“ Aus einer Mücke einen Elefanten machen “
Was ist möglich wenn ein Stein ins Rollen kommt, wenn zwei starrköpfige Menschen von Stolz gesteuert, nicht mehr zurück können. Was ist möglich wenn zwei gegensätzliche Menschen aneinander prallen, keiner den Schritt wagt, aufzugeben. Mit dieser Vorstellung setzt sich der belgische Regisseur Dominique Deruddere auseinander. Ihm geht es hier vordergründig nicht um die Gewalt. Viel mehr werden die einzelnen Charaktere und deren Tiefgründigkeiten eXzellent umgesetzt. Jeder hat sein eigenes Geheimnis. Natürlich stehen die beiden Hauptdarsteller ( Rohde und Ochsenknecht ) in Derudderes Werk im Vordergrund.
Aber ebenso wichtig ist jede einzelne kleine Besetzung. Etwa der Geschäftsmann der sich auf einem Sexwochenende mit einer Prostituierten befindet und daran zerbricht. Oder Walzers Tochter die niemals eine Liaison mit seinem Mitarbeiter zugeben würde. Der Angestellte der Angst in der Nacht hat und niemals allein in den Wald geht. Der ältere Sohn, der immer mehr das Verhalten eines Nazis zeigt. Und zu guter letzt der Kellner, der mit Vordauer des Filmes Berger ermutigt, weiter zu machen, nicht aufzugeben.
Diese Rollen sind es die den Film “ Die Bluthochzeit “ besonders dastehen lassen. Für einen gewalttätigen Film bezeichne ich ihn nicht, dann wäre das Werk inkonsequent. Mit mehr Gewalt würde Derudderes Film auf Dauer nicht funktionieren. Bemerkenswert und in jedem Fall nennenswert ist die Tatsache das der Film fast in Echtzeit gespielt wird. Alles passiert an einem Nachmittag und dem darauffolgendem Abend. Das hält die Geschichte frisch und das Thema bleibt zu jeder Minute spannend und interessant.
Das “ Die Bluthochzeit “ ein wenig den Bogen überspannt und überzeichnet wirkt, liegt daran das die Romanvorlage ein Comic war. Diese Tatsache bewirkt das der Film einen skurrilen Touch besitzt und von morbiden schwarzen Humor geprägt ist. Das fügt dem positiven Gesamteindruck aber keinerlei Schaden zu.
“ Die Situation eskaliert, wie weit muss es kommen um vernünftig zu werden “.
Hier sehe ich den einzigen Schwachpunkt des Films. Diesen Punkt, an dem es nicht mehr weiter zu gehen scheint, dieser Punkt wurde oftmals überschritten. Oder anders betrachtet, er wurde niemals erreicht. Was ich damit meine ist, das der Film nicht die richtige Stelle findet, zu enden. Er könnte ebenso 20 Minuten so weiter gehen oder auch 10 Minuten früher enden. Es hätte für mich eine Situation geben müssen, in der alles was vorher geschah, unwichtig geworden wäre. Eine Stelle die über die Grenze geht. Möglichkeiten dazu bietet der Film genug.
Ansonsten ist “ Die Bluthochzeit “ in jedem Falle eine Empfehlung wert. Mit Sicherheit ist der Film nicht für das breite Publikum gedacht. Aber an eines das einen guten deutschen Film zu schätzen weiß.
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