Blind Pig Who Wants to Fly

  • Informationen zum Film
  • Blind Pig Who Wants to Fly

  • Originaltitel:
    Babi buta yang ingin terbang
    Genre:
    Drama
    Produktionsland:
    Indonesien
    Produktionsjahr:
    2008
    Kinostart USA:
    11.09.2009
  • Cast & Crew
  • Regie:
    Edwin
    Drehbuch:
    Edwin
    Musik:
    Bontel
    Darsteller:
    Joko Anwar, Clarine Baharrizki, Ladya Cheryll, Andhara Early, Carlo Genta, Pong Harjatmo, Wicaksono
  • Inhalt
  • Filmkritik
  • Ein Badminton Match in Slow-Motion. Eine indonesische Spielerin im Vordergrund, die taiwanesische Konkurrentin auf der anderen Seite des Netzes. Eine Studie der Beinarbeit, schön fotografiert. So beginnt Blind Pig Who Wants to Fly, ein 77-minütiger Episodenfilm (sofern die Bezeichnung überhaupt zutreffend ist) des Chinesisch-Indonesiers Edwin. Nach Abschluss der Anfangsszene sollte der Stil beibehalten werden. Tolle Bilder zu Situationen, die nur in den seltensten Fällen vom Zuseher in einen Kontext gesetzt werden können. Ein Film über Identität und Integration hätte Babi Buta Yang Ingin Terbang werden sollen. Man muss schon genau hinsehen, um diese beiden Grundmotive zu erkennen. Da wären die beiden befreundeten Kinder, die der chinesischen Minderheit angehören und vom Straßenmob verprügelt und schikaniert werden. Da wäre der Zahnarzt und Stevie Wonder-Fan, der stets eine dunkle Sonnenbrille trägt und bei Hot Dog und Aquarium das Formular zur US-Green Card Lotterie ausfüllt. Wenngleich auch alle Charaktere binnen der ersten Minuten per Texttafeln vorgestellt werden, verirrt sich der indonesische Film zusehends in scheinbarer Zusammenhangslosigkeit.

    What do you want to be when you grow up? - Anything but Chinese!


    Das schwule Pärchen, dass sich mit dem Zahnarzt vergnügt, der widerum seiner Frau von seinem Plan zum Islam zu konvertieren erzählt. Das Mädchen, das Feuerwerkskörper wie Semmeln verdrücken kann und das angebundene Schwein mitten in der Pampa, das minutenlang sporadisch vor sich hingrunzend seinem Schicksal ergeben ist. Blind Pig Who Wants to Fly ist alles andere als zugänglich. Die nur allzu offene Dramaturgie ist vom Zuseher nicht zu fassen, was trotz der geringen Länge von 77 Minuten stellenweise sehr frustierend ist. Ist ein gemeinsamer Handlungsstrang oder ein Charaktere verbindendes Element auch nicht auszumachen, stellt sich doch die Frage, ob der Film dennoch funktionieren kann. Auf der Haben-Seite wäre da die großartige Kamera von Sisi Saleh, der viele zu lang geratene Einstellungen durch seine Bilder noch zu retten vermag. Auch positiv erwähnt sei die nüchterne Darbietung der Darsteller. Man lernt die Charaktere kurz kennen, generell bleiben sie jedoch weitgehend unergründbar. Stevie Wonders I just called to say I love you ist das Film begleitende Musikstück und wird gefühlte zehnmal vorgetragen. Wohlgleich mit zunehmender Fortdauer relativ nervend spielt der Oldie am Ende des Films als Tonspur zu TV-Aufnahmen vom Aufstand gegen General Suharto eine tragende Rolle (Anm.: ein durch Rassenprobleme entstandener Aufstand, der unter anderem zum Rücktritt des Präsidenten führte). Technisch gutes Handwerk also? Nicht ganz. Der Schnitt ist stellenweise unterirdisch. Es drängt sich auch öfters das Gefühl auf, der Regisseur reihe wahllos Bilder aneinander. Übergänge sind rar und sofern vorhanden alles andere als geschmeidig. Auch wenn sich für die chinesische Minderheit seit 1998 verbessert haben soll, ist es Edwin anscheinend wichtig, auf die Ereignisse vor 10 Jahren hinzuweisen. Das macht Sinn, das ist schlüssig, doch was ist mit den vorangegangen 60 Minuten? Wäre es nicht im Sinne des (ausländischen) Zusehers, etwas Klarheit und greifbares Konzept in die "Handlung" zu bauen, um für Außenstehende die Lage der Chinesisch-Indonesier etwas klarer zu machen? "Ja, aber ...", muss darauf die Antwort lauten. In Interviews gesteht der Regisseur nämlich, sein Werk nicht für ein Publikum sondern für sich gemacht zu haben. Muss man akzeptieren. Ob's gefällt ist eine andere Frage.

    Blind Pig Who Wants to Fly ist trotz seiner geringen Laufzeit von 77 Minuten von Längen durchzogen (Hätte es nicht auch ein Kurzfilm getan?), weiß jedoch auf der optischen Ebene zu punkten. Regie und Ton sind maximal durchschnittlich, der Schnitt hingegen das große handwerkliche Manko. Durch die offene Dramaturgie ist das Gesehene vom Zuseher nicht leicht zu verarbeiten, ein Folgen der "Handlung" nahezu unmöglich. Der Empfänglichkeit für Filme ohne klar definierter Geschichte obliegt es nun, ob Babi Buta Yang Ingin Terbang funktioniert oder frustriert.
  • Kurz Kritik
  • Story
    1,0
    Musik:
    3,0
    Unterhaltung:
    1,0
    Anspruch:
    3,5
    Darsteller:
    3,0
    Gesamt:
    2,5
    Verfasst von:
    Ld_Jackpot

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