Happy-Go-Lucky war eine der großen Überraschungen der diesjährigen BERLINALE und sahnte dort sogar den Silbernen Bären ab. Regisseur Mike Leigh (u.a. oscarnominiert für seinen letzten Film Vera Drake, 2004) schuf mit Poppy eine liebenswerte Nervensäge, die sich jeder zum Freund wünschen könnte. Sally Hawkins ist die Idealbesetzung und verkörpert diese Figur bis ins letzte Detail: Ihre Art zu gehen, zu sprechen und zu lachen fügt sich nahtlos ins Gesamtbild dieses Charakters ein. Und wäre man ganz böse, so könnte man auch im Kleidungsstil gewisse Ähnlichkeiten zu Amy Winehouse feststellen. Poppy und ihre Freundinnen repräsentieren in gewissem Sinne auch eine Generation selbstständiger und starker junger Frauen, die ihr Leben in ihre eigene Hand nehmen und sich nicht um Erwartungshaltungen in ihrem Umfeld scheren: Das zeigt sich nicht nur darin, dass Poppy und ihre Schwester Suzy den Kontakt zu ihren Eltern vollständig abgebrochen haben, sondern eben auch in den kleinen Reibereien zwischen Poppy und ihrem Fahrlehrer Scott, der aufgrund ihres kindlichen Auftretens gar nicht glauben kann, dass sie Grundschullehrerin ist.
Der Reiz von Happy-Go-Lucky besteht vor allem in solchen Auseinandersetzungen in denen Poppy auf Menschen trifft, die mit ihrem Sonnengemüt nichts anfangen können. Ein unhöflicher Verkäufer in einem Buchladen ist da ebenso zu nennen, wie Poppys und Suzys hochschwangere Schwester Helen, die dabei ist, ihren Traum von der Kleinfamilie in die Realität umzusetzen. Außerdem mischt Poppy einen Flamenco-Tanzkurs auf, der von einer rüstigen Spanierin geleitet wird, die die Meinung vertritt, ihr Tanz müsse etwas mit Schmerz und Leiden zu tun haben. Und schließlich Fahrlehrer Scott – zu dem Poppy immer wieder in den Wagen steigt und der ihr nicht nur mit dem Merkspruch „En-ra-ha“- einem Mantra gleich heruntergepredigt, sodass es auch der Zuschauer wohl nie mehr vergisst – die Bedeutung von Rück- und Seitenspiegeln einprägen will, sondern auch Weltverschwörungstheorien zum Besten gibt. Worüber selbst Poppy Anfangs noch schmunzelt…
Das Tempo fällt leider besonders in den etwas „ernsteren“ Szenen ab. Exemplarisch sei hierfür das bedrohlich inszenierte Zusammentreffen mit einem Obdachlosen mitten in der Nacht. Das mag so irgendwie nicht in den Film passen. Und auch die Einführung des Traumprinzen Tim, der als Sozialarbeiter misshandelte Kinder betreut, wirkt etwas aufgesetzt. Aber so spielt das Schicksal halt hin und wieder. Happy-Go-Lucky ist eine stilsicher inszenierte und vor allem formidabel gespielte britische Komödie, deren Humor manchmal etwas derb, aber nie zu dick aufgetragen ist, und die einfach aufgrund ihrer Liebenswürdigkeit ans Herz geht. Ein echtes „Feel-Good-Movie“!
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