Tage oder Stunden

  • Informationen zum Film
  • Tage oder Stunden

  • Originaltitel:
    Deux jours à tuer
    Genre:
    Romanze, Drama
    Produktionsland:
    Frankreich
    Produktionsjahr:
    2008
    Kinostart Österreich:
    12.06.2009
    Kinostart Deutschland:
    30.04.2009
    Verleiher Österreich:
    Polyfilm
    Verleiher Deutschland:
    Arsenal Filmverleih
  • Cast & Crew
  • Regie:
    Jean Becker
    Drehbuch:
    François d'Épenoux, Eric Assous, Jérôme Beaujour, Jean Becker
    Musik:
    Alain Goraguer, Patrick Goraguer
    Darsteller:
    Pierre Vaneck, Annick Alane, Mathias Mlekuz, Thierry Liagre, Anne Loiret, Albert Dupontel, Marie-Josée Croze, Alessandra Martines, François Marthouret, Jean Dell, Titouan Laporte, Cristiana Réali, Claire Nebout, José Paul, Daphné Bürki, Samuel Labarthe, Guillaume de Tonquedec, Xavier Gallais, Stéphan Wojtowicz, Marie-Christine Adam, Niall Mac Eachmharcaigh, Marine Laporte, Mario Pecqueur
  • Inhalt
  • Antoine Méliot, 42 Jahre alt, kann mit sich zufrieden sein - eine schöne Frau, zwei bezaubernde Kinder, echte Freunde, auf die er sich jederzeit verlassen kann, ein erfülltes Berufsleben, ein hübsches Haus in einem Pariser Vorort und genügend Geld. Eines Tages jedoch zerstört er all das an einem einzigen Wochenende: sein Glück, seine Familie, seine Karriere. Keiner versteht, warum. Die berühmte Midlife-Crisis? Ein Anfall von Wahnsinn?
  • Filmkritik
  • DIALOG MIT MEINEM GÄRTNER wusste als eine erfrischende französische Komödie über eine Freundschaft zwischen zwei Männern zu unterhalten. Mit TAGE ODER STUNDEN betritt Regisseur Jean Becker zu Beginn zwar erneut das Terrain des Amüsanten, um es kurze Zeit später abrupt zu verlassen. Trotz guten Wortwitzes, beißendem Sarkasmus und trockenen Humors findet sich der Zuseher nach rund 20 Minuten in einem bewegenden Drama wieder, basierend auf dem Roman von Francois d'Epenoux, gleichlautend wie der Originaltitel: Deux Jours à Tour.


    ...das Leben ist wie dein Brot. Heb dir was für morgen auf...


    Antoine Méliot – gespielt von einem großartigen Albert Dupontel - eckt an, wo anzuecken ist, lässt keinen Moment der Möglichkeit zu scharfer Kritik an seinen Lieben aus und bricht zusehends mit Beruf/Kollegen, Freunden und Familie. Zeigt man sich zu Beginn noch relativ amüsiert darüber, wie der Hauptprotagonist trocken austeilt, stellt sich nach und nach ein flaues Gefühl im Magen ein. Was mit bissigen Verbalhieben in Richtung Gesellschaft und Bürgertum beginnt, wird peu en peu richtig verletzend empfunden. Die vielen Schmunzler zu Beginn des Filmes weichen der Unverständnis von Antoine und dem stärker werdenden Bedürfnis nach dem Kennen des Motives des erfolgreichen Familienvaters. Analog dazu erfährt auch der Film eine jähe Veränderung. Schauplatz und Umfeld ändern sich. Dupontel ist dabei alles einvernehmend und besticht sowohl als Haudrauf als auch als nachdenklicher Einzelgänger. Trotz weiterer guter Besetzung (MARIE-JOSÉE CROZE, PIERRE VANECK) kennt das Drehbuch nur DEN einen Hauptdarsteller. Die restlichen Figuren sind mit Ausnahme von Ehefrau und Vater nur auf das Nötigste ausgearbeitet, werden jedoch solide dargeboten.


