitet werden. Nach langen Castings, immerhin musste die richtige Person die nötige Sensibilität besitzen, kam dem Regisseur der Schauspieler Colin Firth in den Sinn. Doch dieser war gerade mit einer anderen Produktion beschäftigt. Erst als sich die Drehtermine zu A SINGLE MAN änderten, kam die Zusammenarbeit mit dem knapp 50 jährigen Engländer zustande. Colin war sich seiner Verantwortung bewusst dass mit seiner Performance der Film steht oder fällt. Und seiner Leistung ist es zu verdanken, dass A SINGLE MAN absolut zu den eindringlichsten Filme der vergangenen Saison gezählt werden muss. Colins Präsenz ist auch ohne große Gesten enorm. Glaubwürdig verkörpert er den homosexuellen Literaturprofessor und Ehepartner eines Gleichgeschlechtlichen. Vor allem in der ersten Stunde dieser Produktion, in dem sein Leid ganz deutlich spürbar ist, besitzt er enorme Stärken. Nicht ohne Grund wurde Colins Leistung für den Oscar als bester Hauptdarsteller 2010 nominiert.
Das Regisseur Tom Ford auch ein extravaganter Filmemacher ist, beweist die Tatsache, dass seine Filmsprache außergewöhnlich ist. Viele gut gewählte Zeitlupenaufnahmen, gepaart mit einer ruhigen Kamera, die des Öfteren gerne sehr nah ans Gesicht der Protagonisten fährt, bestätigen diesen Eindruck. Tom legt all seine Kraft in langsame Momente, und verstärkt diese mit einer eingehenden Orchestralmusik. “ In der Stille liegt die Kraft “ könnte als primärer Grundsatz über dem Gesamten hängen. Tom Fords einprägende Bildsprache, und die unumstößlich gute Schnitttechnik, gehen mit Colin Firths Höchstleistung konform. Leider hält dieses Gefühl, einen großartigen Film zu sehen, nur für gut eine Stunde an. Das Problem liegt in der Geschichte selbst. Denn ab dem Zeitpunkt, als sich der Protagonist zu öffnen beginnt, und damit der Film etwas an Fahrt gewinnt, verliert er an Substanz. Das außergewöhnliche, das in den ersten 60 Minuten gegeben war, geht mit dem aufgenommenen Tempo verloren. In den letzten 30 Minuten ebbt eben wegen diesem Umstand A SINGLE MAN etwas ab. Dies macht aus dem 2009 entstandenen Werk noch keinen schlechten Film, mindert aber den Gesamteindruck.
Fazit:
A SINGLE MAN lebt von der Performance eines großartigen Colin Firth, sowie von der exquisiten Bildsprache eines Tom Fords. Das Regiedebüt darf als uneingeschränkt gelungen bezeichnet werden, wenngleich die kleinen Schwächen im Drehbuch das letzte Drittel des Films, und somit den Gesamteindruck etwas abschwächt.
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