• Inhalt
  • Ein junger Mann tritt in eine Welt ein, die für sich nicht zu verstehen ist. Gewappnet mit einem großen Kuschelbär unter dem Arm und dem Wunsch, seine Geliebte zurückzugewinnen, entfernt er sich immer weiter von dem sicheren Zuhause, um die „Hölle“ des Löwen zu betreten: Guangzhou. Zur gleichen Zeit, nur Straßen von ihm entfernt, gaunert sich ein Mutter-Tochter-Pärchen durch ihr Leben. Sie versuchen mit unterschiedlichen Halbwahrheiten den letzten Cent aus jedem Samariter zu quetschen. Und gleich um die Ecke findet es sich ein Spieler, der diese Nacht nur zu dem Fest seiner Sinne machen will. Mit dem heutigen Gewinn versucht er, sich jenen Tag mit ein wenig prostituierter Zutrauung zu versüßen. Was für alle zu Beginn noch so einfach scheint, sollte sich schnell zu einem unvergesslichen Abenteuer werden. Es sind die simplen Pläne, die zu Herren ihrer selbst werden. Es ist jene Nacht, die seine Protagonisten zu verschlucken droht ...
  • Filmkritik
  • Mit großer Freude kündigte der Vorstellungsleiter der Urania stellvertretend für Hurch persönlich am Sonntag Ba Gua als eine der wenigen Weltpremieren an, die das diesjährige ViENNALE-Publikum erleben durfte. Also nun: Vorhang auf.

    Das größte österreichische Filmfestival als Beginn der Karriere nicht nur eines chinesischen Films, sondern auch seiner noch leicht unerfahrenen Crew - ist es ja erst die 2. Filmarbeit des Regisseurs Fu Hao. So stellt sich das unvoreingenommene Auditorium die Frage: Ein seltener Genuss oder ein bösartiges Omen? Mit nur geringfügigsten Vorkenntnissen lässt sich das Publikum auf ein blindes Phänomen ein, welches erst von den Massen seiner Zuschauerschaft ergründen werden müsse. Warum der merkwürdige Weg eingeschlagen wurde, das politisch rote Werk in dem rot-weiß-rot geflaggten Landen uraufzuführen, wird schnell klar – nicht einmal der Film muss gestartet werden und schon kennt man die Begründung: ViENNALE-Sprecher erklärt in ruhigem Tonfall, es handle sich um eine wenig deformierte Kopie, die nicht die optimale Qualität zu nützen mag. Doch beim ersten Anblick der digitial gedrehten Sequenzen wird einem geschwind bewusst: Dies ist purste Independence. Sich selber ausschließend von jeglicher staatlichen Kontrolle, machte sich das junge Filmteam um den Regisseur Fu Hao auf, die nächtlichen Straßen von Guangzhou bezüglich ihrer Miseren zu untersuchen. Die menschlichen Schicksäler stellen die Prämisse für das Großstadtabenteuer Und hier wird der Satz von Marshall McLuhan Wahrheit: The media is the message. Die dargestellte Form, welcher Ba Gua zu Grunde liegt, ist die reine Veräußerlichung der Unabhängigkeitserklärung. Die kargen Videobilder sprechen nicht über eine Qualität jener Dogmatiker des Jahres 1995, die sich der Kunst widmeten. Vielmehr lassen sich die Produktionsverhältnisse und der Zeitgeist in den visuellen Verformungen finden. Das Material wird zum Superlativ des Anderseins. Es ist das Ausrufezeichen der Nonkonformität. So interessant diese Überlegungen über das implizierte Verhältnis zwischen Inhalt und Form auch sein mag, die Zuschauer wollen es dem Film nicht danken. Der chinesische Film der 1990er, ab dem Losreißen der 5. Regiegeneration, lebt vor allem von der Tatsache der visuellen Raffinesse, welche die kinematografischen Werke zu dem deklarieren, was sie sind. Dem Gegenüber Fu Hao, der die Kargheit als intensiven Ausdruck eines sozialen Elends betrachtet. Doch leider werden jene übertriebene, oberflächliche Feststellung des beinahe unmotivierten Drehbuchs in den Bildern nur kaum in ihr Besseres bekehrt. Ba Gua ist ein zerstückelter Fleckenteppich, der versucht seine 3 Episoden als ikonische Stellungnahmen der Realität zu zitieren. Jedoch ist das Gegenteil der Fall. Die allzu klischeehaften Geschichten um die drei Ausreißer der Gesellschaft überrascht nur in den allerseltensten Fällen mit unvorhersehbaren Zwischenfällen. Zumeist plätschert die Geschichte in langweiligen Tönen über die Leinwand. Und hier setzt noch dazu jener V-Effekt des billigen Materials ein, der den Genuss des Kinos nur in noch höherem Maße zu durchkreuzen scheint. Dies beginnt bei den akustischen Tonspursprüngen und endet bei der scheinbar filmischen Inkompetenz des Kameramanns. Gerade dieser Schlusspunkt verdeutlicht die Tatsache in ungeschöntem Maße: Mit der Kamera eine Person zu (ver)folgen macht noch keinen guten Film. Die kinematografische Note wurde eingetauscht, um in theatralem Gestus die Video- und Fernsehästhetik zu visualisieren. Die Leinwand der Urania wird zu einem schnell zusammengeschusterten Theaterraum, der eine scheinbare „authentische“ Fernsehübertragung sendet. Nein, dafür ist Kino sicherlich nicht gemacht.

