Zwei Damen, die in ihrem Auftreten und in ihrem Männerverlangen nicht entfernter sein könnten. Die Eine, Lorelai, das naive und sexy Blondinchen, die sich das Geld und insbesondere die Diamanten als den Höhepunkt des Lebens gesetzt hat. Die Andere, Dorothy, eine scharfsinnige und sinnliche Brünette, die sich den Körper des Mannes zum Mittelpunkt ihres Lebens erklärt hat. Und dennoch sind die beiden nicht nur Showpartnerinnen einer beachtlichen Musik-Revue, sondern auch beste Freundinnen, die aufeinander schauen. Als Lorelai aber ihren Traummann – mit dessen Traumkapital – findet, sollte alles ein wenig wilder werden. Der Vater des Verlobten sieht nämlich in jeder Dame die Gefahr für sein Geld und setzt schlussendlich einen Privatdetektiv auf die blonde Schönheit. Was dieser nicht wissen konnte, als er den Fall übernommen hatte, war, dass ihre Begleiterin ein anderes Kaliber darstellt, welche ihn auf eine Probe seiner Männlichkeit stellt ...
Die traumhafte Marilyn Monroe trifft auf die kesse Jane Russell - dies kann ein brillanter Schachzug sein. In Howard Hawks schwungvolle Musical-Komödie Gentlemen Prefer Blondes treffen die beiden Filmdiven aufeinander, um Filmgeschichte zu schreiben. Oder wenigstens ein amüsantes Lied darüber zu trällern.
Regisseur Howard Hawks lädt die heutige Zuschauerschaft in ein irreales Zweitleben einer Dekade. Die 1950er und 1960er sind geprägt von einer Welle an genretypischen Musical-Komödien, denen nur zwei Dinge im Sinn hatten: Große Gefühl und Musik! Sicherlich sind der ein oder anderen Ausreißer zu vermerken – wie das Hollywoodsche Remake The Sound of Music, in der auch die Nazis mittanzen dürfen –, doch der Großteil der berühmten Studio-Musicals jener Zeit sind nur der Unterhaltung verschrieben. Und dem ordnet sich Blondinen bevorzugt, wie der Film in den deutschen Landen vertrieben wurde, bereitwillig unter. Doch so fragt man sich zugleich: Wenn der Film nicht den Anspruch erhebt, durch abweichendes Schemas zu punkten, warum sollte er in den Gedächtnissen seines Publikums verhaften. Okay, Monroe ist stets ein gutes Argument, jedoch hilft nur dies auch nicht sich gegen solch Genregiganten wie den gewieften Singin' in the Rain zu Wehr zu setzen. Das Werk, welches sich die Leidenschaft für Blondschöpfe aufs Revier geschrieben hatte, setzt in seiner Gestaltung auf eine leichte Geschichte, die nur ein wenig durch die Diamantenfanatik der Lorelai aufgefrischt wurde. Diese simple Boy-gets-Girl-(while-the-other-Girl-is-kind-of-a-strange-jewelry-fanatic-)Story kann sich in keinster Weise etwa mit den Monroe-Hit The Seven Year Itch von Billy Wilder und dessen ausgetüffteltes Philosophieren über die männliche Potenz messen. Auch ein qualitativer Vergleich zwischen Gentlemen Prefer Blondes mit The Outlaw täte dem Erstgenannten nur kaum einen Gefallen. Und dennoch wird der Film hinunter- und hinaufgespielt. Sogar als Kultfilm wird das Werk gehandelt. Irgendwo hinter der platten Fassade des Studios muss sich doch jener einem Diamanten gleich funkelnder Genese verstecken. Doch man reißt die Pappwände ein und findet nur heiße Luft. Das Starbesetzte Musicalhighlight kann in einer genauen Filmanalyse nur schwerlich seinen Status des Kults behalten. Stattdessen finden sich unmotivierte Gags, die sich auf redundante Art auftun, um die Filmhits der vorangegangen Jahre zu wiederholen. Die Regie des berühmten Hawks ist nur selten interessant. Meist handelt es sich hierbei um ein reines Abfilmen seiner Sternchen. Und das Spiel eines naiven Blondinchens und eines Alpha-Weibchen können auch nicht gerade überraschen.
The Sound of Blondes.
Und dennoch darf sich der Film über die tanzenden Blondinen und die singenden Brünetten als durchaus sehenswert bezeichnen. Der einzige Gründ hierfür – wie für jedes Musical – ist die Musik. Lyrics sind zwar – ähnlich der meisten Dialoge in dem Film – weitaus platter als erwartet, doch der Rhythmus und die Melodien saugen den Zuschauer bzw. wohl eher Zuhörer in den Bann eines Films aus Tönen. Solch Highlights der Fifties wie “Diamonds are a Girl’s Best Friend” sind hier für die nachfolgenden Generationen erhalten. Der Film ist eine Adaption und ein Festhalten der wunderbaren Musik von Leo Robins und Jule Stynes Musical der 40er. Ein Verewigen jener Klassiker, die mit einem wunderbaren Geschick die schwungvollen Herzen seines Publikums beflügelten. Nachdem ich im vorigen Absatz Länge mal Breite darüber geschwafelt habe, warum der Blondinen bevorzugt eigentlich nicht seinen Kultstatus verdienen sollte, liegt genau hier der einfache und einzige Grund für das Überleben dieses Klassikers. Sicherlich Gentlemen Prefer Blondes ist nicht die Perfektion eines filmischen Werkes. Doch dort, wo die Musik einsetzt kommt, alles zusammen. Die Performances der beiden charmanten Diven sind plötzlich messerscharf und nicht mehr verwaschen. Jane Russell und Marilyn Monroe stolzieren, tänzeln über die Szene und singen mit zarten und starken Tönen sich in die Herzen der Zuschauer. Sogar die im Film sonst so unmotivierte Regie von Howard Hawks spiegelt in diesen Auftritten großes Können wider, welches er sonst eher in seinen Westernepen darbrachte. Die Musik ist, ohne Übertreibung, wahrlich der Puls von Gentlemen Prefer Blondes.
Fazit:
Seine Western sind Kult, doch mit Gentlemen Prefer Blondes schnitt sich Regisseur Howard Hawks in die eigene Reputation. Blondinen bevorzugt ist ein Musical-Hit des Jahres 1953, welche sich strikt an das Erfolgsrezept der damaligen Zeit hielt, ohne große Mühen anzustellen, eine gewisse Originalität zu produzieren. Dennoch pumpt das Herz der Zusammenarbeit von Monroe und Russell deutlich: Der Sound, den die charmanten Hauptdarstellerinnen trällern, ist hypnotisierend. Der Zuschauer wird zwar nur selten einen Augeschmaus serviert bekommen, doch der Zuhörer wird sich freuen. Also, Augen zu und Musik genießen.
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