Zwei Brüder, die jeden Kontakt zueinander verloren haben, treffen sich zufälligerweise bei einem rassistisch motivierten Überfall auf eine türkische Familie wieder. Während Georgi, der erst kürzlich einer Neonazi-Organisation beigetreten ist, aktiv Gewalt ausübt, stößt Itso als Augenzeuge hinzu und vermag damit Schlimmeres zu verhindern. Während Georgi nach diesem Erlebnis Zweifel ob seiner Zukunft in der Gruppe hegt, denkt Itso darüber nach, ob das hübsche türkische Mädchen eventuell sein Ticket aus dem grauen, deprimierenden Alltag in Sofia sein kann.
Kamen Kalev hat es geschafft! 2009 wurden seine Eastern Plays als erster bulgarischer Film seit 1990 in Cannes gezeigt. Einen Sommer später gastiert das Spielfilmdebüt des 34-jährigenBulgaren bei der ViENNALE 2009 und weiß dabei zu überzeugen. Christo Christov mimt dabei nicht nur den Hauptdarsteller Itso, sondern gab auch durch seine persönliche Geschichte Kalev erst die Motivation EASTERN PLAYS zu machen. Zwei alte Freunde, die sich nach jahrelangem Nicht-Sehen plötzlich wieder treffen: Davon zeugt auch eine Szene im Film, in derItso Besuch von seinem alten Uni-Kollegen erhält. Überhaupt sind laut Angaben des Regisseurs viele Segmente innerhalb seine Werkes stark biographisch. Das beginnt bei der Handlung und endet bei den Sets. Die Einstellungen inItso's vier Wänden entsprechen beispielsweise tatsächlich der eigentlichen Wohnung von Christov, der nur wenige Tage, nach dem die letzte Klappe zum Film fiel, plötzlich verstarb. Sogar seine Filmfreundin Nikki war in der Realität seine Lebensgefährtin. Fiktional sind hingegen Bruder Georgi und die türkische Familie. Diese Elemente wurden dem Skript beigefügt, um der Handlung weitere Ebenen zu verleihen.
EASTERN PLAYS ist sovieles: Viel Drama, ein wenig Komödie, eine Spur Romantik und je nach Sichtweise mit politischem Touch ist Kalev's Werk in jedem Falle ein Film über Entfremdung und Verwirrung. Aufgemacht an drei Charakteren, die allesamt unsicher sind, ihrem Platz im Leben und ihre Träume zu verwirklichen suchen. Am idealtypischsten sind diese Begriffe veräußert am Charakter Georgi, der der elterlichen Wohnung im heruntergekommenen Ostblock-Plattenbau stets zu entfliehen versucht, sozialen Halt und Anerkennung im Leben sucht und in die Neonazi-Szene rutscht, in der er sich gleich zu profilieren hat. Itso hingegen kann nach seinem Kunststudium nicht von seiner Arbeit leben, jobbt in einer Möbelfabrik in der er giftige Lacks auf Bretter sprüht. Dabei fühlt er sich zusehends vom - im Umbruch befindlichen - grauen und tristen Sofia eingeschnürt. Hoffnung auf ein Ticket in ein neues Leben glaubt er in Isil zu finden. Das türkische Mädchen fühlt sich ihrerseits von einer kranken, inhumanen Welt umgeben und befindet sich auf der ständigen Suche nach sogenannten "Heilern", die ihr Kraft spenden um weiterzumachen und ihren Mitmenschen die aktuelle Lage auch bewusst werden lässt. Probleme beziehungsweise Wünsche, die in der modernen Welt gut von jüngeren Generationen nur allzu gut nachzuvollziehen sind.
Kalevs Erstling in Spielfilmlänge ist nicht nur solide realisiert, sondern wartet auch mit einer ungemein großen Palette an Detailvielfalt auf. Viele rasch skizzierte Ebenen gibt es dabei vom Zuschauer wahrzunehmen und bei Bedarf dementsprechend nach dem Film gedanklich weiterzuverfolgen. Der wirtschaftliche Umbruch, der Einzug westlicher TV-Formate in die Zeugen der eigenen Zeitgeschichten - den Plattenbausiedlungen -, oder ein allgemeiner wenn auch etwas überzeichneter Rechtsruck der Gesellschaft und Politik. All diese Punkte touchiert der Regisseur nur, ohne dabei oberflächlich zu wirken. Viel mehr zeigt er damit auf, dass sich nicht nur seine Charaktere, sondern auch ihr Umfeld allesamt im Begriff des Suchens und des Veränderns sind. So ist EASTERN PLAYS ein ungemein vielschichtiges, modernes Werk mit toller Atmosphäre, authentischen Schauspielern und einer Geschichte, die sich dem Filmtitel zum Trotz auch in Wien, Rom oder London abspielen könnte.
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