Der Vorleser

  • Informationen zum Film
  • Der Vorleser

  • Originaltitel:
    The Reader
    Genre:
    Romanze, Drama
    Produktionsländer:
    USA, Deutschland
    Produktionsjahr:
    2008
    Kinostart Österreich:
    27.02.2009
    Kinostart Deutschland:
    26.02.2009
    Kinostart USA:
    09.01.2009
    Verleiher Österreich:
    Senator Film
    Verleiher Deutschland:
    Senator Film
  • Inhalt
  • Der junge 15-Jährige Michael wollte sich eigentlich nur für die Hilfe jener zwanzig Jahre älteren Fremden bedanken. Konträr zu diesen Erwartungen endet der Jüngling mit Hannah im Bett. Es beginnt eine leidenschaftliche Affäre, die Michael für immer verändern würde. Vor dem Akt bittet sie den Jüngling um das Vorlesen von Büchern. So verstreichen die Tage zwischen Homer und Lessing, zwischen Missionar und Oral. Der Sommer geht schnell zu Ende und eines Tages Jahre später trifft er sie wieder: Er ist ein Jus-Student. Sie sitzt als Angeklagte in einem Verfahren gegen ehemalige SS-Wärterinnen ...
  • Filmkritik
  • Regisseur Stephen Daldry, der schon mit seinem meisterhaften Billy Elliot – I Will Dance einen wahren Kultfilm schuf, machte sich auf, den gleichnamigen Roman von Bernhard Schlink für die große Leinwand zu adaptieren. Sein handwerklich beeindruckender Film spielte sich gleich in die Herzen der Academy-Jury, die The Reader, so der originäre Titel, prompt für den besten Film nominierten.

    Der britische Regisseur versteht sein Fach ungemein gut. Schon in dem oben genannten Werk verzauberte er das Publikum mit gekonnt in Szene gesetzten Bilder. The Reader strahlt eine ähnlich schöne Ader aus, die versucht den Zuschauer einzufangen. Doch trotz dieser eigentlich guten Inszenierung gelingt es der Leinwand nicht, seine Besucher zu sich zu locken. Der Vorleser bemührt sich deutlich unser Gehör und unsere Sehkraft zu erobern, aber es scheint nicht viel zu nützen. Vielleicht liegt es an dem Sujet per se, vielleicht auch nur an der Adaption des Buches für die Leinwand. Auf jeden Fall wird der Zuschauer vor einer interessanten Geschichte voller Auf und Ab gestellt. So wie die mysteriöse Tür der attraktiven Hannah verführerisch den jungen Michael in eine neue Welt einlädt, so bittet auch der Regisseur sein Publikum in diese. Doch statt der Zuschauer in Ekstase sich dem Geschehen hingibt, wird er immer wieder aus dem eigentlich interessanten Plot herausgerissen. Man will sich visuell von dem Film liebkosen lassen, doch dabei zerrt das Werk den Kinobesucher von einer in die nächste Dekade. Der handwerklich wahrlich tolle Film lässt dem Auditorium keine Zeit zur Rast, keine Zeit wahrliche Empathie für die Gestalten der Erzählung entwickeln zu können. Regisseur Daldry erzählt jene mysteriöse Liebe leider einfach zu schnell.

    Wie gesagt, ist der Film rein vom formalen Standpunkt tadellos, man möchte sogar sagen überaus erstaunlich. Neben der Regie muss man – allein wegen den Oscar-Nominierungen – die schauspielerische Leistung des superben Ensembles näher beschreiben. Man kann oft der Academy falsches Urteil vorwerfen, doch in diesem Fall besitzen jene den vollen Durchblick. Kate Winslet, zu oft zu Unrecht bei dem berühmten Filmpreis übergangen, spielt ein weiteres Mal einfach nur fabelhaft. Ihre Darstellung ist voller kleinen Nuancen, die wahres Leben auf die Leinwand zaubert. Trotz einer hemmender Wirkung scheint sie voller Kraft und Leidenschaft. Ihre beiden Konterparte, der noch unerfahrene David Kross als der junge und der Altmeister Ralph Fiennes, können nur schwerlich mit dieser gewaltigen Energie ankommen, die aus ihrer Anwesenheit entfaltet. Fiennes' Darstellung ist gut und routiniert, aber bei dieser Figur sollte man sich eher seiner „Verjungung“ zuwenden. David Kross, den die Meisten in der Titelrolle des „deutschen Harry Potters“ spielte, beweist hier trotz seiner jungen Jahren ein großes Talent. Begeisterte er in seinem Schauspieldebüt in Krabat nur mäßig, kann er in The Reader in vielen Momenten wirklich das Publikum in Bann ziehen. Mühelos schlüpft er in die Haut des unerfahrenen Jünglings und des verzweifelten Studenten. Ihm zur Seite steht in den Universitätszeit ein gigantischer Darsteller, bei dem Klang dessen Namens man vor Ehrfurcht schon zu zittern beginnt. Bruno Ganz' Anwesenheit genügt, um das Zelulloid von seiner epochalen Ausstrahlung anzustecken. Ein Traumensemble !

    Eines muss man dem Film jedoch vorwerfen: Der Vorleser ist ein engliscbsprachiger Film, der allzu gern ein Deutscher wäre. Immer wieder gibt es natürlich Filme aus Ländern (besonders aus den USA), die sich mit den Geschichten aus anderen Gebieten der Welt beschäftigen, ohne sich deren Muttersprachen zu Herzen nehmen. Diese scheinhafte Authenzität erreicht mit The Reader einen gewissen, unangenehmen Höhepunkt. Die deutschen Originalschauplätze sind wirklich wunderschön abgelichtet und verführen nicht nur das Publikum in jene urbane Länderei. Auch der Regisseur ist ganz dem germanischen Volke verfallen. Kurzerhand sprechen alle Statisten im Hintergrund Deutsch in den unterschiedlichsten Dialekten. Man engagiere deutsche Mimen, die sich ihres Landes auch nicht in der englischen Sprache ablegen können. Die Radios werden alle auf eine heimische Frequenz gestellt. Und voilá: Der „deusche“ Film ist da. Wobei eine Steigerung müsse noch gemacht werden. All die britischen Darsteller müssen sich ihren deutschen Kollegen anpassen. Dies erinnert ein wenig an Marshalls Memoirs of a Geisha, in denen all die japanischen Darsteller in gebrochenen Englisch zu sprechen genötigt wurden. Der Unterschied hier: The Reader misshandelt die schönen Stimmen (und somit auch ihre Ausdruckskraft) solch Edelmimen wie Kate Winslet und Ralph Fiennes, um jenes gebrochene Englisch aus ihnen herauszupressen. Dem deutschsprachigen Kinobesucher der Originalfassung dreht sich hierbei leicht der Magen um.

    Fazit:
    Geniale Darsteller, schöne Bilder und eine nette Geschichte. Die handwerklich hervorragende Umsetzung des gleichnamigen Bestsellers schwächelt ein wenig, die Faszination des Publikums für sich zu gewinnen. The Reader ist ein guter Film, kann aber nicht den filmischen Olymp des Jahres 2009 erklimmen.
  • Wertungen
  • Story
    4,0
    Musik:
    4,0
    Unterhaltung:
    3,5
    Anspruch:
    4,0
    Spannung:
    3,5
    Darsteller:
    4,5
    Gesamt:
    3,5
    Verfasst von:
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