Ein gewöhnlicher Knabe mit einem gewöhnlichen Leben. Des Jünglings Alltag ist die pure Langeweile des American Dreams, in dem das Extravagante in dem Nichts der Langeweile verschwindet. Die einzige Aufregung, welche Darren, jenem Burschen, zu bleiben scheint, ist sein bester Freund, der überdrehte Steve. Ein Spinnenliebhaber und sein Vampir verrückter Kumpane meistern mit kleinen Streichen die vorstädtliche Einöde. Doch erst eine Nacht sollte ihr ganzes Leben auf dem Kopf stellen. Denn wenn der Mond blutrot scheint, klopft das Schicksal an der düsteren Tür. Als die beiden Gefährten dieses Tor zu dem sagenumwobenen Mitternachtszirkus aufstoßen, offenbart jener Ort der Verrücktheiten Groteskes. Die bärtige Frau, den Schlangenjungen, das Affenmädchen – und auch den Vampir. Ein Treffen zwischen den dreien, welches keiner dieser jemals vergessen vermag …
Eine epische Reise hat das Brüderpaar hinter sich, um nun endlich in ihrem Genre angekommen zu sein. Die Gebrüder Weitz haben mit American Pie die Teeniekomödie der letzten Dekade kreiert, konnten jedoch seit damals nicht mehr an ihrem Erfolg anschließen. Doch sein kleiner Bruder hat es vor gemacht und nun zieht Paul Weitz nach. Der Regisseur lädt in den Cirque du Freak ein.
Man mag den amerikanischen Apfelkuchen mögen oder nicht, doch eines steht fest. Mit American Pie gelang dem noch unerfahrenen Brüderpaar eine Art Revolution in filmgeschichtlicher Manier. Wir haben es nicht mit einem zweiten Panzerkreuzer Potemkin zu tun, welcher die Art des Sehens hinterfragt. Noch finden wir uns in einem neuen Yume, der das Erzählen in neue Richtungen zu lenken vermochte. Dennoch es bleibt auf seine Weise ein Film, der das Erinnern evoziert – oder vielleicht besser: provoziert. Der erste part der nun schon etliche Teile umfassenden American Pie-Reihe war einer der größten Erfolge seines Jahres. Ein wahres Erfolgskonzept, das ein neues 0815 etabliert. Und in dieser Hinsicht ist die Klamotte nun mal ein „Meilenstein“, der die hierauf folgende Dekade zu prägen wusste. Doch die eiskalten Winde etlicher Jahreszeiten sind über diesem Triumph gezogen und die Weitz-Brothers sind eigentlich nicht weiter gekommen. In dieser Zeit schien der schöne Schein des Erfolges endgültig von ihrem Haupt gewischt. Es stünden nun die Weitz-Gebrüder vor einem, als jene unfähigen Regisseure, denen einfach nur ein einziger Glücksgriff gelungen sei. Doch dem Genrewechsel liege die Hoffnung inne, alles zu verändern. So können Filmhits wie Der goldene Kompass, New Moon oder eben nun Cirque du Freak: The Vampire's Assistant Zeugschaft ablegen: Sie SIND unfähige Regisseure, denen einfach nur ein einziger Glücksgriff gelungen ist. Auch wenn dies an dieser Stelle hart klinge, doch das erste Fantasy-Epos von Paul Weitz ist derartig unliebsam narrativ aufbearbeitet worden, dass selbst Uwe Boll darauf stolz wäre. Der Kopfschmerz wandert unsanft durch die Nervenbahnen, wenn sich die beinahe allesamt inkompetenten Darsteller – allen voran „Teenie-Bösewicht“ Josh Hutcherson - irgendwie durch den Film quetschen. Nur das Ziel vor Augen rennen, ja fliehen beinahe die Gesten und Mimiken durch die Kameralinse. Selbst hochkarätige und sympathische Darsteller wie John C. Reilly oder Salma Hayek werden in den Aufnahmen von Paul Weitz zu einer puren Langeweile verdammt. Allein der stets willkommene Willem Dafoe in einer extravaganten Vincent-Pryce-Kopie kann sich zum Höhepunkt des Films spielen – und ihn sieht man höchstens fünf Minuten!
Jetzt wird der Film erneut um 180 Grad gedreht, um auch die positive Seite der Medaille zu betrachten – oder sagen wir lieber „die andere Seite“. Denn dieses Alternativ kann sich zumindest teilweise sehen lassen. Es ist hier, wo das Objektiv in die Kritik schleicht, um im Mitternachtszirkus noch einen Hauch von subtilen Ideen zu erhaschen. Denn trotz all den negativen Einwänden, kann der Film in manchen Momenten doch etwas wie Unterhaltung bieten. Woran dieses Wenige, beinahe Nichtige, liege, kann nur selten genau erahnt werden. Es sind etwa die visuell relativ guten Effekte, welche die mittelmäßige Optik des Filmemachers aufzuwerten weiß. Auch wenn selbst diese SFX nicht dem heutigen Standard entsprechen, bieten sie dennoch reichlich viel Groteskes zum Schmunzeln und Staunen. Sie und all die anderen Künstler, die ihr Bestes geben, sind eben jene, die der sündigen Versuchung des Regisseurs nicht nachgeben. Es ist die Resistance gegen den Kapitalismus in künstlerischen Belangen. Doch auch dies scheint leider das Übel nur im geringsten Maße zu lindern. Und so bleibt für den Schluss nur, dass der Anfang eindeutig zu dem großartigen Herzstück des Weitz'schen Abenteuers wird. Einerseits bietet das skurril gestaltete und origienelle Animationsopening die schönste Unterhaltung. Bezaubernd umgarnt der Titelanimateur die Reize der Augen mit lieblicher Burtonesker Schwarz / Weiß-Optik. Andererseits weiß der Zuschauer an dieser Stelle noch nicht, wie der Film werden würde.
Fazit:
Einige größere Namen des Schauspielhimmels, nette SFX und eine mittelmäßige Prämisse – doch all die guten Voraussetzungen werden von der Regie schnellstens auf sein Niveau hinunter gezogen. Paul Weitz hat mit Mitternachtszirkus: Willkommen in der Welt der Vampire, seinem ersten Fantasyfilm, leider ein höchst mittelmäßiges Werk seiner Zuschauerschaft dargebracht. So kann man nur zusammenfassend sagen: Ed Wood would have done this movie.
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