Greg Mottola steht auf die Jugend. Schon in "Superbad" beleuchtet er das eigenartige und gewisserweise frustrierende Leben zweier Schüler, die im Jugendjargon gut gerne als Freaks durchgehen.Seth Rogen spendierte der eigentlich schnöden Handlung (zwei Jungs wollen endlich mal Sex) derbe Dialoge, die Superbad zu einem amüsanten, frischen Teeniefilm machten. Zwei Jahre später kommt Mottola mit ADVENTURELAND in die Kinos beziehungsweise zur ViENNALE 09. Diesmal jedoch schrieb der Filmemacher das Drehbuch selbst. Die Unterschiede sind eklatant. Nicht nur hebt Mottola seine Handlung auf die nächste (logische Ebene), aus einer Highschool-Komödie wird ein Coming-Of-Age Film, der den Sommer zwischen Schule und Uni beleuchtet, doch wer ein Gag-Feuerwerk erwartet ist hier an der falschen Adresse. Nicht weiter schlimm, weiß dochADVENTURELAND auf seine eigene Art und Weise zu überzeugen.
Da wäre beispielsweise der Cast rund um die aufstrebenden Jungschauspieler Jesse Eisenberg (ZOMBIELAND) und Kristen Stewart (TWILIGHT), die komplettiert durch Kristen Wiig (ALL INCLUSIVE), Bill Hader (SATURDAY NIGHT LIVE) und Ryan Reynolds (BLADE: TRINITY) ein gutes Gespann abgeben. "Loser" Eisenberg, Rebellin Stewart, Schönling Reynolds und das verrückte Parkbesitzer-Ehepaar Hader und Wiig, all das sind Charaktere, die deutlich mehr Tiefe haben, als man nach den ersten Minuten des Films zu sehen glaubt. Mottola's zweitem Drehbuch jedoch gleich gute Qualität zu bescheinigen wäre des Lobes zuviel. Die Geschichte ist altbekannt und mal mit mehr, mal mit weniger Niveau dutzendfach auf Leinwand gebannt worden: Ein Verlierer-Typ, der eigentlich viel in der Birne hat und auch charakterlich ein klasse Junge ist, verliebt sich in ein schönes Mädchen, das zu Beginn des Films klar außer Reichweite ist. Den Rest kann man sich denken. Wohlgleich man sich schon relativ rasch ein Bild vom Ende des Films machen kann, vermag esADVENTURELAND die platte Grundstruktur geschickt zu kaschieren. Neben den Darstellern ist es vor allem das Setting, das zu überzeugen weiß. Öde, wenig fordernde Arbeit in einemVergnügungspark: Ringelspiele starten, Plüschtiere vergeben, sich mit Prolls abärgern und die immer wiederkehrende Vergnügungsparkmusik (Falco - Rock Me Amadeus; Jesus Fucking Christ! They play this song like 20 times a day! ) machen das Leben der Mitarbeiter schwer. Hader und Wiig wissen jedoch regelmäßig mit komplett überdrehten Aktionen die Stimmung aufzulockern.
Die liebevolle Erzählweise, mehr oder minder unverbrauchte Gesichter und im Besonderen der 80er-Jahre-Soundtrack von Judas Priest über den genialen Lou Reed bishin zu The Cure erhöhen den Filmgenuss noch einmal um eine Stufe und lassen rasch vergessen, dass die Geschichte nichts Besonderes ist. Mottola, der sich beim Schreiben des Skripts an seinen eigenen Sommer nach der Schule erinnerte, macht diese Komödie damit nicht nur sympathisch, sondern auch zu einer Ode an die unbeschwerten, schlecht bezahlten Sommerjobs, 80er-Musik und das Erwachsen werden. Ganz ohne Übertreibung und Kitsch.ADVENTURELAND ist schönes, leichtes Kino und Fans der Achtziger und von authentischen Coming-Of-Age Filmen uneingeschränkt zu empfehlen.
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