Gigante

  • Informationen zum Film
  • Gigante

  • Originaltitel:
    Gigante
    Genre:
    Drama
    Produktionsländer:
    Deutschland, Argentinien, Niederlande, Spanien, Uruguay
    Produktionsjahr:
    2009
    Kinostart Deutschland:
    01.10.2009
    Kinostart USA:
    04.12.2009
    Verleiher Deutschland:
    Neue Visionen Filmverleih
  • Cast & Crew
  • Regie:
    Adrián Biniez
    Drehbuch:
    Adrián Biniez
    Darsteller:
    Leonor Svarcas, Marcos Moron, Horacio Camandule, Ignacio Alcuri, Fernando Alonso, Diego Artucio, Ariel Caldarelli, Fabiana Charlo, Andrés Gallo, Federico García, Néstor Guzzini, Esteban Lago, Leandro Lagos, Ernesto Liotti, Carlos Lissardy, Nacho Mendy, Augusto Peloso, Darío Peloso, Alejandro Tocar, Rafael Sosa Zeballos
  • Inhalt

  • Der schüchterne Jara (Horacio Camandule) arbeitet als Wachmann in einem Supermarkt. Etwas verloren sitzt er dort vor seinen Monitoren, löst Kreuzworträtsel und lässt die Mitarbeiter mit kleinen Diebstählen davonkommen. Eines Nachts erblickt er auf dem Bildschirm die neue Putzfrau Julia (Leonor Svarcas) und plötzlich gerät sein regelmäßiger Lebenstakt aus dem Gleichgewicht. Auf den ersten Blick ist Jara heftig verliebt. Seine Kreuzworträtsel lässt er ab sofort ungelöst links liegen. Tag für Tag folgt er stattdessen Julias Bild auf seinen Monitoren und die Kontrollpflicht verwandelt sich in eine Schatzsuche im Warenhauslabyrinth. Doch Jara traut sicht nicht, den ersten Schritt zu tun und macht stattdessen erstaunlich viele -- er beginnt, Julia nach Dienstschluss zu folgen. Er heftet sich an ihre zauberhaften Fersen -- vom Kino bis nach Hause, vom Internet-Café bis zum Karatekurs. Gebannt vom Bild der schönsten aller Putzfrauen wird er auf seiner Wallfahrt des Verliebtseins zu ihrem heimlichen und unbelohnten Schutzengel. Doch dann wird Julia entlassen und Jara muss sich entscheiden -- seine Sehnsucht aufzugeben oder sich ihr zu stellen.
  • Filmkritik
  • Filme aus Uruguay befinden sich noch nicht allzu lange auf dem Radar der cinephilen Welt. Erst mit Anbruch des 21. Jahrhunderts entdeckte man auch abseits von lateinamerikanischen Filmfestivals die eine oder andere filmische Perle aus Montevideo und Umgebung. Mit GIGANTE schaffte es 2009 ein Film aus dieser Region auf die Berlinale und zog von dort mit einem silbernen Bären dekoriert wieder von dannen. In Deutschland ist der Komödie sogar ein regulärer Kinostart zugedacht. In Österreich hält man sich dazu noch bedeckt, wohl auch weil Adrián Biniez' Film bei der ViENNALE 09 gezeigt wurde.

    GIGANTE ist nicht nur der Titel der eigenwilligen Romanze, sondern auch der Rufname seines Hauptcharakters Jara (Horacio Camandulle). Der etwas Teddybär-artig anmutende Hüne mit dem sanften Wesen verdient sein Geld als Nachtwächter in einem Einkaufszentrum, wo er entweder auf seinen Überwachungsmonitor starrt oder Schwedenrätsel löst. In seiner Freizeit liegt er gerne vor dem Fernseher oder spielt mit seinem Neffen an der Konsole und am Wochenende verdient er sich etwas als Türsteher in einem Heavy Metal Etablissement dazu. So ist diese Musik auch eine der wenigen Leidenschaften des ansonsten so ausgeglichen wirkenden Großen. Wie es der (komische) Zufall so will, verschaut sich Jara eines Nachts in die Reinigungskraft Julia (Leonor Svarcas) und begibt sich sodann auf eine zunehmend verliebte als auch etwas voyeuristische Reise. Überaus zaghaft und trotz seiner körperlichen Erscheinung unbemerkt schickt Regisseur Biniez seine Hauptdarsteller auf die Suche nach dem Wesen als auch den Schlüssel zum Herzen seiner Frau. Ausdrucksloses Beobachten auf dem Überwachungsschirm, ein indirektes Nach-Hause-Begleiten auf eine Entfernung von Hundert Meter. So richtig mit "Spanner" etikettieren möchte man den Gigante aber trotzdem nicht. Dazu ist sein Wesen zu charmant, sein Gang zu trollig und seine gleichzeitige Liebe zu Bands wie Biohazard zu bizarr. GIGANTE ist ein Film der langsamen Annäherung, des Nicht-Entmutigen Lassens und weiß dabei mit seinen amüsanten Dialogen und Einstellungen stellenweise regelrecht zu verzaubern. Einen guten Beitrag dazu leisten auch die zahlreichen Nebencharaktere der Handlung, angefangen von Arbeitskollegen über Jara's lustlosen Neffen bis hin zu Julia's Internet-Date. Dass sich das ständige Nachlaufen beim Zuseher nicht abnutzt ist wohl auch dem geheimnisvollen Wesen der Julia zu verdanken. Ihr Charakter, überwiegend auch ihre Vorlieben als auch ihre Stimme bleiben stets im Verborgenen. Öffnet sie den Mund um zu sprechen, legt Biniez entweder Musik über die Szenerie oder geht mit der Kamera derart auf Distanz zu seiner Hauptdarstellerin, dass man sich aufgrund der Entfernung nicht weiter wundert, warum nichts zu verstehen ist. Nur selten erfährt man etwas über Jara's Julia und wenn, dann über dritte Personen. Zum Beispiel, dass sie ähnliche musikalische Vorlieben wie der GIGANTE hat. In der Unantastbarkeit des Charakters liegt aber auch der eigentliche Reiz und so ist man dem Film nicht böse, dass fast nichts "weitergeht". Der Regisseur zeigt aber deutlich, dass das Folgen oder Nachsteigen auch im Zeitalter von Facebook, Twitter und Co. im realen Leben noch am intensivsten und ereignisreichsten ist und nimmt somit dem negativen Charakter, der den Begriffen Stalken und Voyeurismus inne wohnt viel Wind aus den Segeln.

    Der "Große" aus Uruguay ist komisch, sympathisch und wie der gesamte übrige Film überaus charmant. Dass der Wunsch jemandem näher zu kommen trotz des partiell obsessiven Charakters anders als die Hauptfigur auf leichten Füßen spaziert, ist den geschickten dramaturgischen Mittel von Adrián Biniez zuzuschreiben, der es vermag das Drehbuch voll auszureizen und auf eine etwas eigenwillige Art und Weise so etwas wie einen Liebesfilm zu zeigen. Glaubwürdiges Schauspiel, gewitzte Dialoge, Situationskomik und etwas verrückte Musikauswahl (Ja, Heavy-Metal tut der Romantik keinen Abbruch!) machen GIGANTE zu einem sehenswerten Film aus Uruguay. Bitte mehr davon!
  • Kurz Kritik
  • Story
    3,5
    Musik:
    3,0
    Unterhaltung:
    3,5
    Anspruch:
    2,0
    Darsteller:
    3,5
    Gesamt:
    3,5
    Verfasst von:
    Ld_Jackpot

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