Körperlich kam Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg ( Tom Cruise ) schwer angeschlagen aus dem Afrika Feldzug zurück. Seine Psyche für sein deutsches Vaterland alles zu geben ist dennoch ungebrochen und stärker als je zuvor. Daher ist es für ihn um so enttäuschender dass sein Führer Deutschland, und den Rest der Welt, ins Verderben führt. Lange genug hatte er bloß davon gehört und tatenlos zugesehen. Damit ist endgültig Schluss. Er beschließt sich einer Widerstandsgruppe, in dem sich einflussreiche Truppenführer, Diplomaten, Edelmänner und Teile der kirchlichen Gemeinschaft befinden, anzuschließen. Gemeinsam schmieden sie eine Konzeption die Hitlers Notfallsplanung, genannt OPERATION WALKÜRE, mit einbezieht. Diese Strategie sieht die Ermordung von Adolf Hitler vor. Danach soll das Regime gestürzt, und die wichtigsten Positionen mit den eigenen Männer besetzt werden.
Leider schlagen die ersten Versuche Hitler um die Ecke zu bringen fehl, und Stauffenberg beschließt das entscheidende Attentat selbst in die Hand zu nehmen. Mit einer Aktentasche voller Sprengstoff fährt er am 20 Juli 1944 zu einer Lagebesprechung in die Wolfsschanze, jenes in der Nähe von Rastenburg liegt. Leider wird die Konferenz vorverlegt, sodass der Attentäter nur die Hälfte der Sprengsätze aktivieren kann. Stauffenberg schafft es die Tasche direkt unter Hitlers Tisch zu platzieren und lässt sich gleich danach von einen Gehilfen anrufen. Mit diesem Vorwand kann er ohne Verdacht zu schöpfen die gefährlichen Räumlichkeiten verlassen. Um exakt 12.42 Uhr explodiert die Bombe und OPERATION WALKÜRE beginnt.
Mit DIE ÜBLICHEN VERDÄCHTIGEN, seinem zweiten abendfüllenden Spielfilm, schaffte Bryan Singer 1994 den Durchbruch als Filmregisseur. Vier Jahre später inszenierte der Filmemacher mit DER MUSTERSCHÜLER zwar keinen finanziellen Erfolg, aber einen den die Filmkritiker sehr achteten. 2000 und 2003 erblickten unter seinem Händchen die ersten beiden Teile der X-Men Saga das Licht der Kinoleinwand. Mit SUPERMAN RETURNS entstand 2006 ebenfalls ein absoluter Blockbuster. Für OPERATION WALKÜRE - DAS STAUFFENBERG ATTENTAT verlässt Bryan Singer sein gewohntes Terrain um eine wahre Begebenheit so detailgetreu wie möglich nachzustellen. Sein Hauptdarsteller ist diesmal keine Superfigur aus der Comicwelt, sondern einer der in jüngster Vergangenheit durch die Scientology Mitgliedschaft in negativen Schlagzeilen geriet. Also, zählt man das neue unwegsame Gelände eines Kriegsdrama mit der Person Tom Cruise zusammen, ergibt es für den Regisseur eine Aufgabe, die ziemlich in die Hose gehen könnte.
Lassen wir die Querelen um Tom Cruise bei Seite, und behandeln den Film nicht nach der Echtheit der realen Ereignisse. Sondern rezensieren wir was es zu beurteilen gibt. Nämlich den Film und dessen handwerklichen Qualitäten.
Bryan Singer schafft es tatsächlich trotz großem Budget und einem Staraufgebot einen Film zu inszenieren, der gar nicht wie ein Blockbuster wirkt. Viel mehr befindet sich der Zuseher größten Teils in einem brisanten Kammerspiel. Und zwar in jenem welches von erster Minute an Spannung verspricht. Fast minutiös baut dieses Produkt einen Bogen, der bis zum dramatischen Finale erstklassig arrangiert, und unbeirrt durchgezogen wird. Als Endergebnis bleibt ein Werk das sowohl auf dem technischen Gebiet, als auch auf einer schauspielerischen Ebene, ein sehr hohes Niveau erreicht.
Viele böse Zungen behaupteten im Vorfeld dass die Hollywoodmaschinerie ein so ernstes Thema nur verunstalten kann, und aus einem zeitgeschichtlichen Drama ein plumpes Actionspektakel machen könnte. Falsch gedacht !!! OPERATION WALKÜRE ist von einem Actionfilm so weit entfernt wie KRIEG DER STERNE von einem Unterwasserspektakel. Abgesehen von den ersten wenigen Minuten, und dem Anschlag in Form einer Explosion, gibt es keine schnelleren Szenen zu sehen. Mit VALKYRIE im englischen Original, ist im Gesamten ein ruhiges, seriöses, und stets interessantes Werk entstanden. Die Kamera kommt dem Geschehen, wie zuletzt oft gesehen, nicht zu nah, wenngleich ein paar Gesichtsaufnahmen die Mimiken der Darsteller einfängt. Die Licht / Schattenspiele werden wunderbar choreographiert, und dahingehend eingesetzt, dass die dunklen Aspekte überwiegen. Dadurch widerfährt dem Film eine besondere Atmosphäre, die atemberaubend zum Flair des Allgemeinen passt. John Ottman ummantelt mit seinem Score den Film einfühlsam und eindringlich zugleich.
Bei der Performance von Tom Cruise vergisst man nach wenigen Minuten die Negativpresse. Er beweist hier dass er auch ein ziemlich guter Schauspieler sein kann. Zu Beginn agiert der 46 jährige Amerikaner noch seines Landes typisch heroisch. Doch diese Eigenschaft legt er schnell ab und unterwirft seine Professionalität dem Projekt. Ruhig, besonnen und überlegt, spielt Tom den Part ohne laute Töne. OPERATION WALKÜRE ist daher Toms beste schauspielerische Leistung seit MINORITY REPORT.
Obwohl der Aufhänger mit Tom Cruise bereits genannt wurde, gibt es noch eine Menge Darsteller die allesamt ein erstaunlich gutes Ensemble ergeben. Kenneth Branagh, Bill Nighy, Tom Wilkinson, Terence Stamp, sind von der englisch sprechenden Fraktion ebenso zu nennen wie Thomas Kretschmann, Matthias Schweighöfer, Christian Berkel und Christian Oliver von der Deutschen.
Fazit:
Abgesehen von einen minimalen Durchhänger im Mittelteil verfügt OPERATION WALKÜRE über ein enormes Potential. Ein Film der vor allem dramatisches, Kriegsschauplätze, ein kleinwenig Action, und einen Hauch von einem Thriller beinhaltet. Pauschal gesehen sei die Regie von Bryan Singer, und die Darbietung von Tom Cruise als allererstes positiv zu erwähnen. Insgesamt großes Kino mit ganz kleinen Abstrichen …
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