Wir schreiben das Jahr 1962, als die nicht gerade schlanke Tracy Turnblad nahezu jede Folge der Corny Collins Show verschlingt. Einmal möchte sie selbst in dieser Tanzsendung mitwirken. Einmal will sie mit den süßen Jungen, den sie immer vor der Linse sieht, tanzen. Als in der Gegend ein Casting, ein Vortanzen für gerade diese Show stattfindet, beschließt Tracy es gemeinsam mit ihrer Freundin zu probieren. Sich zu trauen unter all den ranken und dünnen Teenager ihre runden Hüften zu schwingen, und damit den Juroren zu begeistern. Seltsamer Weise gelingt das Vorhaben, und die freche Dicke wird genommen. Amber van Tussle verdreht die Augen als ihr Tracy zum ersten Mal begegnet. Für den überheblichen Star der Show passen diese Formen nicht in das Weltbild. Doch trotz der folgenden Intrigen gelingt es Tracy nicht nur den Platz ganz vorne, vor der Kamera einzunehmen. Sie schafft es auch den Mann ihrer Träume, der noch dazu Ambers Freund ist, einzunehmen und zu erobern.
Regisseur John Waters, der in der Filmwelt fälschlicher Weise auch als schwarzes Schaf bezeichnet wird, ist dafür bekannt, dass er die Reize des Geschmacks austestet, und teilweise auch überschreitet. Deshalb gingen seine früheren Werke auch als Trash Klassiker in die Geschichte ein. PINK FLAMINGOS ( 1972 ), FEMALE TROUBLE ( 1974 ) und DESPERATE LIVING ( 1977 ) wurden in ihrer Zeit als die Trilogie des schlechten Geschmacks bezeichnet. In Folge wurden John Waters Filme dem breitem Publikum zuträglicher gemacht, in dem man sie für den Mainstream konzipiert hatte. HAIRSPRAY ( 1988 ), CRY BABY ( 1990 ), oder SERIAL MOM ( 1994 ) zeigten bereits den eben beschriebenen Weg. Danach kamen mit PECKER ( 1999 ), CECIL B. DEMENTED ( 2000 ) und A DIRTY SHAME ( 2004 ) in unsere Kinos. Aber mit diesen Produkten konnte der Filmemacher nicht mehr an vergangene Erfolge anschließen.
John Waters versteht es, trotz allem Kitsch und Skurrilem, auch auf ernstere Themen hinzuweisen. Diese bleiben, eben wegen der lauten und bunten Bildsprache, zwar dezent im Hintergrund, aber nicht im verborgenen. In HAIRSPRAY aus dem Jahre 1988 gibt es auf zwei dieser Komponente hinzudeuten. Figuren, am Rande der Gesellschaft, haben es als Individuum schwer. Alle die nicht unserer “ normalen Form “ entsprechen, sei es das Übergewicht, ein ungewöhnliches Aussehen, oder ein geistiges oder körperliches Gebrechen, werden leider bis zum heutigen Tag, schief angesehen, oder gar ausgegrenzt. Wahrscheinlich war dieser Umstand, als der Film vor gut 20 Jahren entstand, noch drastischer als in der jetzigen Zeit. Trotzdem ist dieses Problem, heute und sicher auch noch in Zukunft, ein präsentes. Die zweite, und wahrscheinlich offensichtliche Komponente ist mit “ Rassismus “ zu benennen. HAIRSPRAY zeigt eine Welt die nicht für Personen mit einer dunklen Hautfarbe gemacht wurde. Zwar gehen die Leute für eine Gleichberechtigung auf die Straße, aber von dieser sind sie noch weit entfernt.
Will man HAIRSPRAY ohne der bestehenden Problematiken verfolgen, und in jeder Richtung wertfrei sehen, so bleibt ein völlig vergnüglicher Filmspaß übrig. John Waters streut jede Menge Zynismus und Skurrilitäten mit ins Geschehen und verpasst dem Ganzen einen märchenähnlichen Rahmen. Die Darsteller konnten, vor allem wegen Divine, der die Mutter verkörpert, und Ricki Lake überzeugen. Aber auch die restliche Besetzung kann sich sehen lassen. Deborah Harry, Jerry Stiller, Pia Zadora oder John Walters selbst, geben ihr bestes um dieser schrägen Komödie einen bleibenden Eindruck zu verpassen. Wenngleich HAIRSPRAY, im Gegensatz zu Walters früheren Werken nicht mehr diesen bösartigen, aber humorvollen “ Dreck “ besitzt, so bleibt dennoch ein überaus witziger, und allemal sehenswerter Film übrig.
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