„Extreme – The most violent Film I’ve seen in years; (OFDB.de)”. So lautet der reißerische Werbespruch auf dem DVD-Cover, mit dem Sunfilm seine (gekürzte) Fassung von „Dard Divorce“ bewirbt. Doch, ganz ehrlich, etwas anderes hätte man vom bayerischen Regisseur Olaf Ittenbach doch wohl auch kaum erwartet – oder? Seine fast zwanzig Jahre andauernde Karriere hindurch machte sich Ittenbach mit brutalen Splatterfilmen einen Namen. Zuerst noch als Amateurfilmer („Black Past, „The Burning Moon“, „Premutos“), dann zusehends professioneller und internationaler werden seine neueren Filme inzwischen für einen internationalen Markt gedreht und finden auch im Ausland Beachtung (z.B. „Beyond the Limits“ oder „Chain Reaction“). Dabei ist ihm anzurechnen, dass er nie versucht hat, sich dem Mainstream-(Horror-) Publikum anzubiedern, sondern immer „sein Ding durchgezogen hat“, um es mal salopp zu formulieren. Nun präsentiert er seinen ganz persönlichen Beitrag zur aktuell sehr modernen „Torture-Porn“ Welle. Allerdings kann „Dard Divorce“ nicht an seine letzten Arbeiten anknüpfen. Dies lässt sich an drei Punkten zeigen: 1. Inszenierung, 2. Schauspiel, 3. Intention des Filmes.
Ittenbachs Filme verfügten noch nie über ausgeklügelte Kameraeinstellungen, visuelle Stilmittel oder ähnliche inszenatorische Finessen. Seine Regiearbeiten sind effizient und solide – sie zeigen das, was man auch sehen soll. Gelegentlich gab es kleine Momente, die man ihm so nicht zugetraut hätte (z.B. die Friedhofsszene in „Black Past“) doch im Allgemeinen blieb keine Einstellung so richtig in Erinnerung.
Zumindest aber wurde seine Kameraarbeit mit den letzten Filmen immer professioneller (sicherlich auch ein Resultat des höhern Budgets) und seine Filme bekamen dadurch einen besseren „Look“. In „Dard Divorce“ gibt es dagegen inszenatorisch „Licht und Schatten“ und der Film wirkt an einigen Stellen noch arg unfertig: Gerade die erste halbe Stunde – die für Ittenbach äußerst untypisch ohne jede Gewaltdarstellung auskommt, sondern sich voll auf die Charaktere konzentriert – ist an einigen Stellen so plump und uninspiriert ausgefallen, dass man das Gefühl nicht los wird, man würde einem Amateur bei der Arbeit zusehen. Manche Aufnahmen wirken zwar recht gut gefilmt (die langen Kamerafahrten wurden gut und professionell in Szene gesetzt und auch das Spiel mit Licht und Schatten gibt dem Film einige schöne Momente), dann aber kommt wieder ein ungelenker „Close-Up“ oder der Schnitt ist so schlecht gesetzt, dass man als Zuschauer verwundert aufschaut. Was allerdings noch wesentlich schwerwiegender ist sich im weiteren Verlauf des Filmes bemerkbar macht: Der ungelenke, beziehungsweise unfertig aussehende Schnitt zerstört auch an manchen Stellen die einzige Fertigkeit Ittenbachs, an der man vorher fast nie Kritik äußern konnte: Seine Effekte. Denn in gleich mehreren Einstellungen sieht man, dass es sich eben nur um einen Solchen handelt. Sei es, dass man den Gummikopf eine Sekunde zu lange sieht, oder dass das Messer nicht wirklich in die Wange sticht, etc. Auch auf die wenigen Actionszenen wirkt sich der Schnitt negativ aus, denn gerade dadurch sehen diese sehr gekünstelt und gestellt aus (ganz besonders schlimm fällt dies bei Nathalies Attacke auf ihren ersten Peiniger auf). Hier hat Ittenbach leider einen Rückschritt gemacht und an seine letzten Arbeiten (z.B. „Chain Reaction“) kann „Dard Divorce“ inszenatorisch nicht anknüpfen. Allerdings – und dies sollte als Ehrenrettung des Regisseurs erwähnt werden – entstand „Dard Divorce“ unter erschwerten Bedingungen: Da man nur ein sehr geringes Budget hatte und sich deswegen kein Studio leisten konnte, wurde der Film über mehrere Monate immer am Wochenende gedreht, dazu noch in Ittenbachs eigenem Haus. Dass man dabei natürlich nicht allzu professionell arbeiten konnte, ist nur logisch.
