Jeder Jahrestag gehört gebührlich gefeiert. Daher werden für diese besonderen Stunden regelmäßig neue Pläne geschmiedet. Für dieses Mal haben sich die liebevoll dominante Polly, und der stets nachdenkende Seth, für ein Wochenende unter freien Himmel, in den dichten Wäldern Oklahomas, entschieden. Doch als der “ vernünftige “ Seth die Gemütlichkeit bemängelt, und noch dazu das mitgebrachte Zelt den Geist aufgibt, beschließen die beiden die Natur sein zu lassen. Sie packen ihre Sachen, steigen in den Wagen, und beginnen die Suche nach einem geeigneten Motel. Doch die Fahrt ist nur von kurzer Dauer, als Polly eine scheinbar hilflose Frau einsam am Straßenrand vorfindet. Sollen sie abbremsen, oder doch weiterfahren ? Immerhin befinden sie sich in der Einöde Oklahomas. Vielleicht war es Neugier, warum Polly den Wagen anhält. Als die seltsame Frau näher kommt, wird die Unsicherheit größer. Doch zu spät. Die leicht weggetretene Dame, die sich als Drogenjunkie entpuppt, hat einen Begleiter. Und dieser hält Polly und Seth gerade einen Revolver vor die Nase. Schnell sind die Wochenendler überwältigt und werden von nun an als Geiseln gehalten. Der entflohene Sträfling Dennis und die abhängige Lacey sind sich nicht im klaren, dass sie außer Seth und Polly, der Polizei, die eine Großfahndung angelegt hat, noch eines am Hals haben. Etwas dass ihnen noch weit mehr Schwierigkeiten bereiten wird, als sie glauben. Etwas eigenartiges, und noch nie zuvor da gewesenes, wird schon sehr bald ihrer Wege kreuzen, und für Horror der besonders grauenvollen Art sorgen.
Als SPLINTER mit seinem Inhalt beginnt, glaubt der Zuseher bereits in sicheren Gewässern zu schwimmen. Alles scheint auf einen gegenwärtig modernen Tortur / Horror Film zu deuten. Doch nach einer kleinen Anlaufzeit wird klar, das Regisseur Toby Wilkins einen anderen Weg beschreitet, der sich wesentlich vom Üblichen abhebt. Er bedient sich einer Eigenschaft, die heutzutage viel zu wenig eingesetzt wird. Die so genannte Unbekannte weiß doch viel mehr Gefahr zu erzeugen, als die vordergründige Gewalt. So lange der Betrachter nicht erkennt woran er ist, kann ein Film das Publikum erheblicher in seinem Bann ziehen. Wie auch die Protagonisten, die sich kaum ihrer Notlage erwehren können, so werden auch wir, vor der Leinwand, buchstäblich auf die Folter gespannt. Ein klaustrophobisches Gefühl, jenes unheimlich gut zum Horror Genre passt, umgibt den Betrachter. Ein Nichtentkommen können mischt sich mit dem mulmigen Gefühl des Ungemütlichen.
Die Machenschaft der neueren Produktionen setzt immer mehr auf Hilfsmittel aus dem Computer. Fast könnte man glauben, dass es ohne Special Effects nicht mehr geht. Die Darsteller kämpfen gegen Widersacher, die aus der Stromdose kommen. Für sie sind ihre Gegner nicht mehr greifbar, denn erst in der Nachbearbeitung werden diese eingebaut. Anders verhält sich die Situation in SPLINTER. Natürlich wird auch hier für gewisse Szenen der PC benutzt. Das eigentliche Böse, die unheimliche Kreatur, ist hier echt. Ohne an dieser Stelle viel zu verraten, wurden sich seitens der Produktion viele Gedanken gemacht, um dieses so innovativ wie nur möglich, einzusetzen. Diverse Maskenbildner, sowie Make Up Artisten, sorgen dafür, dass dieses mysteriöse Wesen ihr schauriges Aussehen erhält. Als kleiner Tipp kann so nebenbei John Carpenters “ DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT “ genannt werden. Zudem wurde ein amerikanischer Turner engagiert, der in stundenlanger Eigenregie menschenfremde Bewegungen kreierte. Außerdem kam noch ein Pantomime mit ins Boot, der für die zuckenden Verrenkungen der Arme oder Finger verantwortlich war. Insgesamt bietet das Endergebnis, eine völlig neue Art eines Geschöpfes.
Vermutlich liegt es an den geringen Produktionskosten, dass die Actionszenen sehr schnell geschnitten, und teilweise undeutlich gezeigt werden. Wegen dieser Vorgehensweise konnte man wahrscheinlich kleine Fehler kaschieren. Es darf aber an dieser Stelle keine Anprangerung stattfinden. Denn diese Umsetzung sollte für Produktionen, die mit weniger finanziellen Quellen auskommen müssen, ein legitimes Mittel sein. Schnell kann es passieren wenn, ein schwächeres Detail zu lange in der Kamera bleibt, eine unfreiwillige Komik auftritt. Und mit einem Cut an der richtigen Stelle, oder einer düsteren Beleuchtung, kann ein begabter Regisseur aus einem vorhandenen Manko noch Kapital schlagen. Und das ist den Verantwortlichen durchaus gelungen. SPLINTER wirkt klein aber fein, und rundum stimmig. Er erzeugt stets eine klaustrophobische und bedrohliche Atmosphäre. Das Team schöpft aus den begrenzten Mitteln fast das Optimum des Erreichbaren.
Die finanziellen Schwächen und gewisse Logiklöcher in der Geschichte wirken sympathisch. Die Autoren Kai Barry und Ian Shorr verzichten weitgehend auf Erklärungen. Es wird als Beispiel nur aus der Vergangenheit eines Charakters erzählt. Während das gute alte Hollywood alles wiederholt, jede Situation zwei bis dreimal erklärt, hält SPLINTER nicht viel davon. Auch mit der Tatsache dass die Kreatur, oder was auch immer in den alten Wäldern lauert, einfach da ist, muss sich der Zuseher abfinden. Von wo es kommt, beziehungsweise wohin es geht, obliegt der Phantasie des Betrachters.
Fazit:
SPLINTER ist kein großes Kino. Vielmehr ist dieser Horror Film aber eine engagierte Low Budget Produktion, in dem die Verantwortlichen jede Menge Herzblut steckten. Das Bedrohliche wirkt alles andere als lächerlich, und dem Gore Freak wird es freuen, dass auch der Blutgehalt stimmt. Ein Faktor, dass bei Genre Liebhaber nicht unwesentlich ist.
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