Hongkong ist Schauplatz einer spektakulären Verfolgungsjagd. Mit rasender Geschwindigkeit bewegen sich die Autos durch die engen Straßen. Der Polizist Tong Fei ( Nicholas Tse ) verfolgt den Gangster Zhang Yidong ohne irgendwelche Kompromisse einzugehen. Lange hatte er auf diese Chance gewartet, noch nie war er ihn so nah. Mit einem dramatischen Unfall, indem auch der Jäger und der Gejagte verwickelt sind, endet die Hetzjagd abrupt. Als der Verbrecher das Auto wechselt, und davonrasen will, bleibt den Bullen nur noch eine Chance. Er zieht seine Waffe und schießt dem Wagen hinterher. Nach mehreren Versuchen, die nur in den Kofferraum einschlagen, trifft eine Kugel den Flüchtigen. Vorerst scheint die Operation gelungen zu sein, denn Zhang Yidong konnte gefasst werden. Als Tong aber Geräusche aus dem Kofferraum vernimmt, und diesen öffnet, ist der Erfolg plötzlich ein relativer Zustand. Denn in den Kofferraum befindet sich jenes kleine Mädel, welches kurz zuvor einer einflussreichen Mutter, die als Anwältin den Fall betreut, entrissen wurde. Angeschossen von Tong Feis Kugeln, die durch das Metall drangen, stirbt das Mädchen noch am Unfallort.
Wenn in asiatischen Action Filmen die Stilisierung stimmt, wird zumeist ein positives Ergebnis herausspringen. So verhält es sich auch in CHING YAN. Dante Lam, so der Name des Regisseurs, bietet uns Zuseher von Anbeginn an eine rasante Kost, welche auf einer ausgeklügelnden Geschichte basiert. Der Filmemacher versteht es in diesem Produkt, mit seinem Inhalt zu spielen. Obwohl von keiner chronologischen Basis ausgegangen wird, kann der Betrachter die Abfolge ohne Schwierigkeiten verfolgen. Obwohl zu Beginn, und in weiterer Abfolge einige Fragen entstehen, werden diese im Finale aus dem Weg geräumt. So wie ein Puzzle, dass erst im Verlauf erkennbar, und mit dem letzten Stein ein Ganzes wird. Der mexikanische Film AMORES PERROS aus dem Jahre 2000, kann hiefür bestens als Beispiel dienen. Ein Unfall mit drei Autos, und jeder der Wägen besitzt ihre Insassen. Über alle dieser Personen gibt es eine Geschichte zu erzählen. Und diese verschiedenen Episoden werden anhand von Flashbacks gekonnt aneinandergefügt.
Der Name des Regisseurs dürfte nur Liebhaber der asiatischen Filmindustrie ein Begriff sein. Dante Lams Filmographie beinhaltet bislang vierzehn Produktionen. Die bekanntesten davon sind BEAST COPS ( 1998 ), RUNAWAY ( 2001 ), THE TWINS EFFECT ( 2003 ), oder UNDERCOVER HIDDEN DRAGON ( 2006 ). Wenngleich sie keinerlei schwere Kost bieten, so sind sie allesamt vergnüglich anzusehen. Statt einen hintergründigen Intellekt setzt der Regisseur auf optische Qualitäten. Er besitzt ein Händchen für die richtige Kameraeinstellung, und setzt zudem auf choreographisch inszenierte Action Sequenzen. Statt Tiefgang auf inhaltlichen Ebene setzt Dante vielmehr auf visuelle Highlights. Ein Augenschmaus mit ein wenig Kreativität in der Story, dies wurde die Strategie dieser Produktion. Und das Ergebnis kann sich sehr wohl sehen lassen. CHING YAN kann als einer der besten Actioner der Gegenwart bezeichnet werden. Zumindest was den asiatischen Raum betrifft.
CHING YAN ist ein Film, in dem es um die Rehabilitierung eines Mannes, und um eine Wiedergutmachung handelt. Besessen vor Wut, und vor Ehrgeiz getrieben, seinen “ Fehler “ so weit wie möglich zu korrigieren, geht der Polizist jeden noch so harten Weg, um wieder einiger Maßen mit sich selbst im Klaren zu werden. Und somit mit der Vergangenheit in Zukunft leben zu können. Ein Stück Tong Fei steckt in einem jeden von uns. Auch in unserer eigenen kleinen Welt tragen wir die Verantwortung begangener Fehler, auch wenn wir im besten Wissen und Gewissen gehandelt haben. Diesen Eindruck, nur in einen wesentlich gewichtigeren Rahmen, vermittelt dieses Werk. Die ViENNALE, die CHING YAN während des Festivals 2009 gezeigt hat, beschreibt diesen Film als einen, der über eine virtuos-komplexe Erzählstruktur, die sich über Erinnerungen zu einen tragischen Crash nach und nach entwirrt, und dabei Schicksale entfaltet. Die Verantwortlichen derselben sehen CHING YAN als einen Klassiker seines Genres.
Fazit:
Eine schnörkellose und grundsolide Regie, eine ausgeklügelte und unchronologische Geschichte, und nicht zuletzt einige nette Ideen in Sachen Kamera und Schnitt, machen aus CHING YAN einen Film, der zu sehen wirklich lohnt. Bleibt zu hoffen, dass er, auf welche Weise auch immer, einen Weg in unsere Kinos finden wird.
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