Blood Simple -----
Kaum ein anderes Filmgenre veranschaulicht so deutlich, dass simple Dinge durchaus gut funktionieren können, wie das Horrorgenre. Während andere Genrefilme den Zuseher mit elendslangen Teenie-Dialogen und / oder pompös inszenierten Actionszenen langweilen, ist CREEP längst um zwei Morde und drei Verfolgungsjagden voraus. CREEP ist schlicht und simpel, der Film kippt alles über Bord was für einen geradlinigen Horrorfilm nicht wirklich notwendig ist. Die Handlung ist bestenfalls skizziert, gesprochen wird nur wenn's nötig ist und mit langen Erklärungen hält sich der Film auch nicht auf. CREEP reduziert sich auf traditionelle Elemente des Horrorfilms und setzt sie konsequent in Szene. Dunkle Gänge, Verfolgungsjagden, Schockmomente und blutig inszenierte Morde sollen für Angst und Spannung sorgen. Der Horrorfilm in seiner reinsten Form, Minimalismus pur. Schlicht, aber nach wie vor sehr effektiv. CREEP funktioniert!
Franka rennt -----
Inhalt und Form des Films zeigen eindeutig in dieselbe Richtung. Die Inszenierung verzichtet auf die Zurschaustellung aufwendiger CGI-Gebilde und exaltierter Kamerafahrten. Statt dessen wird viel mit Handkamera gearbeitet, deren hektisch verwackelte Bilder bei den Verfolgungsjagden aber prächtig funktionieren. Der Film hat den Look & Feel eines schmutzigen, billigen und kruden Horrorstreifens. Damit unterscheidet er sich sehr deutlich vom Videoclip-artigen Hochglanzhorror, den uns der Hollywood Mainstream zur Zeit so häufig vorsetzt. Das wird unter anderem auch durch die Atmosphäre des Films spürbar. CREEP ist in seinen Splatterszenen ziemlich unverblümt und direkt, der Regisseur setzt dabei hauptsächlich auf Masken, Make Up und rote Soße. CREEP hat zwar nicht extrem viele Splatterszenen aber dafür einige ziemlich krude, die prompt mediale Diskussionen zum Thema Gewalt(verherrlichung) im Film hervorriefen. Das schreibe ich aber eher dem Umstand zu, dass man aufgrund von Filmen wie RESIDENT EVIL: APOCALYPSE, BLADE TRINITY, ALIEN VS. PREDATOR und VAN HELSING mittlerweile offenbar vergessen hat, dass Horrorfilme auch Blut beinhalten können.
Mind the gap -----
Obwohl CREEP gerade über seine schlichte Machart gut funktioniert, hätte es in manchen Szenen doch etwas mehr handwerkliches Grundverständnis verlangt. So ist es zum Beispiel nicht unbedingt von Vorteil das Notruftelefon groß im Bildhintergrund erkennen zu können, nur kurz nachdem Kate vergeblich versucht hat über ihr Handy Hilfe zu rufen. Kleine Schlampereien und Logikfehler wie dieser tauchen immer wieder im Film auf. Leider funktionieren die wenigsten Schockmomente des Films. Sie sind einfach zu klischeehaft und vorhersehbar in Szene gesetzt. An dieser Stelle lässt Regisseur Christopher Smith wenig Originalität und Gespür für eine effektive Umsetzung erkennen. Schade. Die Darstellung von Franka Potente ist dem Film durchaus angemessen. Hat man diese hervorragende Schauspielerin aus Filmen wie DER KRIEGER UND DIE KAISERIN oder LOLA RENNT in Erinnerung, widerstrebt es einem jedoch sehr deutlich, im Zusammenhang mit dem Film CREEP von einer Performance zu sprechen. Insgesamt gesehen hat CREEP zwar einige Schwächen, kann aber andererseits durch seine geradlinige und direkte Machart überzeugen. Der Film ist kurzweilig, spannend und die endlosen Gänge der Londoner U-Bahn sind endlich wieder einmal furchterregend... und das fast 25 Jahre nach dem legendären AN AMERICAN WEREWOLF IN LONDON.
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