Durch den unfertig wirkenden Schnitt und die ungelenke Inszenierung werden leider auch die Schauspieler im Stich gelassen. Und was bei wirklich großen Mimen nicht ins Gewicht fallen würde, ist bei den, vornehmlich im B-Movie Bereich arbeitenden, Akteuren eine kleine Katastrophe. Eine wirklich gute Schauspielerin ist Martina Ittenbach nicht und auch die anderen Darsteller (die man übrigens aus anderen Ittenbach Filmen schon kennt) sind es nicht. Und so merkt man ihnen die Unsicherheit an einigen Stellen deutlich an und dadurch verliert der Film an Atmosphäre – die „Steifheit“ der Schauspieler verhindert, dass der Zuschauer mit den Charakteren mitfühlen und mitleiden kann.
Nun kann man immer noch sagen, dass Ittenbach-Filme noch nie visuelle Meisterwerke waren und schlechtes Schauspiel musste man ja schon in seinen Frühwerken über sich ergehen lassen (- und keine Angst. Dagegen müssten sämtliche „Dard Divorce“ Darsteller sofort einen Oscar erhalten). Aber man konnte sich immer gut von seinen Filmen unterhalten lassen. „Chain Reaction“ mit Freunden, Pizza und alkoholischen Getränke – da hat man durchaus einen vergnüglichen Abend. Aber… das funktioniert bei „Dard Divorce“ nicht, kann es auch gar nicht, da diesem Film eben der „Fun-Faktor“ von früheren Ittenbach-Werken fehlt. Das liegt ganz einfach an dem Genre des „Torture-Porns“ selber. Diese Filme sind unbequem, sollen wehtun. Und Ittenbach setzt sich mit „Dard Divorce“ zwischen alle Stühle: Für einen normalen (Fun-) Splatterfilm ist die Ausgangssituation und die sich entwickelnde Handlung zu düster und ernsthaft gemeint (ganz anders als in seinen früheren Werken, denen man – unfreiwillig oder gewollt – immer Humor attestieren konnte), aber für einen „Torture-Porn“ ist das Ganze zu plump gemacht. Ittenbach übertreibt hier völlig mit der dargestellten Gewalt – und deswegen wirkt das Gesehene nicht mehr schockierend sondern plump. Wenn zu sehen ist, wie ein Kind mit einer Kreissäge in der Mitte geteilt wird, oder wie jemand mit einem Lattenhammer zu Tode gedroschen wird, dann ist das zwar krass aber im Kontext der eigentlichen Handlung zu aufgesetzt. Man bekommt als Zuschauer einfach das Gefühl, dass Ittenbach die Geschichte nur um seine Splatterszenen inszeniert und diese nicht ins Gefüge der Handlung integriert hat. Dass die Gewalt dazu noch in keinerlei Relation zur Handlung steht, stößt ebenfalls übel auf. Denn wie die handelnden Personen aufeinander losgehen ist an Radikalität, Brutalität und kaltschnäuziger Härte kaum noch zu überbieten. Diese Barbarei ist für Ittenbach nur konsequent, da sich der Mainstream-Horror ebenfalls immer brutaler zeigt und um sich von der Masse abzusetzen, müsse man halt noch krasser sein, als der letzte „Saw“-Teil.
Wirklich gelungen ist dagegen die musikalische Untermalung des Filmes. Sowohl die Songs als auch die orchestrale Musik wurden sehr gut ausgewählt und können während der Filmverlaufs immer wieder positive Akzente setzen.
Fazit:
An „Dard Divorce“ werden sich die Geister scheiden. Rein objektiv gesehen hat Ittenbach einen Rückschritt gemacht, der zum Teil durch die schlechten Dreharbeiten entschuldbar ist – aber eben doch negativ auffällt. Auch als „Fun-Splatter“, wie seine früheren Filme, taugt „Dard Divorce“ nicht viel – dazu ist die Thematik zu ernst. Die Effekte sind meistens auf recht gutem Niveau und zeigen Ittenbachs wahres Können – und das liegt nun einmal nicht in dem Erzählen einer funktionierenden Geschichte. Ittenbach-Fans, „Splatterjunkies“ und auch Trashliebhaber sollten ruhig mal einen Blick riskieren, Amatuerfilm-Hasser wie mainstreamgewohnte Zuschauer sollten dagegen lieber auf den neuesten Ittenbach`schen Output verzichten.
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