Finn ( Campino ) hat sein berufliches Leben voll im Griff. Er ist ein topbezahlter Fotograph dem es an Langeweile keinesfalls mangeln kann. Er hält in exotischen Ländern die schönsten Frauen fest, dirigiert sie in spektakulären Locations. Freizeit gibt es so gut wie keine. Die wenigen Augenblicke, die er für sich beanspruchen darf, verbringt er mit einem Mp 3 - Player im Ohr. Dann fühlt sich der Fotograph, abgekapselt von der so hektischen Welt, geboren und wohl. Eines späten Abends, als er mit seinem Wagen die Heimreise antritt, versucht er mitten auf der Autobahn, ein Rundumbild mit der Panoramakamera zu ergattern. In jenem Moment als Finn auf den Auslöser drückt, kommt ihm wie von Sinnen ein Geisterfahrer gefährlich nahe. Fast hätte es eine Frontalkarambolage gegeben, und Finns Leben wäre urplötzlich Vergangenheit. Dieses einprägsame Erlebnis kaut in der Seele des schnelllebigen Starfotographen. Daher beschließt er, nach einem schnellen Shoot mit der hochschwangeren Milla Jovovich, einmal eine Auszeit zu nehmen, und das Leben Revue passieren zu lassen. Da bietet sich die Stadt in der Finn sich momentan befindet nahezu an. Palermo kann wegen dem Ambiente, seinem ruhigen Leben, und dem attraktiven Äußeren überzeugen. Und ein paar Tage Ruhe, weg vom hektischen Treiben, scheint für ihn wohl das vorrangige Ziel zu sein. Aber aus der so ersehnten Ruhe wird nichts, denn ein mysteriöser Fremder ( Dennis Hopper ) scheint Finn zu verfolgen, ja sogar nach seinem Leben zu trachten. Dabei könnte dieses Photo, jenes auf der Autobahn geschossen wurde, für Finn zur Aufklärung dienen.
Bereit 50 Filme gehen auf das Konto des 1945 in Düsseldorf geborenen Regisseurs Wim Wenders. Darunter sind bemerkenswerte Werke wie DER AMERIKANISCHE FREUND ( 1977 ) mit Dennis Hopper, PARIS TEXAS ( 1984 ) oder DER HIMMEL ÜBER BERLIN ( 1987 ) zu finden Nach seiner hochgeschätzten Dokumentation BUENA VISTA SOCIAL CLUB ( 1999 ) entstand mit Milla Jovovich THE MILLION DOLLAR HOTEL ( 2000 ). Aus der Wahl der Besetzung ergibt sich der Schluss, das Wim Wenders gerne auf Altbewährtes zurückgreift. Daher ist es auch durchaus logisch, das Hopper und Jovovich auch in PALERMO SHOOTING mit von der Partie sind. Die Besetzung des Protagonisten allerdings, entschließt sich nicht unbedingt auf den ersten Blick. Denn Campino ist zwar als Kopf der Band TOTE HOSEN der Öffentlichkeit bekannt, aber auf Erfahrung im Filmbusiness kann der Frontmann kaum, oder nur bedingt zurückgreifen. Vielleicht liegt es an der Ortsnähe, Wenders und Campino sind eingefleischte Düsseldorfer. Möglicherweise liegt es auch nur an der Affinität des Regisseurs zur deutschen Musikkultur.
Auf dem ersten Blick, und während der Entwicklungsphase, bietet das Projekt PALERMO SHOOTING durchaus positive Eindrücke. Der Zuseher wird in eine realistische, aber für den Großteil fremde Welt geschleudert. Das Tempo, dass der Protagonist im Produkt erlebt, überträgt sich eins zu eins auf den Betrachter. Die ruhigen, mit gut gewählten Songs untermalten Szenen, empfindet nicht nur der Charakter im Film angenehm. Die Geschichte verrät zu Beginn nicht zuviel, sodass man gespannt und interessiert auf den weiteren Verlauf wartet. Aber umso länger die Abwicklung von statten geht, umso grotesker gestaltet sich die Situation. Keine Ahnung welches Süppchen, oder an welchen Pilzen während den Dreharbeiten genascht wurde. Aber der Film, der doch zu Beginn noch einen positiven Eindruck hinterließ, wird wegen der abgehobenen Geschichte, und der nicht nachvollziehbaren Handhabe, zur Mission Impossible. Keine Frage erhebt PALERMO SHOOTING einen gewissen Anspruch für sich, dennoch wird der Kinobesucher größtenteils den Saal unbefriedigt verlassen. Die Ansammlung der Fragezeichen lösen sich kontinuierlich in Desinteresse auf. So bleibt letztendlich nicht viel, was positiv im Gedächtnis verbleibt.
Auch die Darsteller schlagen, obwohl man ihnen die Schuld nicht immer anlasten kann, in die selbe Kerbe. Bei Campino ist es natürlich die Unerfahrenheit als Schauspieler. Und die durchzuführenden Dialoge in Englisch oder Italienisch tragen nicht unbedingt zur Glaubwürdigkeit des Schauspiels bei. Selbst die einfachsten Sätze wirken nicht rund und abgehakt. Ein wenig kann Campino sein Manko an Talent mit Ausstrahlung und mit Ergeiz ersetzen. Zum Endergebnis über dem Strich reicht es aber bei weitem nicht. Auch Dennis Hopper, der seine Künste dahingehend schon des Öfteren unter Beweis stellen konnte, darf in PALERMO SHOOTING nur oberflächlich agieren. Hegt der Film noch irgendwie eine Ambition in Richtung Kunst zu gehen, so schafft es das matte Drehbuch nicht seine Charaktere, insbesondere Herrn Hopper zu fördern. So bleibt ihr Schauspiel meist ein gruseliges.
Fazit:
Es ist nicht sicher ob die Sinnhaftigkeit von PALERMO SHOOTING nur dem hier zu schreibenden Kritiker verborgen blieb, oder diese Frage die Mehrheit stellen wird. Was uns jedenfalls allen bleibt, sind ein paar schöne optische Einstellungen, gute und vor allem hörbare Musik, aber auch eine Geschichte, die jenseits von Gut und Böse ist.
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