    ...ich will Geschichten, ich will Reisen...


    „Alles andere als glatt“ ist eine gute Bezeichnung für Jean Becker's Film. Er inszeniert Geschichte als auch Figuren mit Ecken und Kanten, menschlich und besonders und hält das ungewöhnliche Treiben für die Zuseher nüchtern fest. Er erlaubt sich weder Lob noch Tadel für den Mut zur Kritik, sondern konzentriert sich ausschließlich auf Wirken und Wesen des sichtlich gebeutelten Zentrums seines Werkes, Antoine. Damit sich das Drama nicht in Eintönigkeit verliert, bricht auch Becker in der Mitte des Films mit seiner Linie und unterteilt TAGE UND STUNDEN strikt in zwei unterschiedliche Teile. Ein riskantes Unterfangen, nach einer hitzigen und aufwühlenden ersten Hälfte das Tempo massiv zu drosseln. Man sieht die weiche Seite der Hauptfigur und findet damit Zeit und Möglichkeit auf die ursprüngliche und immer drängendere Frage nach dem Motiv eine Antwort zu finden. Midlife-Crisis? Ausbrechen aus dem Bürgertum oder einfach nur Wahnsinn?


    ...ich habe noch Brot, noch Zeit, aber wieviel?...


    So spektakulär ist der Plot widerum nicht, als das diese Antwort befriedigend ausfallen würde. Der fragende Zuseher kommt mit etwas Grübeln (weil ihn der Regisseur mit der ruhigen zweiten Hälfte auch lässt) auf des Rätsels Lösung, doch damit verliert der Film keineswegs an Attraktivität. Denn Becker wirft nach der scheinbar beantworteten Frage nach den Beweggründen eine weitere, nicht minder interessante auf: Ist dieses Verhalten legitim oder doch nur feige? Ob es Becker gelingt, beide grundverschiedene Teile zu einem gelungen Film zusammenzuführen ist sicherlich streitbar und von den Filmgewohnheiten des Publikums abhängig. Trotz Auflösung wird TAGE ODER STUNDEN nie ein runder Film. Immer wieder bohren sich Fragen in die Gedanken des Zusehers, wohl nicht zur Handlung und dem Verständnis derer, sondern vielmehr zu Mitteln und Wege wie er in so einer Situation agieren würde.


    ...ich bin nicht fertig, ich bin nicht fertig...


    Becker's neuester Streich ist ein gelungener. Er handelt von Liebe, Mut und Egoismus und weiß vor allem zu bewegen. Im Besonderen, als am Ende das wahrlich ergreifende und bittere „Le Temps Qui Reste“ (dessen Auszüge in diesem Text als Überschriften dienen), interpretiert vom 2004 verstorbenen Chansionier SERGE REGGIANI, ertönt. TAGE ODER STUNDEN ist vielleicht nicht immer stimmig, die Aufteilung in zwei Teile nicht jedermann's Geschmack und ob sich der Zuschauer befriedigt aus dem Kinosessel erheben wird ist nicht garantiert. Sicher ist jedoch, dass der Film zum Diskutieren anregt. Becker kaut den Stoff nicht vor, sondern schildert ihn auf nüchterne Art und Weise. Das Urteil zur Thematik soll von den Sehenden gefunden werden und dabei hilft die Menschlichkeit, vor der seine Figur nur so sprüht. DEUX JOURS À TUER ist ein interessanter Film gerade weil im Leben nicht immer alles einfach ist und weil die eigenen Lieben genauso ihre Ecken und Kanten haben...alles andere als glatt eben.
  • Kurz Kritik
  • Story
    3,5
    Musik:
    4,0
    Unterhaltung:
    3,5
    Anspruch:
    3,0
    Spannung:
    3,5
    Darsteller:
    4,5
    Gesamt:
    4,0
    Verfasst von:
    Ld_Jackpot

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