Dies ist die Geschichte von einem Jungen und einem Mädchen. Aber keine Liebesgeschichte. Zumindest, wenn es nach Summer (ZOOEY DESCHANEL) geht. Einer ganz normalen jungen Frau, die aber so normal dann doch nicht ist. Zumindest, wenn es nach Tom (JOSEPH GORDON-LEVITT) geht. Denn Tom liebt Summer, seine neue bezaubernde Kollegin, doch sie nicht ihn. Vermutet er, weil sie nichts Ernstes und nur etwas Spaß haben will. Sagt sie jedenfalls, aber empfindet vielleicht anders. Hofft Tom, der seine Träume mit ihren Wünschen in Einklang zu bringen versucht. Nur Freunde sollen sie also sein, weil das einfach ihre Antwort ist und er nicht weiter zu fragen wagt. Freunde, die sich aber plötzlich küssen, schließlich das Bett und große Geheimnisse miteinander teilen. Was ist das, das diese beiden verbindet? Tom, im romantischen Rausch, ist sicher: Das ist Liebe. Was aber denkt Summer, das magische Mysterium? Und noch entscheidender: Was fühlt sie...?
Es ist immer wieder erstaunlich, wie Regisseure wie aus dem Nichts auftauchen und einen erfrischend originellen Film auf die Leinwand knallen. Eine Romantikkomödie um genau zu sein: ganz ohne Kitsch, Stereotype oder die immer gleichen Darsteller und Muster. Marc Webb ist einer dieser Filmemacher. Als Regisseur von Musikvideos bekannt (Er gewann erst im vergangenen September einen MTV Video Music Awards für die Regie bei Green Day's 21 Guns) wagte er sich 2009 an einen Kinofilm und kann dabei seinen Werdegang nicht verleugnen. Aber alles der Reihe nach.
Boy meets girl. Boy falls in love. Girl doesn't.
(500) Days of Summer ist ein Film der Erinnerungen und der Suche gleichermaßen. Unchronologisch springt Webb zwischen den der 500 Tage andauernden Romanze zwischen Tom und Summer hin und her, ein verliebtes Hochgefühl hier, ein ernüchternder Schlag in die Magengrube dort. Dabei bleibt das Gesehene immer schön klar und kurzweilig. Dieser Umstand ist dem tollen Drehbuch von Scott Neustadter und Michael Weber zuzuschreiben. Laut eigenen Angaben autobiografisch angehaucht, servieren die beiden mit ihrer Geschichte eine grundehrliche, realitätsnahe Liebesgeschichte. Das Grundmotiv des Films ist die Frage, ob die romantische Liebe existiert, der Begriff Schicksal überhaupt zulässig ist oder ob Begegnungen vielmehr zufälliger Natur sind. Diese beiden Seiten beziehungsweise Ansichten werden durch Joseph Gordon-Lewitt (BRICK) und Zooey Deschanel (DER JA-SAGER) personifiziert. Während Ersterer von seinem pubertären Medien- und Musikkonsum als Romantiker geprägt, ist Summer eher diejenige fürs Ungezwungene. Tom versucht sich zu erinnern, wann sich das Ende der Affäre angedeutet hat, er sucht nach einem Grund der nicht zu finden ist. Auch wenn Webb die Geschichte aus der Perspektive von Tom erzählt bedient er sich immer wieder dem Element des Splitscreens, um das Mysterium Summer zumindest ein wenig zu durchleuchten: Aufnahmen aus Kindestagen beispielsweise. In Erinnerung bleibt auch die gelungene Episode, als Tom auf eine Party geht und im Splitscreen (fast) simultan Erwartung und Wirklichkeit gezeigt wird. Untermalt von gut ausgesuchter Musik und ausgestattet mit witzigen Dialogen zeigt der Regisseur einen kurzweiligen Film über die Liebe im Gewand eines Popsongs. Der Musikstücke sind genial ausgewählt und reichen von The Smiths bis hin zu Regina Spektor. Auch Frankreich's First Lady Carla Bruni trägt mit Quelqu'un ma dit einen Song bei. Webb versteht sein Handwerk, weiß wie er die Musik einzusetzen hat und wie es stereotype Handlungsansätze zu unterbinden gilt. Auch wenn Zooey Deschanel dem geheimnisvollen Wesens ihres Charakters nicht ausreichend Rechnung tragen kann ist ihre Darstellung als überaus solide zu bezeichnen. Deutlich mehr in den Vordergrund spielt sich der männliche Hauptdarsteller Jospeh Gordon-Lewitt. Aufgemacht, als wäre er noch wenige Momente zuvor aus einem Musikvideo ausgebüchst mimt er den von Rätseln getriebenen, authentischen Romantiker, der von sich selbst überzeugt ist, die wahre Definition von Liebe zu kennen. Erwähnt seien auch die beiden männlichen Nebendarsteller Geoffrey Arend und Matthew Gray Gubler, die in der Handlung als Mitbewohner von Tom mit ihren so ganz anderen Weltanschauungen immer wieder für komische Momente sorgen. Komplettiert wird das gute Schauspielerquartett von Kinderstar Chloe Moretz, die als überaus reifer Teenager ihrem von Gefühlen gelenkten Bruder Beziehungsratschläge gibt.
Marc Webb's Kinodebüt darf wohl schon deshalb zu den besseren, 2009 erschienenen, Romantikkomödien aus Hollywood gezählt werden, weil er zeigt, wie originell Filme in diesem Genre trotz ihrer hohen Publikationsdichte sein können. Gute Darsteller, leichtfüßige Erzählweise und ein genialer Score tragen zu einem überaus befriedigenden Gesamtbild bei, so dass man (500) Days Of Summer einerseits ohne Bedenken weiterempfehlen kann und andererseits hofft, dass der Amerikaner in Zukunft öfter Spielfilme drehen wird.
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