19 ausgiebige Jahre war Brenner ( Josef Hader ) bei der Polizei. Aber das ist lange her. Nun jobbt er unter Anderem bei seinen alten Freund Berti, für den er bei nicht zahlenden Kunden, Leasingautos zurück holt. Es ist ein mieser Job, und auch nicht sehr ertragreich, was die Finanzen betrifft. Deshalb nimmt er den nächsten Auftrag nur widerwillig an. Ein gewisser Horvath hat die letzten drei Raten für seinen knallgelben Beetle nicht mehr bezahlt und ist in der Provinz abgetaucht. Die Spur führt Brenner zum Löschenkohl, einer Gaststätte die auf Backhendl spezialisiert ist. Angekommen bemerkt der ehemalige Gesetzeshüter sofort den gesuchten Wagen, der direkt vor dem Eingang geparkt wurde. Brenner begibt sich in das Wirtshaus um in Erfahrung zu bringen, wo sich dieser Horvath gerade aufhält. Doch hier wird er nur unfreundlich und abweisend in Empfang genommen. Eine klare Antwort ist nicht zu bekommen. Und der Beetle, der gerade noch am Parkplatz stand, ist urplötzlich verschwunden. Der griesgrämige Expolizist ist dabei mit dem Schicksal zu hadern, als die Schwiegertochter des Lokalbesitzers, Birgit ( Birgit Minichmayr ) in sein Leben tritt. Und mit einem Schlag ändert sich die Gemütslage um 180 Grad. Die frische und gemütliche Art, sie wirkt ganz anders als der Rest, taut Brenners zu Stein gewordenes Herz schön langsam auf. Aber das Löschenkohl mit samt dem Wirten ( Josef Bierbichler ) birgt ein furchtbares Geheimnis, in dem selbst den abgebrühten Brenner das Blut in den Adern gefrieren lässt …
Nach KOMM SÜSSER TOD ( 2000 ) und SILENTIUM ( 2004 ) ist DER KNOCHENJÄGER ( 2009 ) der dritte gemeinsame Spielfilm des Gespanns Josef Hader ( Darsteller ), Wolfgang Murnberger ( Regie ) und Wolf Haas ( Autor ). Während im ersten Teil der “ Brenner “ Saga noch die Organisationen und deren Machenschaften angeprangert wird, und in der Fortsetzung die Kirche ihr Fett weg bekommt, gilt in DER KNOCHENMANN die private Seite der Hauptfigur zu entdecken. Obwohl, wie auch in den vorhergegangenen Filme, die Mordlust all gegenwärtig ist, wird ein besonderes Augenmerk auf das Seelenleben des Protagonisten gelegt. Brenner darf sich verlieben, und diesen Umstand wird verdankt, dass man den Charakter nun aus einem ganz anderen Blickwinkel erleben darf.
Konnte man die Vorgänger noch als zwei solide Thriller mit ironischen Kanten bezeichnen, so ist DER KNOCHENMANN durch die hinzugefügten Zutaten ein völlig eigenständiger Film geworden. Dem zufolge entsprang ein Genremischmasch aus Kriminalistischen Elementen, humorigen Dialogen, und einer unbeholfenen aber liebenswürdigen Love Story. Neu auch die Tatsache, dass nach den gewählten Großstädten Wien und Salzburg, diesmal ein Irgendwo im Nirgendwo als Schauplatz herhalten musste. Diese ländliche Idylle, jene auch schon im IN 3 TAGEN BIST DU TOT bestens funktioniert, trägt wesentlich zum gelungenen Ambiente bei.
Josef Murnbergers Inszenierungen sind meist unspektakulär. Sie verstehen aber immer das Publikum, durch die Tempowechsel und der präzise gewählten Schnittfolge, bei Laune zu halten. Langatmigkeit ist bei seinen Regiearbeiten ein Fremdwort. Der Unterhaltungsfaktor bleibt durchgehend im hohen Rahmen. Durch den urbanen Charme seiner Werke entsteht eine zusätzliche Sympathie, welche nicht zu unterschätzen ist. Will man die drei Filme qualitativ vergleichen, dann bewegen sie sich allesamt im selben Niveau. Einzig das Flair der Salzburger Festspiele in Teil Zwei konnte sich ein wenig von den Weiteren abheben.
Als Kabarettist ist Josef Hader in Österreich eine absolute Größe. Als Schauspieler wird er von Film zu Film besser. Dieser Ansicht ist auch der Regisseur, als er in einem Interview darauf angesprochen wurde. Er lobte vor allem die Sicherheit die ständig wächst und dessen Leistung dadurch reift. Als Gegenspieler in DER KNOCHENMANN darf der bayrische Exzentriker Josef Bierbichler als Löschenkohl sein Können unter Beweis stellen. Bierbichler, der in seiner Laufbahn relativ wenig dreht, und nur mit ausgewählten Regisseuren arbeitet, wusste nach dem Durchgehen des Drehbuches, dass diese Rolle interessant wäre. Trotzdem ließ er es noch zweimal umschreiben bis die Produktionsfirma die endgültige Zusage bekam. Birgit Minichmayr, derzeit im Diensten des Burgtheaters, ist vor allem da, Brenner den Kopf zu verdrehen. Dass sie neben den Bühnen auch auf der Leinwand brillieren kann, beweist der Umstand, dass sie erst kürzlich auf der diesjährigen Berlinale zur besten weiblichen Darstellerin gewählt, und mit dem silbernen Bären ausgezeichnet wurde.
Fazit:
DER KNOCHENMANN bietet exakt jene Kost, die der Kinobesucher vom Trio Hader / Murnberger / Haas erwarten darf. Einem schaurigen und pointenreichen Kinovergnügen steht also nichts mehr im Wege.
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