Max ist nicht der akademisch talentierteste Jüngling der Elite-Schule Rushmore. Er ist auch nicht der Schönste. Dennoch birgt in seiner Gegenwart etwas ganz Besonderes. Als Mitglied, Gründer oder Präsident von so gut wie jedem Schulclub ist er einer der bekanntesten und auch nervigsten Gestalten für den angeschlagenen Schuldirektor der Rushmore Academy. Dies soll sich noch verdoppeln, wenn Max ein Auge auf die junge, neue Schönheit des Lehrkörpers, Rosmary, wirft. Schnell wird klar, was der exzentrische fünfzehn-jährige Schüler seiner meeresbegeisterten Angebeteten schenken müsse, um ihr Herz zu erobern: Er würde den Sportplatz für sie in ein riesiges Aquarium verwandeln. Und dabei soll ihm der industrielle Millionär und Freund Hermann helfen. Dass der Schuldirektor nicht über die Idee erfreut ist und den jungen, begeisterten Max von Rushmore verbannt, ist der geringste Schicksalsschlag für den eigenwilligen Jugendlichen. Viel tiefer trifft ihn die Gefühle, die zwischen Rosmary und Hermann zu sprießen scheinen ...
Nachdem der kluge Visualist in seinem Regiedebüt die drei verrückten, unfähigen Kleinkriminelle auf das Kinopublikum losließ, muss Wes Anderson mit Rushmore die Schulbank wieder drücken.
Das Problem mit der Beschreibung von Wes Anderson-Filmen ist stets: Wo liegt die Genialität. Wie kann man diese beschreiben. Bottle Rocket, Rushmore, The Royal Tenenbaums, The Life Aquatic with Steve Zissou und The Darjeeling Limited. Jeder Einzelne von diesen hervorragenden Filmen beweist jene unumstößliche Anderson-Qualität, welche sie zu derartig sehenswerte Exemplare des Genres deklariert. Dennoch bestehen Niveauunterschiede. Warum ist sein letztes Werk derartig „mittelmäßig“ für eine Anderson-Produktion, und warum ist im Gegenzug Rushmore ein solcher Geniestreich. Schon Jahre bevor der Regieexzentriker seine Langverfilmung des Debüts veröffentlichte, hatten er und sein Co-Autor – kein anderer als sein Kumpane Owen Willson – das Skript um den schrulligen Schüler verfasst – und scheinbar hier all ihre grotesken Ideen gepackt, die sie seit Jahren gesammelt hatten. Der damals 29-jährige Regiefrischling fand in seiner zweiten Arbeit schon einen beachtlichen Rhythmus, der schwunghaft die Atmosphäre eines Instant Classics auf sich beschwor. Anderson packte die überaus gelungene und gut ausbalancierte Geschichte um das Beziehungsdreieck zwischen den jugendlichen Max, der doppelt so alten Rosmary und den alternden Hermann in eine Regiekonstruktion, die ihn noch legendär machen sollte. Jedes Bild ist wohl durchdacht, geplant bis ins kleinste Detail. Es ist jener für Anderson spezieller, subtiler Humor, der hier in jedem einzelnen Frame vorhanden ist. Nur wenige Filmemacher können diese Perfektion in ihren Bildern erreichen. Denn das Tempo, welches Anderson mit seinen Bildern vorgibt, wird genausten von jener schwungvollen Melodie abgerundet, die Rushmore in sich selber abschließen lässt. Der Film braucht nicht mehr, er braucht nicht weniger. Und hier liegt wohl die Antwort begraben, warum der Regiegigant hier ein wahres Meisterwerk vollbrachte. Jedes einzelne Frame ist wichtig. Kein einziges Frame jener beinahe 100 000 könnte man aus dem Film entnehmen, ohne Rushmore seine Einzigartigkeit zu berauben. Das ist wahre Genialität.
Schon der Name Owen Willson als Drehbuchcredit zeugt von der Tatsache, dass Wes Anderson ein sehr stark Esemble-zentrierter Regisseur ist. Jeder seiner Filme, in denen allzu oft die „üblichen“ Verdächtigen des Anderson-Clans ihr Gesicht zeigen dürfen, ist bezüglich seines Casts wohl überlegt. Anderson hat die seltene Gabe, seinen Darstellern in ihrer Verfassung die richtige Rolle zu verleihen. Kaum ein Filmemacher kann jene Hirngespinste, die in seinem Kopf herumgeistern, derartig gelungen zu Menschen werden lassen. Trotz der Fremdheit und der Irrealität ihres Verhaltens sind die Anderson-Gestalten stets lebendig verfasst und meist auch einem bestimmten Akteur auf dem Leibe geschrieben. Und so verdienen auch hier wiederum die beiden superben Hauptdarsteller, Jason Schwartzman und Bill Murray, einen besonderen, separaten Applaus. Der damals erst 20-jährige Schwartzman, der sich in den letzten Jahren besonders in dem Independent-Kino bzw. bei eigenwilligen Produktionen der tragikomischen Mainstreams aufgefallen ist, konnte mit seinem Schauspieldebüt in Rushmore ein superbes Fundament für seine weitere Schauspielkarriere schaffen. Wahrlich erfrischend ist seine Darbietung als exzentrischer Max, der sich einer arroganten Kunstgestalt gleich alles nimmt, was er will. Seine Gestik ist präziser als ein Schweizer Uhrwerk. Schwartzman stolziert durch die Hallen der Schulen, keineswegs körperlich jene imposanteste Gestalt, jedoch strahlt eine naive Autorität von seiner Erscheinung aus. Demgegenüber steht Bill Murray, der bis dahin sich eher mit diversen Mainstreamkomödienhits die Gelächter auf seine Seite zog. Der alternder Komödiant weiß genau, was „witzig“ ist – und dennoch schlägt er gedämpft in eine ganz neue Richtung ein. Was die heutige Zuschauerschaft schon längst aus Darbietungen wie aus Sofia Coppolas Lost in Translation oder Jim Jarmuschs Broken Flower kennt, wird hier in diesem schrulligen Independenthit des Jahres 1998 begründet. Murray streicht jegliche Übertreibung aus seinem Spiel, um eine lebensnahe Energie in diese lebensferne Figur zu stopfen. Das Ergebnis ist seine markant zurückhaltende Aura, die lakonisch und dennoch wahrlich humorvoll durch eine groteske Welt stampft.
Fazit:
Rushmore und seine Aktstruktur ist einem klassischen Stück eines Meisterdramatikers wie Shakespeare oder Marlowe nachempfunden, jedoch findet Wes Anderson in seiner Bildsprache ein Ausbrechen aus der Klassik, um ein modernes Kultstück zu schaffen. So bleibt nur zu sagen: Rushmore ist im pursten und besten Sinne Anderson-esk.
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