Nur Hollywoods mächtige Herren werden wissen warum man einen noch völlig unbekannten und noch dazu unerfahrenen Regisseur eine derart große Verantwortung überlässt. John Patrick Shanley, der bislang nur JOE VERSUS THE VULCANO ( 1990 ) inszenierte, wurde die Ehre zuteil DOUBT mit namhaften Darstellern zu arrangieren. Als Autor für Drehbücher ist John ein gefragter und auch erfolgreicher Mann. 1987 erlebte er seinen absoluten Höhepunkt als er für MONDSÜCHTIG den Oscar gewann. Auch DOUBT - GLAUBENSFRAGE stammt aus seiner Feder, und wahrscheinlich gab es für die Produzenten das Buch nur im Zusammenhang mit der Vereinbarung, den Film selbst machen zu dürfen. Wie auch immer; es kam wie es kommen musste. Der negative Punkt des Werkes liegt in der Regie. Denn diese ist schlichtweg nicht vorhanden. Keine Frage ist es manchmal förderlich sich als Filmemacher zurückzunehmen um die Geschichte, oder die Charaktere, wirken zu lassen. Aber gar keine Tätigkeit auf diesen Gebiet ist zu wenig. Eine Klasse höher, und daher im durchschnittlichen Bereich anzusiedeln, sind Kamera, Schnitt und die Filmmusik.
Warum GLAUBENSFRAGE trotzdem interessant und sehbar bleibt, liegt definitiv an den wunderbaren Schauspielern. Meryl Streep als gestrenge Aloysius Beauvier zu erleben, ist für Cineasten ein absoluter Genuss. Schon klar das Meryl alles glaubhaft spielen kann was ihr angeboten wird. Aber den Bösewicht zu verkörpern liegt der 59 jährigen Amerikanerin besonders gut. Der Zuseher sieht bei ihrer Ausführung eine Charakterstudie der Extraklasse. In den knapp zwei Stunden ist der zu begutachtende Verfall einer Person deutlich zu erkennen. Meryls Leistung ist aller Ehren wert. Sollten für diese Rolle bei diversen Festivals einige Nominierungen beziehungsweise Preise herausspringen, dann wäre dieser Umstand nicht verwunderlich.
Gar nicht geklärt sei hier die Frage ob Philip Seymour Hoffman die gute Seite verkörpert. Sicher ist aber dass er seiner weiblichen Co Partnerin um nichts nach steht. Es gibt gegenwärtig nicht viele Schauspieler die ernste Rollen so eindringlich wiedergeben können wie er. Seine Offenherzigkeit in GLAUBENSFRAGE ist tiefgründig, intensiv und extravakant.
Als dritte im Bunde ist Amy Adams, die mit VERWÜNSCHT erstmals groß in Erscheinung trat. Große Veränderungen seit dem eben genannten Film bedarf es nicht, spielt die 34 Jährige doch den selben Charakter. Lieb, etwas naiv, aber mit großem Herzen weiß die in Italien geborene Darstellerin ihr Konterfei bravourös in Szene zu setzen.
Gäbe es in einem Festival die Kategorie „“ Beste drei Darsteller in einem Film „“ hätten sie in diesem Jahr wohl keine Konkurrenz.
Der zweite und gleichzeitig letzte positive Aspekt des Films liegt im Inhalt begraben. Denn dieser hält die Spannung, ob Pater Flynn nun ein Kinderschänder ist oder nicht, bis zuletzt am Leben. Dadurch wird der Betrachter bei Laune, und bis in die letzte Minute wissbegierig gehalten. Das lang ersehnte Finale, in dem nun endlich die Wahrheit ans Tageslicht kommt, verpufft jedoch in den fragenden Augen der Zuseher.
Fazit:
DOUBT - GLAUBENSFRAGE wird im großen und ganzen durch die Darsteller gerettet. Diese simple Produktion hat Meryl Streep, Philip Seymour Hoffman und Amy Adams eigentlich gar nicht verdient. Dank ihnen wird ein unterdurchschnittlicher Film doch noch zu einem ganz Guten.
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