Koreanische Schauspieler haben es hierzulande nicht leicht, sich in den Köpfen der Kinobesucher festzusetzen. Zum einen kommen wenige koreanische Filme in die hiesigen Lichtspielhäuser, die sprachliche Barriere tut ihr Übriges. So kennt so mancher Filmfan Oldboy-Darsteller Min-sik Choi, sobald er/sie ihn sieht, dem Namen jedoch ein Gesicht zuzuordnen ist für die meisten jedoch unmöglich. Einfacher haben es da Regisseure als Identifikationsfiguren des koreanischen Films (beispielsweise einen Chan-Wook Park). Vielleicht ist also die Platznahme am Regiestuhl der Schlüssel zu mehr Bekanntheit im Westen. Diesen Gedanken könnte auch Yang Ik-Joon gefasst haben. Der bis dato ausschließlich als Schauspieler aktive Südkoreaner schrieb, produzierte und drehte 2009 erstmals einen Film. Und da Omnipräsenz auch nicht wirklich schaden kann, spielt er in Breahtless obendrein die Hauptfigur.
Sang-Hoon ist sein Name, sein Wesen und seine Vergangenheit zu Beginn von Ddongpari ähnlich unzugänglich wie der Originalfilmtitel. Doch schnell wird klar: Er personifiziert Gewalt! Berufliche als Ursache, häusliche als mögliche Wirkung. Brutalität steht auf dem Tagesgeschäft, seit er den Mord seines Vaters an seiner Mutter als kleiner Bengel mitansehen musste. Faustschläge sind sein tägliches Brot, sie sind seine Sprache, eine Möglichkeit zur Mitteilung zur Kompensation seiner sozialen Inkompetenz. Ein Kodex ist ihm fremd, begreift er seine Handlungen doch als allzu normal.
Umso erstaunlicher ist es, dass Yang Ik-Joon es dennoch vermag seinem Publikum Breathless auf eine ungezwungene, ja amüsante, Weise vorzustellen. Trotz blutender Nasen und jammernder Menschen wird stellenweise gelacht. Der Grund hierfür ist in einer ausgeklügelten Mischung aus Situationskomik und dem Verständnis von Gewalt als alltägliche, nahezu akzeptierte Begleiterscheinung der koreanischen Gesellschaft zu suchen. So spaziert Ddongpari trotz seiner 130 Minuten überwiegend leichtfüßig daher. Einen fahlen Beigeschmack liefert jedoch die Abwechslungsarmut der Handlung. Minutenweise erwartet der Zuseher endlich die Offenbarung der Meta-Ebene seitens des Regisseurs, vielleicht einen substanziellen Ansatz der Gesellschaftskritik oder gar eine einsichtige Wende der Hauptfigur. Vergebens. Trotz solidem technischen Handwerk und dem Gespür für Erzählweise schafft es der Regisseur nicht, seinen Erstling aus dem Einheitsbrei überdurchschnittlicher Dramen hervorzuheben. Mehr Kritik wäre bei dem Thema jedoch nötig gewesen: Gewalt als Ursache, Gewalt als Mittel mit der Ursache umzugehen und Gewalt als Lösung. Diese Gedankengänge stimmen einfach am Schluss des Filmes nicht mehr. Yang Ik-Joons verpasst die Möglichkeiten, an Wendepunkten des Filmes entscheidend nachzuhaken. So bleibt der Eindruck, dass Breathless zwischen den Stühlen sitzt, gesellschaftskritisch sein möchte, es in den entscheidenden Stellen jedoch nicht zu realisieren vermag. Ein mutiger Film hätte es werden können, ein leichtfüßiger gepaart mit partiell unangenehmen Charakter, guter Situationskomik und interessanten Figuren, die im übrigen allesamt solide bis gut gespielt werden. Dennoch:
Für einen Erstling ist Ddongpari ein bemerkenswerter Genrefilm, der jedoch im Laufe seiner 130 Minuten reihenweise Chancen versiebt, sein gutes Grundgerüst mit Tiefe zu füllen. Dennoch stehen ein interessanter Ansatz, leichtfüßige Erzählweise, solides Handwerk und stellenweise gutes Schauspiel auf der Haben-Seite, so dass Breathless unter Ausblendung des eigentlichen Potentials immer noch als klar überdurchschnittliches Werk zu bezeichnen ist.
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