    Der relativ mittelmäßige Ba Gua lässt sichtbar kaum Ansatzpunkte, die negative Grundstimmung seiner Selbst zu durchbrechen. Doch es gibt sie. Es sind jene kreative Spielereien, die der Zuschauer auf einer Hand abzählen kann. Die chinesische Filmindustrie ist berüchtigt dafür, dass ihre Werke von einer majestätischen Pracht erstrahlen. Und hier nicht nur jene historischen Filmepen, sondern auch die kleinen zeitgeschichtlichen Produktionen. Jedoch, wie schon im obrigen Absatz erwähnt, fällt Ba Gua auch in diesem Gebiet durch, um (unabsichtlich) ein interessantes, zeitgeschichtliches Statement zu liefern. Dies darf sich in wissenschaftlichen Bezügen begierigst Aufmerksamkeit erfreuen, doch aus filmpraktischer Sicht ergeben sich hier sehr viele Unterhaltungslöcher – wenn man eine derartige Kost überhaupt Unterhaltung nennen mag –, durch welche der Zuschauer und dessen Interesse zu fallen drohen. Nur selten dringen auf visueller Ebene kleine Einstellunngen, winzige Sequenzen durch, die den kinematografischen Charme in sich tragen. Ähnliches finden sich in Hinsicht seines Plots. Die narativen Plotholes werden in manch einer Szene mit gewieften Kommentaren und Dialogen gefüllt, die in gewisser Hinsicht sogar manches kompensieren vermögen. In dem unwahrscheinlichen Zusammenspiel der beiden Elementen – muss Regisseur Fu Hao ja in einem Moment beide Ebenen gleichzeitig gut beherrschen – erlebt das Auditorium jener Weltpremiere doch ein gewisses Phänomen, welches überraschend ist: Unterhaltung. Gut versteckt, aber wenn man genau hinschaut, kann sogar Ba Gua eine gewisse Freude bereiten. Man muss nur darauf achten in diesem Momenten munter zu sein.

    Fazit:
    Die Freude eine chinesische Weltpremiere mit Ba Gua zu sehen, vergeht leider allzu schnell. Regisseur Fu Hao hat für dieses Aufzeigen des sozialen Missestand den formalen "Untergrund" gewählt: Hier sowohl das Independecekino, als auch die qualitative Niveaulosigkeit gemeint. Die interessante Prämisse eines Films, der (per Zufall) die Inhalte über sein Bildmaterial transportiert, verliert leider nach kürzester Zeit seinen Reiz, da sich Ba Gua visuell überaus anti-kinematographisch und inhaltlich größtenteils langweilig gibt. Unmotiviert geschrieben, langweilige Plottwist und ein undurchdringbarer Anti-Formalismus – derjenige, der sich hier durch quält, kann aber sogar mit diesem unterdurchschnittlichen Werk aus China gewisse, wenn auch geringfügige Unterhaltung finden.
  • Kurz Kritik
  • Story
    2,5
    Musik:
    3,0
    Unterhaltung:
    2,0
    Anspruch:
    2,5
    Spannung:
    2,0
    Darsteller:
    3,0
    Gesamt:
    2,0
    Verfasst von:
    Sebastian Klausner

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