Der dystopische Roman Babylon Babies von dem Bestsellerautor Maurice G. Dantec gilt als eines jener Werke, über welchem das Adjektiv der Unverfilmbarkeit verhängt wurde. Trotz dieser schlechten Vorraussetzungen machte sich der junge, französische Regisseur Mathieu Kassovitz daran, den 600-seitigen Roman zu verfilmen - doch die Leserschaft behielt scheinbar recht.
Regisseur Kossovitz, der mit seiner düsteren, filmischen Adaption zu dem Buch Die purpurnen Flüsse einen gewissen Grad der Anerkennung für seine Arbeiten erhielt, ließ es sich nicht nehmen die gewaltigen 600 Seiten in kurzweilige 100 Minuten zu verwandeln. Bei dieser Transformation zwischen den Medien ging natürlich ein großes Maß an Tiefe des dystopischen Romans verloren. Das Endprodukt scheint eine Art Mischung aus dem Actionspektakel The Transporter und der Adaption des P. D. James-Meisterwerks Children of Men zu sein – ohne dabei die Qualität einer der beiden Filme zu erreichen. Babylon A.D weiß nicht, was er erreichen will: Seine tiefgründige Geschichte wurde zu großen Teilen für die mageren Actionsequenzen geopfert. Doch nur die Wenigsten jener atemberaubenden Actionszenen sind es wahrlich wert als Ersatz für den dystopischen Inhalt zu dienen. Zu ruhig für einen Action-Sci-Fi, zu hektisch für eine kluge Auseinandersetzung mit dem Sujet – was übrig bleibt: Ein halbgarer Film, der sein Potential verschenkt.
Vin Diesel kehrt zu seinem Lieblingsgenre zurück. Nach dem kurzen Ausflug in das Fach der intelligenten Tragikomödie mit dem subtilen Find Me Guilty von Altmeister Lumet wird nun wieder auf Leben und Tod gekämpft. Der Name des Actionstars steht für erstklassige Kämpfe und furiose Schlachten. Jedoch eilt dem Film der Ruf des Darstellers voraus und die Erwartungen werden von den Fans zu hoch angesetzt. Zwar spielt Diesel wieder typisch knallhart mit einer Brise trockenem Humor, doch seine Performance kann einfach nicht mit derselben Atmosphäre der größeren, actionreicheren Auftritte aufkommen, welche man aus Werken wie Pitch Black oder The Chronicles of Riddick kennt. Höheres schauspielerisches Niveau findet sich hingegen in den Reihen der Nebendarsteller. Besonders die beiden Führerpersönlichkeiten Gorsky und die Hohepriesterin sind ideal besetzt. Gérard Depardieu liefert einen selbstironischen und dennoch intensiven Auftritt als den schleimigen Bandenboss, welcher sich stets in seinem stillosen Sportsanzug kleidet und im Kontrast mit klassischer Musik einhüllt. Die Britin Charlotte Rampling gibt eine bitterböse Darbietung des Oberhauptes ihrer Kirche und hinterlässt den Wunsch nach mehr.
Fazit:
Babylon A.D. will viel, erlangt aber nur wenig. Mathieu Kassovitz konnte sich scheinbar nicht entscheiden, ob er ein Actionspektakel oder eine intelligente Auseinandersetzung mit dem Sujet anzielen sollte. Die tödliche Mitte zwischen den beiden Wegen verdammt den Film zu seinem eigenen Niveau. Der Film besitzt seine Momente, jedoch kann er sein eigenes Potential nicht ausschöpfen. Science-Fiction-Liebhaber werden einen gewissen Gefallen an Babylon A.D. finden, aber ihr Durst wird nicht zur Gänze gestillt werden.
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