Als eine kleine Stadtinsel, welche sich auf dem Globus hinter dem großen „A“ von „Atlas“ verbirgt, eine finanzielle Krise trifft, wird die einstige Erfolgsgeschichte zur Katastrophe. Denn dort, von wo einst die köstlichen Sardinen in die ganze Welt exportiert wurden, muss nun jeder Stadtbewohner jene Köstlichkeit zum Grundnahrungsmittel erklären, als die anderen Länder dem Fisch abgeschworen hatten. Des Einen Leid, des Anderen Freud: Denn Erfinder Flint Lockwood erklärt die Krise zu seiner persönlichen Glanzstunde. Nach dutzenden Misserfolgen, die ihn zum Versager der Stadt erklärt haben, soll nun sein neuestes Meisterwerk die Krise bewältigen: Eine Maschine, die Wasser in Essen verwandelt. Doch als jene Apparatur beim Testversuch in den Himmel geschossen wird, hätte niemand mit dem Ergebnis gerechnet: Plötzlich gibt es meterologische Köstlichkeiten …
Unsere kleine Welt musste schon viel ertragen. Von der Verfinsterung der Sonne bis hin zu dem Explodieren von Supervulkanen. Von dem Angriff riesiger Meteroiten bis hin zum Erstarren des Erdkerns. Doch dies war alles nur Vorgeschmack auf ein saftiges Hauptgericht. Denn nun wird der ganze Planet zu einem riesigen Kriegsschauplatz. Eine gigantische Essensschlacht.
A Movie by a lot of people
Nachdem schon so gut wie jede amerikanische – und ebenso einige europäische – Major-Produktionsstätten sich dem großen neuen Blockbustergenre angenommen hat, wurde es auch Zeit für Sony Pictures Animation einen eigenen Erfolg auf die Leinwand zu bringen. Zwar hat das Studio mit Surf's Up und Open Season schon mäßige Leistungen abgeliefert, doch nun müsse DER Blockbuster kommen. Die einzige Problematik: Was tun? Von Spielzeugen über Roboter bis hin zu Fabelwesen – beinahe jede Idee wurde in dem Computeranimationsfilm-Genre schon ausgepresst. Von den kleinsten Lebensräumen der Insektoiden bis hin zu mehrere Stockwerke große Schlachtfelder der Titanen. Das einzige, was scheinbar noch nicht versucht wurde, ist wohl das Wetter. Und da fragten sich die Produzenten: Warum also nicht das Wetter? In der Suche nach einer originellen Idee kam Sony Pictures Animation die beiden eigensinnigen Fernsehmacher Phil Lord und Chris Miller und ihr Vorhaben über das berüchtigte und schrullige Kinderbuch von Judi und Ron Barrett gerade gelegen. Zusammen mit Scrubs-Schöpfer Bill Lawrence feierten die beiden Autoren und Regisseure mit der burleske High-School-Cartoon-Serie Clone High über das neue Leben Prominenter der Weltgeschichte ihren ersten satirischen Erfolg. Mitverantwortlich für die FOX-Hit-Serie How I Met Your Mother festigen die beiden Kreativlinge ihren Ruf. Und mit ihrer ersten gemeinsamen Filmproduktion beweisen sie endgültig, dass sie mehr als nur Fernsehen machen können! Die bildgewaltige Adaption des gleichnamigen Kinderbuchs Cloudy with a Chance of Meatballs kracht einem Spaghettitornado gleich in den Kehlkopf des Endverbrauchers. Auf höchsten Animationsniveau, welches leichtest mit seinen Mitstreitern von Dreamworks und Pixar mithalten kann, erstrahlen die überaus grotesken Einfälle auf der Leinwand. Der Animationshit ist beinahe wie ein verrückter Tagtraum von JD aus Scrubs, welcher sich (in einem dramaturgisch einwandfreien Aufbau) über eineinhalb Stunden zieht. Einfallsreich, köstlich und liebevoll. Ein schmackhafter Blockbuster, bei dem der Zuschauer nach mehr lechzt.
Come on, Steve. We've got a diem to carpe!
Wenn metroitenartige Fleischbällchen die Metropolen in Asche und Feuer setzen und vegetarische Riesenwellen, die Menschen auf einsame Inseln verbannen, bricht die Katastrophe in den Kinosaal ein – bzw. eher: bricht die Katastrophe in das Katastrophengenre ein. Eigentlich absolut offensichtlich, trotzdem noch nicht im Animationsgenre da gewesen. Die beiden Regisseure machen nämlich aus dem amüsanten und liebevollen Kinderbuchklassiker eine köstlich überdrehte Satire auf Emmerich & Co. So muss ich in dieser Kritik noch das fulminante Finale nicht nur ansprechen, sondern im höchsten Grade loben. In dieser Sequenz beweisen die beiden Filmemacher, dass sie mehr als nur Fernsehen können. Viele der vorangegangene Sequenzen sind zwar höchst amüsant, aber nicht unbedingt in kinematographischer Brilanz eingefangen. Hingegen in der letzten halbe Stunde beginnt der "perfekte Spaghetti-Sturm". Cloudy with a Chance of Meatballs ist in diesem letzten Drittel exzellent inszeniert worden, welches sich den Manierismus des Katrastophengenres auf dem Leib geschrieben hat. Plötzlich legt der Film seine brave Hülle des Cartoons ab und stülpt sich die Ästhetik des SFX-Zerstörer über. Just wandelt sich das gemeinte Fernsehformat zu einem gefühlten Cinematoskop. Jeglicher Nonsens, der ums Essen präsentiert werden kann, wird geschickt aufgegriffen und einer beinahe abenteuerlichen Kameraführung eingefangen. Die virtuelle Kamera zischt förmlich über den Essenshaufen. Alles kracht und explodiert. Das Adrenalin des Zuschauers wird in die Höhe getrieben – ohne auch nur eine Minute des abstrusen Lachfeuerwerks abzulegen. Denn dort, wo die Pizzaschnitten zu brutale zielsuchende Raketen und gebackene Hühner zu der größten Gefahr werden, bleibt weder Auge noch Stirn trocken.
Fazit:
Sony Pictures Animation hat es nun endgültig geschafft. Hinkte die Produktionsstätte lange Zeit weit hinter der (heiligen) Animationsfilmtrinität hinterher, überholt das Team um Phil Lord und Chris Miller mit ihrem Animationsdebüt wenigstens zwei der Großen. Denn Cloudy with a Chance of Meatballs ist schnell, frisch, humorvoll und einfach nur köstlich. Ein Gagspektakel, welches nicht nur den (von Fleischbällchen) verregneten Nachmittag erhellen wird!
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