Nothing is impossible, what we all have done is impossible!
Zuletzt begeisterte Visualist Edward Zwick mit seinen beiden mehrfach Oscar nominierten Großprojekten Blood Diamond und The Last Samurai die Einwohner der Lichtspielhäusern. Nun beschreitet der sozialkritische Filmemacher historisch betrachtet die goldene Mitte zwischen den beiden Werken: Die von den Nationalsozialisten bedrängten Juden in den russischen Wäldern dienen ihm nun als Helden seiner Geschichte.
We have no more prayers, no more tears; we have run out of blood. Choose another people.
Das visuelle Wunderkind und Kritikerliebling Edward Zwick greift in seiner neuesten Arbeit erneut sein Lieblingsthema auf, welches ihm scheinbar nicht in Ruhe lassen will. Wie ein roter Faden zieht sich ein Sujet in unterschiedlichen Variationen durch seine Filmografie: David gegen Goliath. Der Schwächere gegen den Stärkeren. Der Widerstand gegen die Situation und das Wehren gegen die Gesellschaft. Zwick versucht in dieser Grundkonstellation, die doch die stärkste Dramatik zu schöpfen vermag, nun auch den zweiten Weltkrieg für sich zu bearbeiten. Es scheint eine halbe Ewigkeit zu sein, als Frank Beyers Nackt unter Wölfen als einer der ersten Shoah-Filme, der damals beinahe als einziger die Situation der Konzentrationslager unter die Lupe nahm, in den Lichtspielhäusern anlief. Und diese halbe Unendlichkeit verwandelt sich bei thematischen Vergleich schnell in eine Gänzliche. Hier begann die Sicht das jüdische Volk als eine wehrlose Gemeinde zu betrachten, die von der Umwelt – in diesem Fall kommunistische Widerstandskämpfer – gerettet werden müsste. Ausgemergelt ohne Lebensenergie geben sie sich den Tatsachen hin. Doch jetzt wird zurückgeschossen: Im Sommer wird mit Quentin Tarantinos Neuauflage des B-Movies Inglorious Bastards das jüdische Volk zum Kampf motiviert. Schon jetzt sieht man jedoch in Zwicks Defiance einen organisierten Widerstand in den russischen Wäldern, der sich auf wahre Begebenheiten beruft. Nicht die gut ausgebildeten US-Soldaten sind die Helden, sondern Bauern die um ihr Land kämpfen. Nicht mit neuster Technik ausgerüstet geht es auf Nazijagd, sondern das pure Überleben ist ihr Ziel. Der Regisseur dichtet die Geschichte der grausamen Wirklichkeit in poetischen Versen. Edward Zwick komponiert die russischen Wälder farblich zu einem Gemälde. Die unterschiedlichsten Grüntöne vermengen sich zu einem Rauschen der Farblichkeit. Das winterliche Weiß überflutet den Zuschauer mit seiner farblichen Wärme. Erneut gelingt es Edward Zwick in der Tristes der Geschichte wahrlich schöne Visualisierung zu finden, die den Vergleich mit einem Bilderbuch nicht scheuen muss.
Doch fragt sich der Konsument des Gedichts, ob jenes wirklich das ist, was man sehen will. Es tut zwar wirklich gut zu sehen, wie sich die Schwächeren gegen das System stellen, doch Zwicks Gesichtsbetrachtung will einfach nicht richtig Fuß fassen. Es ist alles zu tragisch schön. Genau die Stärke des Regisseur wird ihm in seiner neuesten Regiearbeit doch zum Verhängnis. Der Mensch kann einfach nicht im Dreck der Geschichte herumwühlen und blitzblank erneut emporsteigen. Die Taten der Menschen sind nicht sauber. Einerseits faszinieren die graziösen Landschaftsaufnahmen, andererseits wird aber zeitgleich mit Nachdruck nach mehr geschrien. Auch wenn James Bell oder Daniel Craig eine solide Leistung abliefern, will man doch lieber einen hageren Russen sehen, der seine Worte rau und schnörkellos aus seinem Hals spukt. Man sehnt sich nach den tristen Aufnahmen eines Cristian Mungiu, die den Zuschauer kaltherzig den ganzen Dreck zum Fressen gibt. Der Auditoriumsbewohner zeigt sich in seinem Anspruch getäuscht, wenn er den Sessel verlässt. Nur wenige Momente von Defiance lassen einen den verlangten, bitteren Nachgeschmack des zweiten Weltkriegs im Mund zurück. Der Zuseher will ins Gesicht geschlagen werden und dies noch am nächsten Morgen im Magen fühlen. Die Augen schmecken Zwicks saftige Aufnahmen, ein wohliges Gefühl setzt sich in dem Magen fest. Die schmutzigen Greueltaten wollen nicht so schmutzig erscheinen.
Fazit:
Einem Gedicht gleich liebkost die Leinwand sanft die Augen seines Publikums. Verführt den Geist mit himmlischen Klängen. Doch trotz all der tollen Leistungen und der schönen Bildsprache kann Defiance sein Potential nicht zur Gänze entfalten. So bleibt eines zu sagen: Edward Zwick ist einfach nicht schmutzig genug.
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