Great Britain has got one. Kazakhstan has got one. And now, Austria has got one too.
Der britische Schockkomödiant Sacha Baron Cohen hat in den letzten Jahren durch seine Leinwandauftritte mehr Aufsehen erregt als jeder Andere seines Metiers. Sein neuester Streich, in dem er ein absolutes Novum seines Persona-Schrankes enthüllt, wird nun wie eine Atombombe in Österreich einschlagen. Bühne frei für Brüno!
Sacha Baron Cohen hat damals mit seiner Rolle Ali G. ein prägnantes Loch in das britische Kulturwesen gebrannt. Mit seiner aufdringlichen Art legte jener Schocker sowohl in seiner Fernsehshow als auch den unterschiedlichen Verfilmungen jedes penibel verdeckte Geheimnis einer versnobten Gesellschaft frei. Mit Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Nation of Kazakhstan riss Cohen das homogene Gebilde der amerikanischen Kultur auseinander, die allerlei Blödsinn verzapft. Ein Riesenhit war die Folge. Nachdem Ali G. – sowohl die Direct-2-Video-Produktionen als auch die Kinoversion – einen relativen Erfolg hatte, konnte Cohen sich mit Borat in einer völlig neuen Dimension profilieren. Kritiker empfanden dieses exzentrische Produkt der Ambush Interview-Technik als ein wunderbares Novum für die heutige Kinolandschaft. Provokant bis zur letzten Minute, unvergesslich in seiner Provokation. Und genau in diese Kerbe will Cohen nun mit seinem neusten Werk Brüno schlagen. Eines vorweg, ihm gelang es – und noch viel mehr. Doch zunächst zu jener Schwäche, die sich in seinen vorigen Werken einschlich. Die Dramaturgie natürlich. In seinem ersten Leinwandauftritt, in dem nur selten jene scharfe ironische Raffinesse seiner letzten Kinoabenteuer zu Tage trat, wurden die wenigen klugen Witze noch dazu von einer überkonstruierten Dramaturgie von ihrem letzten Fünkchen Charme entkleidet. Demgegenüber der weitaus radikalere Hieb Borat, der mit seiner skurrilen Art jegliche Ketten der republikanischen Gesinnung zersprengt. Doch gleichzeitig zerreißt er hierbei ebenso die Stufen einer fein justierten dramatischen Treppe. Und nun Brüno: Weder zu sehr konstruiert noch irgendwo im Nirgendwo. Dem Regisseur Larry Charles und seinem Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Zugpferd Sacha Baron Cohen gelingen mit Brüno ein wohl ausbalanciertes Werk, das in perfekter Weise den grotesken Humor noch verfeinert. Alle Handlungsstränge, jede kleinste Bewegung der Geschichte ist auf das Genaueste hin zu einem der besten Finalen seit langem getrimmt. In dem ganzen Chaos, welches Brüno in der gesamten Welt hinterlässt, läuft der Handlungsbogen nicht nur so fein wie ein Schweizer Uhrwerk ab, sondern kann sogar die Feinmotorik einer rosaroten, österreichischen Kuckucksuhr übertreffen.
Doch nun zu jenem, das in dem Interesse des Großteils des Publikums liegt: Der Humor. Die Meisten werden sich nach dem überaus amüsanten Borat fragen, ob Cohen wirklich noch eines drauf legen könnte – oder ob er nur eine „Eintagsfliege“ wäre, die ihr Verfallsdatum schon längst überschritten hätte. Der Charakter des homosexuellen, österreichischen Modereporters, der nur von dem Weltruhm träumt, ist vielleicht in manchen Belangen sogar noch gelungener als seine bisherigen Personae. Jedoch den wirklich großen Vergleich zwischen Borat und Brüno kann man eigentlich gar nicht anstellen. Beide sind zum Leben erwachte Stereotypen, die sich perfekt in das Weltbild der amerikanischen Gesellschaft einschreiben lassen. Ein „Besser“ oder „Schlechter“ kann man nicht wirklich festmachen – nur ein „Anders“ kann deklariert werden. Und die beeindruckende Leistung ist, dass Sacha Baron Cohen gerade dieses „Anders“ in vollsten Zügen genießt. Ohne mit der Wimper zu zucken schlüpft der geniale Schauspieler von einer Figur in die Nächste und kann beide Rollen in einer unglaublichen Präzision dem Zuschauer zur Schau stellen. Da sich der Skandalkomiker weiterhin die amerikanische Gesellschaft, auf sehr ähnliche Weise wie in seinem vorangegangen Film, auf dem Arm nimmt, ist jenes sicher: Brüno ist einfach nur unglaublich komisch. Keine erst-, zweit- oder auch dirttklassige Prominenz ist vor dem Schlächter der guten Sitten zu retten. Er legt in brutalster Manier zugleich jene latente Homophobie einer puritanischen Nation und auch die verzweifelte Sucht nach Ruhm frei. Natürlich kann man dem Werk gewisse Abnutzungserscheinungen bei dem vierten oder fünften Mal Sehen vorwerfen, doch bis man diesen Zeitpunkt erreicht hat, wird man sich noch köstlichst amüsieren können. Sacha Baron Cohen hat eigentlich mit Borat und Brüno ein völlig neuartiges Level der Ambush Interview-Technik erreicht. Er tritt nicht mehr Leuten auf die Füße. Das wäre ihm viel zu plump. Vielmehr tänzelt er galant auf diesen mit unglaublich boshafter Freude herum, dreht sich in einer gekonnten Pirouette und landet schadenfroh mitten in die Weichteile einer ganzen Nation. Wir wollen mehr.
Fazit:
Provokant, politisch und saukomisch. Mit Brüno hält uns der geniale, britische Skandalkomiker Sacha Baron Cohen im wortwörtlichen Sinne seinen Penis ins Gesicht und lässt uns dabei am Boden Tränen lachend kullern. Mit Aktionen, die ihresgleichen suchen, überflügelt Cohen in vielen Szenen salopp den äußerst provokanten Borat, um ein neues Level der Unterhaltung zu erreichen. So bleibt mir nur zu sagen: Brüno ist süper!
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