Jeder der sich auch nur im Geringsten mit dem aktuellen Filmgeschehen beschäftigt weiß um die oft kritisch bezeichnete "Ideenlosigkeit" Hollywoods - richtig, damit sollen die zahlreichen Neuverfilmungen angedeutet werden die in den letzten Jahren entstanden sind. Dabei kamen die unterschiedlichsten Werke zustande. In allen Genres (ganz besonders aber im Horror) wurden diverse Klassiker neu interpretiert und mit einer breiten Budgetspanne umgesetzt. Von Kosten unter $10 Mio. wie etwa bei Texas Chainsaw Massacre bishin zum Blockbusterniveau in dem sich neben Peter Jackson's King Kong auch Steven Spielberg's KRIEG DER WELTEN bewegt. Peter Jackson, Steven Spielberg... es wird also deutlich, dass man nicht nur versucht hat schwarze Zahlen zu schreiben sondern auch, dass man darin investiert hat. Ob sich das bezahlt gemacht hat? Ich denke ja!
Der Film ist zwar eigentlich ein Remake des 50er Jahre Streifens Kampf der Welten, doch auch dieser beruht bereits auf einer Vorlage die weit älter ist. 1901 schuf der Autor H.G. Wells ein Werk das - wie man sieht - auch 100 Jahre später noch richtungsweisende Literatur des Science Fiction darstellt. Das Original, also die erste Interpretation dieser Geschichte, habe ich nicht gesehen, sodass ich hier auch keine Vergleiche ziehen kann. Fakt ist aber, dass Steven Spielberg's Idee stark bemängelt und meiner Meinung nach zu unrecht kritisiert wurde und wird. Ich weiß nicht was man davon erwarten konnte wenn an die Fassung von 1953 gesehen hat, doch meine Erwartungen wurden auf jeden Fall erfüllt.
Spielberg gelang eine wirklich düstere Atmosphäre die zu keinem Moment gekünstelt wirkt, sondern immer authentisch - er lässt den Zuseher glauben, dass man sich in den Geschehnissen wirklich wiederfinden könnte und das ist im SciFi-Genre alles andere als einfach. Der Film scheißt sozusagen auf Hollywoods Hochglanz-Prinzip und lässt einen realen, dreckigen Look entstehen der für den Zuseher greifbar ist. Um den Zuseher zu packen braucht es natürlich mehr... und da kommen die Schauspieler ins Spiel. Tom Cruise ist bei den Oscars völlig zurecht "nur" Gast, denn mit schauspielerischer Genialität ist er nicht gesegnet, in KRIEG DER WELTEN gefällt mir sein Auftritt aber gut wie nie. Er ist mehr oder weniger Protagonist und schafft es diese Rolle so umzusetzen, dass der Film gefüllt wird. Unterstützung dabei bekommt er von einer der wohl besten Darstellerinnen im Kindesalter, Dakota Fanning. Ihr Part hat mich mit dem hektischen und panischen Geschrei nur auf die Palme gebracht, doch genau das ist es was sie so unsagbar gut spielt. Nicht zu vergessen ist aber auch Tim Robbins der zwar erst spät auftaucht, seinen Part als Untergrund-Hinterwäldler aber herrlich verrückt und richtig gut spielt.
Das hätte ich mir zwar zuvor nicht gedacht, aber auf die Effekte möchte ich hier nur kurz eingehen da sie für mich nur in geringem Maße einen tragenden Teil des Films ausmachen. Wie für Spielberg üblich sind die Effekte sehr gut und im Sinn der FSK12-Freigabe auch sehr blutleer, doch im Gegenzug dazu mal etwas Neues (beispielsweise wie die Aliens die Menschen "vernichten", ohne zu spoilern). Auch die Aliens selbst machen richtig was her, wie auch ihre Zerstörungsflut.
Wie gut KRIEG DER WELTEN als Remake kann ich leider nur schwer feststellen, da ich weder Kampf der Welten (1953) noch das Buch von H.G. Wells kenne - als eigenständiger Film über die Apokalypse funktioniert er jedoch sehr gut. Der Film lebt von seiner düsteren, überraschend greifbaren Atmosphäre und seinen Darstellern. Ein Weltuntergangsfilm aus Hollywood der nicht unbedingt an allen Ecken und Enden übertrieben unrealistisch ist - Mission erfüllt!
8/10 Wassertropfen
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